Branche buhlt um die Besten

von Redaktion LZ
Freitag, 03. Dezember 2010
Andrang: Die Stände in Halle 8 der Köln Messe sind an beiden Tagen dicht umlagert.
Staufenbiel
Andrang: Die Stände in Halle 8 der Köln Messe sind an beiden Tagen dicht umlagert.
LZnet. Metro, Rewe, Lidl, Kaufland und viele weitere Händler nutzten die Chance, sich beim diesjährigen Absolventenkongress dem akademischen Nachwuchs von ihrer besten Seite zu präsentieren.
Christian Vogler gibt sich betont locker. Auf den Schlips verzichtet der Toppersonaler von Kaufland, während das Gros der Studenten in Hörsaal 8 seiner Unternehmenspräsentation in ganz formellem Outfit lauscht. In einer halben Stunde zeigt Vogler die Vielfalt des Handels, erläutert Prozesse und Strukturen hinter den Kulissen und macht jungen Talenten die Chancen schmackhaft, die der SB-Warenhausbetreiber zu bieten hat.
 

Zwei Tage voller Gespräche

"Viele sind sehr gut vorbereitet", berichtet er über die Studenten, die später am Stand Genaueres über den Großflächendiscounter erfahren wollen. Wie Kaufland geht es allen Ausstellern der Retail-Zunft: zwei Tage voller Gespräche und Kontakte – und mit mancher Bewerbungsmappe, die im Nachgang zum Kölner Recruitingevent genauer in Augenschein genommen werden will. "Das erledigen wir mit typischer Handelsgeschwindigkeit", verspricht Vogler lachend.

"Wir suchen Machertypen, die Konzepte nicht nur erstellen, sondern auch umsetzen", umschreibt der Leiter Mitarbeiter und Soziales den gewünschten Kandidaten. Ob der mit Bachelor- oder Masterexamen aufwartet, sei zweitrangig, sofern die Persönlichkeit passt.

Metro klotzt in Köln

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Metro klotzt in Köln

Joel Sauveuse


Laut, bunt, dynamisch: Die Präsentation der Metro-Group, wie im Vorjahr angegliedert an den Absolventenkongress, ist nichts für Zartbesaitete. Zu "Meeting Metro" lud der Handelskonzern nun schon zum elften Mal rund 700 Studenten ein. Vorstandsmitglied Joël Saveuse eröffnete das Recruiting-Event mit einem launigen Vortrag. Unterstützt von Moderator Matthias Opdenhövel schilderten Topmanager aus Vertriebslinien und Querschnittsgesellschaften Karrierechancen, Aufgaben und Anforderungen ihrer Bereiche. Neben den Informationen kam auch der Spaß nicht zu kurz. Abends hieß es in Halle 7 "Partytime".


Ulf Marquardt von Lidl kann dem nur zustimmen. Schließlich sei das Traineeprogramm des Discounters dazu da, den Einsteigern das fachliche Rüstzeug "von der Pike auf" beizubringen, sagt der Bereichsleiter Personal Recruiting im Gespräch mit der LZ. Bis auf Jobs für Spezialisten würden fast alle Positionen aus den eigenen Reihen besetzt.

Handel auf der Suche nach Machertypen

Viele Besucher fragen nach den Arbeitszeiten, berichtet Marquardt. "50 bis 55 Stunden pro Woche" müsse man schon bereit sein zu investieren. Und manch einer bekomme angesichts der 57000 Euro Jahresgehalt, die Lidl seinen Trainees zahle, leuchtende Augen. Doch der HR-Experte weiß: "Wer sich nur über Geld motiviert, wird auf Dauer nicht glücklich werden." Um die Motivation der Kandidaten zu ergründen und passende Profile zu finden, nutzt Lidl ein ausgefeiltes mehrstufiges Auswahlverfahren. Offensichtlich mit Erfolg. Die Fluktuation sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Die Personalstrategen im Handel haben erkannt, dass die junge Zielgruppe im Zuge des demografischen Wandels immer kleiner und somit kostbarer wird. Die Studenten wiederum sehen sich heutzutage in der ausgesprochen komfortablen Situation, sich ihre Wunscharbeitgeber beinahe aussuchen zu können.

Umso intensiver arbeiten die Händler an ihrem Image. Trockene Fachvorträge sind passé, heute wird der Nachwuchs multimedial umgarnt. Ob Metro, Otto oder Rewe: Professionell gemachte Videoeinspieler vermitteln Vielfalt und Werte der Unternehmen sowie die Dynamik der gesamten Branche.

"330000 Mitarbeiter, 523 Berufe, 1 Arbeitgeber", steigt Barbara Reuth, Funktionsbereichsleiterin Talentmanagement bei Rewe, ins Thema ein. Sie schildert die Traineeprogramme der Kölner – und nennt aktuelle Vakanzen gleich dazu. "Man braucht Flexibilität, räumlich und im Denken", formuliert sie das gesuchte Kandidatenprofil. "Wer bei uns Karriere machen will, muss auch persönlichen Veränderungen gegenüber offen sein."

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