Rasterfahndung von Großunternehmen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 04. Dezember 2009
Qualifizierte Jungakademiker sind eine knappe Ressource. Schon aus demografischen Gründen müssen Arbeitgeber bereits heute den Nachwuchs von morgen gewinnen. Unter dieser Prämisse präsentierten sich fast 250 Unternehmen auf dem Kölner Absolventenkongress.



Die Recruiting-Messe steht für Karrierestarthilfe und Jobchancen. Wie der Berufseinstieg gelingt, welche Berufsfelder es gibt und wie man auf der Karriereleiter weiterkommt, darüber informierten sich rund 12.000 Studierende, Absolventen und Young Professionals in der vergangenen Woche auf der Jobmesse des Staufenbiel Instituts.

Zwischen Banken, Softwarehäusern und Beratungsfirmen zeigten zahlreiche Handelsunternehmen Präsenz. Erstmals hat die Metro Group ihre eigene Veranstaltung "Meeting Metro" in den Absolventenkongress integriert. Mit dem Verlauf zeigte sich der Konzern hochzufrieden: "In den zwei Tagen wurden uns rund 1.000 Bewerbungen vorgelegt", zieht ein Unternehmenssprecher Bilanz. Auf Messeständen und in Vortragsveranstaltungen warben zudem Unternehmen wie Kaufland und Rewe für sich als Arbeitgeber und erläuterten mögliche Karrierewege.

Praxisbezug ist gefragt

"Der ideale Hochschulabsolvent ist höchstens 28 Jahre alt, hat einen überdurchschnittlichen Master-Abschluss, Auslandserfahrung und verfügt über relevante Praktika", erläutert Oliver Viel, Director of Customer Relations beim Trendence Institut, das Beuteschema der Top-Arbeitgeber.

Die Jobchancen für Akademiker im Groß- und Einzelhandel sind gut - die Akademikerquote steigt. Wer im Handel als Trainee starten möchte, muss kein Überflieger sein. Statt einer rein theoretischen Ausbildung legen die Unternehmen Wert auf Praxisbezug.

Früher bereiteten Trainee-Programme auf eine Vorstandsposition vor und wandten sich deshalb vor allem an die Absolventen-Elite. Heute sollen sie eher auf eine Fach- oder Projektlaufbahn vorbereiten und sind entsprechend praxisorientierter konzipiert. Dennoch empfehlen Hochschulberater: Wer nach oben will, sollte einen Master-Abschluss anstreben.

Neben den unterschiedlichen Aufgaben zeichnet sich der Handel durch internationale Orientierung aus. Viele Ausbildungsprogramme umfassen Auslandsstationen. Das kann den Trainee nach China oder Südosteuropa führen. Den Bedarf an internationalen Managementteams unterstrich Metro-Personalvorstand Zygmunt Mierdorf in Köln. Aber auch Unternehmen wie Fressnapf offerieren internationale Trainee-Programme.

Erstkontakt herstellen

Der Absolventenkongress ist für viele Firmen eine Plattform, um Talente zu gewinnen. Im Vordergrund steht der persönliche, erste Kontakt, unterstrich eine Unternehmenssprecherin von Aldi Süd. Der Discounter, der zum zehnten Mal an dem Kongress teilnimmt, sucht für 2010 rund 50 bis 70 Hochschulabsolventen. Sie sollen nach einem Trainee-Programm die Funktion von Regionalverkaufsleitern übernehmen. Gefragt sind zudem IT-Spezialisten.

"Praktika sind uns sehr wichtig", betonte Stefanie Karstens, Personalreferentin bei der Otto Group. Der Händler hat zahlreiche Einstiegspositionen ausgeschrieben. Otto bietet von Januar an erstmals vier Bachelor-Absolventen die Chance auf einen Master-Abschluss.

Auch Mars warb bei den Studierenden für seine Praktikantenplätze. Hochschulabsolventen bildet das Unternehmen drei Jahre lang für Managementpositionen aus, erläuterte Hannah Knaack, verantwortlich für das Hochschulmarketing bei Mars.

Einig war man sich darüber, dass Arbeitgeber viel investieren müssen, um von Absolventen wahrgenommen zu werden. Seit zwanzig Jahren biete der Absolventenkongress dafür eine gute Plattform. Im Vergleich zur Generation der Baby-Boomer hat es der Nachwuchs heute leichter auf dem Arbeitsmarkt, hieß es, allerdings bei sinkenden Wachstumsperspektiven. (juh)

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