Absolventenkongress Retailer buhlen um Jungakademiker

von Silke Biester
Freitag, 04. Dezember 2015
Branchen-Know-how für Talente: Das Magazin LZ Karriere und die LZ werden auf dem Gemeinschafsstand der LZ-Schwester Textilwirtschaft verteilt.
Reinhard Rosendahl
Branchen-Know-how für Talente: Das Magazin LZ Karriere und die LZ werden auf dem Gemeinschafsstand der LZ-Schwester Textilwirtschaft verteilt.
Mit geballter Branchenpräsenz dominiert der Handel einmal mehr den Absolventenkongress. Lebensmittelfilialisten, Textiliten und Online-Retailer betreiben Imagepflege und aktives Recruiting.

Die Discounter Aldi Süd und Lidl bilden mit sich gegenüber liegenden riesigen Messeständen quasi schon traditionell einen zentralen Blickfang beim Kölner Absolventenkongress. Gleich nebenan präsentiert sich ebenso aufwändig die Rewe Group. Mit etwas kleineren Auftritten vor Ort: Globus, Norma, Tedi, Fressnapf, Obi sowie die Online-Riesen Amazon und Zalando.

Kaufland – in den Vorjahren immer mit dabei – ist dagegen in diesem Jahr nicht aktiv. Auch Metro und Edeka nutzen die Gelegenheit nicht, sich dem akademischen Nachwuchs zu präsentieren. Selbst die Markenartikler der FMCG-Branche kommen im Vergleich zum Handel geradezu zurückhaltend rüber: Unilever, L'Oréal, Barilla, Danone, Krombacher und Reemtsma zeigen aber Gesicht.

Der Mittelständler Melitta macht mit einer umfassenden "Erlebniswelt" auf sich aufmerksam. "Vielen ist noch nicht bekannt, dass wir nicht nur Kaffee, sondern auch noch viele andere Marken im Portfolio haben", begründet Personalleiter Dirk Marek das verstärkte Employer-Brandig-Engagement des Familienunternehmens.

Die LZ-Schwesterzeitung Textilwirtschaft bietet einigen Fashion-Unternehmen wie etwa Galeria Kaufhof, Breuninger und Gerry Weber eine Heimat auf einem gemeinsamen Stand. Dort präsentiert sich auch die LZ sowie das Magazin LZ Karriere, das Studenten und Absolventen über Einstiegswege und Job-Varianten in der Konsumgüterwirtschaft informiert.

Die seit Jahren zunehmenden Employer-Branding-Aktivitäten der Branche stoßen auf das Interesse des Nachwuchses. Die Messestände sind voll und auch die Präsentationen der Unternehmen ziehen den Nachwuchs an.

Mehr als 200 Zuhörer findet etwa die Diskussionsrunde "Fifty Shades of Trade", die auf Einstiegswege im Handel aufmerksam macht und das Anforderungsprofil der Unternehmen erklärt. "Uns ist es egal, ob jemand mit Bachelor-Abschluss oder Dr.-Titel zu uns kommt", bringt Jens Ulrich, Geschäftsführer einer Lidl-Region, die Branchenkriterien auf einen Nenner. "Entscheidend ist vielmehr, ob jemand Lust hat, etwas zu bewegen."

Power-Point-Karaoke bei Lidl

Dass man sich bei Lidl nicht einfach locker zurücklehnen kann, machte Vertriebsleiter Alexander Breuckelmann bei seiner Unternehmenspräsentation ohne viele Worte deutlich: Sämtliche Zuhörer animierte der Jungmanager zu einem Ratespiel bei dem alle Anwesenden aufstehen mussten.

Am Ende standen nur noch vier "Sieger", die er sogleich zum Power-Point-Karaoke auf die Bühne lockte. Was das ist? Breuckelmann ließ es einen Studenten erklären: "Nach kurzer Vorbereitungszeit hält man einen Vortrag anhand einer fremden Präsentation." Und sogleich stellte er klar: "Bei Lidl sind wir sehr dynamisch – es muss auch ohne Vorbereitung gehen."

Studenten treffen auf Manager: Die Rewe Group hat mit Frank Wiemer und Jan Kunath gleich zwei Vorstände ins Rennen geschickt beim Kampf um den Nachwuchs.
Frank Crosby/Staufenbiel
Studenten treffen auf Manager: Die Rewe Group hat mit Frank Wiemer und Jan Kunath gleich zwei Vorstände ins Rennen geschickt beim Kampf um den Nachwuchs.
Mit einer Mannschaftsstärke von rund 50 Personen, darunter 40 Manager aus den unterschiedlichsten Bereichen von IT über Logistik und Qualitätssicherung bis zum Vertrieb, ist Aldi Süd darauf vorbereitet, sehr viele Karrierewillige bei der Jobmesse persönlich kennenzulernen.

Den größten Bedarf an interessierten Jungakademikern hat der Discounter für den Einstieg als Regionalverkaufsleiter. Um möglichst frühzeitig mit handelsaffinen Studenten in Kontakt zu kommen, haben die Mülheimer zudem jüngst einen Talentpreis ins Leben gerufen und bei der Jobmesse dafür getrommelt. Er soll Bachelor- und Masterarbeiten mit Schwerpunkt "Nachhaltigkeit im Handel" auszeichnen.

Rewe-Vorstände legen sich persönlich ins Zeug

Die Rewe Group schickt gleich zwei Vorstände für den Kampf um Talente ins Rennen: Frank Wiemer wirbt für die Gruppe mit allen nationalen und internationalen Aktivitäten. Und Jan Kunath legt sich ins Zeug, um Sympathien für den "unwirtschaftlichsten aber innovativsten Discounter" zu wecken.

Penny habe strukturelle Nachteile im Filialnetz, die man nicht einfach abstellen könne, tritt er seinem Publikum mit offenem Realismus entgegen. Diese Andersartigkeit nutze man inzwischen kreativ, was sich auch auf die Kultur auswirke: "Auch der Umgang ist bei uns weniger discountig, sondern sehr menschlich."

Über die Resonanz der Jobmesse zeigen sich die Veranstalter sehr zufrieden: Bereits am ersten von zwei Event-Tagen seien mit 8.500 Besuchern mehr Gäste gekommen als erwartet. Insgesamt sind es 15.000. Björn Sorge, Director of Products & Communications bei Staufenbiel sieht sich bestätigt: "Wir sind völlig neue Wege gegangen, um die Effizienz und Erfolgschancen für Aussteller und Besucher zu verbessern."

Ein Beispiel dafür ist eine Plattform für "Integrated Recruiting". Bereits im Vorfeld konnten über ein so genanntes "Matching-Toll" Studenten und Unternehmen, deren Job-Prioritäten zueinander passen, in Kontakt treten. Einer der Aussteller habe bereits im Vorfeld die Lebensläufe von rund 1.000 Talenten angefordert, um sich ein Bild von den Talenten zu machen. Auch im Nachgang der Veranstaltung helfe das Tool, Kontakte aufrecht zu halten.

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