Das Profil der Hochschule gewinnt an Gewicht

von Judit Hillemeyer
Freitag, 17. August 2007
Jüngst hat das "Academic Ranking of World Universities" der Uni Shanghai die 100 Besten gekürt. Danach schafft es die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf Rang 53. Es gibt auch in Deutschland zahlreiche Ranglisten, die Hochschulen bewerten - mit zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen.



Der Bologna-Prozess hat Europa einheitliche Hochschulabschlüsse beschert. Ziel ist die Vergleichbarkeit akademischer Qualifikation. Der Umstellungsprozess soll 2010 abgeschlossen sein. Dann werden auch deutsche Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien gleichermaßen den Bachelor als niedrigsten akademischen Grad verleihen.

Dieser Prozess hat ein Umdenken in den Personalabteilungen der Arbeitgeber zur Folge. Denn der erworbene Abschluss ist nur noch bedingt aussagekräftig. Das Profil der Hochschule rückt damit stärker als bisher in den Vordergrund. Darum wissen auch die Rekrutierungsabteilungen in Handel und Industrie. Sie müssen ihre Zielhochschulen definieren.

Rankings zielen darauf ab, qualitative Unterschiede zwischen einzelnen Fächern oder Fächergruppen verschiedener Hochschulen darzustellen. Im Fokus stehen in aller Regel die Wirtschaftsfakultäten. Befragt werden dazu verschiedene Interessensgruppen: Studenten, Absolventen, Professoren, Personaler. Abgefragt werden persönliche Urteile in Kombination mit sachlichen Fakten, wie beispielsweise die räumliche und personelle Kapazität der einzelnen Hochschulen, Drittmittel, die Gesamtzahl der Absolventen, Patentanmeldungen oder Publikationen.

Rankings im Vergleich

Einige dieser Ranglisten haben methodische Mängel. "Sie sind nicht umfassend angelegt, betrachten nur einzelne Kriterien oder fokussieren eine Interessengruppe", so Mareile Prüßner, Marketing Managerin an der Goethe Business School in Frankfurt. Sie hat in einer internen Untersuchung die bekanntesten Hochschulrankings im Jahr 2005 und 2006 im deutschsprachigen Raum analysiert.

Aufgrund der unterschiedlichen Kriterien entstehen divergierende Ergebnisse. So bewertet das Handelsblatt im Jahr 2005 in seinem Uni-Ranking 47 Punkte, das CHE-Hochschulranking maximal 34, Focus sieben und das Personaler-Ranking der Wirtschaftswoche lediglich ein Kriterium.

Die Datenbasis klafft weit auseinander. So befragte das Magazin Karriere 2005 gut 51.000 Studenten plus 1.000 Personaler, der Spiegel rund 50.000 Studenten und die Wirtschaftswoche stelle die Frage nach den "besten Nachwuchsökonomen" 40 Wirtschaftsprofessoren. Die Ergebnisse sind für Leser kaum vergleichbar.

Aus Prüßners Sicht ist das CHE-Hochschulranking (Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh), dessen Medienpartner die Wochenzeitung "Die Zeit" ist und erstmals 1998 erschien, das umfassendste und detaillierteste im deutschsprachigen Raum. Es basiert auf 16.000 beziehungsweise 18.000 Urteilen von Studenten und Professoren. In insgesamt 16 Fächern der Geistes-, Wirtschafts-, Sozial-, Natur- und Ingenieurswissenschaften werden die Forschungsaktivitäten der Hochschulen bewertet.

Praxis und soziale Konpetenz

Hilfestellung für Arbeitgeber: Bachelor-Studiengänge sollen Studenten einen berufsqualifizierenden Abschluss bieten. Das Employability-Rating von CHE und dem Arbeitskreis Personalmarketing bewertet die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in nahezu 400 Bachelor-Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen. Neben betriebswirtschaftlichen wurden auch ingenieurwissenschaftliche Studiengänge erfasst.

Untersucht wurde, inwieweit die Hochschulen die Berufsqualifizierung der Studierenden in ihren Curricula systematisch fördern. Dazu befragte man die Hochschulen schriftlich. "Sie haben Angaben dazu gemacht, wie methodische und soziale Kompetenzen, der Praxisbezug des Studiums sowie interkulturelle Kompetenzen in den Studiengängen berücksichtigt werden", erklärte Gero Federkeil vom CHE. Die Vermittlung von Fachkompetenz war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Mit fünf Sternen wurden dreizehn Studiengänge bewertet: jeweils zwei an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin sowie den Fachhochschulen Osnabrück, Reutlingen, Stralsund und Furtwangen. Mit je einem Studiengang sind die Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn, das ISM Dortmund und die Hochschule Wismar vertreten. In der Gruppe der mit vier Sternen bewerteten Studiengänge sind auch sechs Universitäten präsent. Auf diesem Weg können sich Personalchefs einen Überblick verschaffen.

Trotz methodischer Schwächen haben Hochschulranglisten ihre Berechtigung. Denn nicht nur mit Bologna verändert sich die Bildungslandschaft in Deutschland. Der ursprüngliche humanistische Anspruch im Sinne Humboldts, der deutlich zwischen Bildung und Ausbildung differenzierte, scheint sich aufzulösen. Heute, so Prüßner, studieren junge Menschen wesentlich berufsorientierter als beispielsweise noch vor zehn oder 20 Jahren.

Hochschulrankings können sowohl Studenten als auch Absolventen und Arbeitgebern eine Orientierungshilfe bieten. Neben einer unternehmensinternen Liste der favorisierten Zieluniversitäten rät Prüßner Arbeitgebern, sich grundsätzlich das zur Bachelor-Urkunde gehörende Supplement anzuschauen. Es enthält Angaben darüber, welche spezifischen Kenntnisse und Qualifikationen der Absolvent im einzelnen erworben hat. (juh)

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