Bewerber punkten mit Wirtschaftswissen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 12. Februar 2010
PDF zum Ausdrucken
PDF zum Ausdrucken
Von einer Schockstarre in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen kann keine Rede sein. Zwar ist die Arbeitslosigkeit angestiegen, aber bei Weitem nicht so stark wie befürchtet. Bei Neueinstellungen zeigen sich die meisten Arbeitgeber zurückhaltend. Branchenübergreifend müssen Jungakademiker laut der Staufenbiel-Job-Trends-Studie etwa zehn Bewerbungen schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.



Die Stellen werden rarer. Hatte Aldi Süd 2009 noch einen Bedarf an 150 Hochschulabsolventen angekündigt, liegt dieser 2010 bei 50 bis 70 Kandidaten. Die Metro Group plant auf Konzernebene 200 bis 250 Neueinstellungen. 2009 waren es noch 250. Zahlen auf nationaler Ebene nennt das Unternehmen nicht. Unilever will 30 Plan- und 200 Praktikantenstellen vergeben.

Unter deutschen Hochschulabsolventen sind Wirtschaftswissenschaftler im Vorteil, haben die Analysten von Staufenbiel ermittelt. Kombinationen aus spezifischem Fachwissen und wirtschaftswissenschaftlichen Zusatzkenntnissen bringen Pluspunkte.

Gefragte Fähigkeiten für Wirtschaftswissenschaftler
PDF zum Ausdrucken

So präferiert etwa Metro Betriebswirte mit den Schwerpunkten Controlling, Vertrieb oder Category Management. "Aber auch Geisteswissenschaftler mit interessanten Studienschwerpunkten haben Einstiegschancen", heißt es weiter. Aldi Süd bevorzugt ebenso eindeutig Wirtschaftswissenschaftler.

Fast 90 Prozent der Arbeitgeber erwarten neben der fachlichen Qualifikation zusätzliche Aktivitäten. "Wichtig sind uns einschlägige Erfahrungen wie Praktika in der Konsumgüterindustrie, Auslandserfahrung und außeruniversitäres Engagement", sagt das Unilever-Management.

Ähnlich sieht es Metro: "Wer sich für einen Einstieg im Handel interessiert, sollte bereits während des Studiums Praxisphasen durchlaufen oder bei der Diplomarbeit mit einem Handelsunternehmen kooperieren." Gute Englischkenntnisse sind ebenso eine Grundbedingung wie interkulturelle Sensibilität.

Die Akzeptanz der neuen Abschlüsse steigt laut Staufenbiel weiter. Inzwischen befürworten vier von fünf der befragten Unternehmen (81 Prozent) den Bachelor-Abschluss. Unilever beispielsweise bekennt sich zur "Bachelor Welcome"-Erklärung. "Wenn ein Bewerber über ein überzeugendes Profil verfügt, kann er die entsprechenden Auswahlschritte Online-Bewerbung, Online-Test, Telefoninterview und Assessment-Center durchlaufen", erläutert Angelika Dammann, Unilever-VP Human Research für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Kandidaten einen Bachelor- oder Master-Abschluss vorweisen.

"Wenn ein Bewerber bei uns das Auswahlverfahren erfolgreich durchläuft, bekommt er ein Angebot für das Unilever Future Leaders Programm". Aldi Süd differenziert gleichfalls Bewerber nicht nach akademischem Grad. Voraussetzung ist eine Handelsaffinität.

Metro nimmt überwiegend Bewerber mit Master-Examen, weil sie sich "von diesem Abschluss bessere Einstiegschancen" erhoffen, erläutert ein Unternehmenssprecher. Doch auch Bachelor-Absolventen seien "gern gesehen", wenn "entsprechende Praxisphasen nachgewiesen werden können", heißt es weiter. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats