Kunst und Kultur bringen Betriebswirte weiter

von Judit Hillemeyer
Freitag, 14. Juli 2006
Foto: Alanus
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An der Alanus Hochschule in Alfter nahe Bonn gibt es einen neuen Wirtschaftsstudiengang. Das BWL-Studium integriert Kunst und Kulturwissenschaften. 15 Partnerunternehmen sind mit von der Partie - darunter dm, Alnatura und Tegut. Studienstart ist im Wintersemester.



"Wir haben immer Bedarf an Mitarbeitern mit Fähigkeiten, die uns im Handel weiterbringen - auch im Umgang mit anderen", sagt Manfred Stoffel-Kehry, Geschäftsführer und Verantwortlicher für das Ressort Mitarbeiter bei dm-Drogeriemarkt.

Ziel der privaten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft sowie ihren Partnerunternehmen ist die Ausbildung künftiger Wirtschaftspraktiker, die neben betriebswirtschaftlicher Kompetenz über kreative Handlungsfähigkeiten und einen Blick für Kulturwerte verfügen.

Das Studium richtet sich an den Führungsnachwuchs. "Mit unserem Angebot verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz", so Dr. Markus Mau, Fachbereichsleiter Wirtschaft der Alanus Hochschule. Betriebswirtschaftliches Fachwissen allein reiche für Führungskräfte nicht aus.

Das BWL-Studium fußt auf drei Säulen: fundiertes betriebswirtschaftliches Fachwissen, Praxisphasen in den Partnerunternehmen, Kunst und Kulturwissenschaft. Die fünf Module Kunst und vier Module Kulturwissenschaft im "Studium generale" sind für die BWL-Studenten prüfungsrelevant, so Mau. Das Konzept soll die Hochschüler dazu anregen, ein neues Bewusstsein für wirtschaftliches Handeln zu entwickeln.

"Die praktische künstlerische Arbeit eröffnet innovative Handlungsansätze", sagt Mariott Stollsteiner, Künstlerin, Unternehmensberaterin und künftige Dozentin an der Alanus Hochschule. Es gehe nicht darum, die BWL-Studenten zu Bildhauern auszubilden, sondern ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.

Das Anfertigen von Skulpturen sei beispielsweise ideal für das Training des Perspektivwechsels - unterschiedliche Standpunkte einnehmen und sie wieder verlassen. Das sind wichtige Voraussetzungen für Führungsaufgaben. Zusätzlich werden Methodiken zur Personalführung vermittelt. Das Studienfach Kulturwissenschaft vermittelt interkulturelle Fähigkeiten, die im globalen Handel unabdingbar sind.

ECR und SCM

Im fünften und sechsten Semester spezialisieren sich die Studenten. Auf dem Lehrplan steht beispielsweise Handelsmanagement mit Themen wie ECR und Supply-Chain-Management - für die Konsumgüterindustrie als auch für den Einzelhandel von großem Interesse.

Strukturell orientiert sich der Aufbau am klassischen BA-Studium "auf Universitätsniveau", so Mau. Vorgesehen sind 20 Wochen Praxis pro Jahr, die während der Semesterferien absolviert werden. 40 bis maximal 45 Studenten werden im Oktober an den Start gehen.

Foto: alanus
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Bereits 15 Partnerunternehmen beteiligen sich an dem Projekt, zu dessen Initiatoren dm-Drogeriemarkt, Alnatura und Tegut gehören. Der Drogeriefilialist ist dabei federführend aktiv und hat sich 15 Studienplätze gesichert; Alnatura und Tegut jeweils drei beziehungsweise zwei. Dazugesellt haben sich Globus SB-Warenhaus, Weleda, Göbber (Konfitüre), die Gläserne Meierei, Budnikowsky und Superbiomarkt. Für weitere Unternehmen und Branchen zeigt man sich in Alfter offen.

Zunächst bietet die Hochschule ein dreijähriges Bachelor-Studium an, an das die Absolventen ein zweijähriges Masterprogramm anschließen können.

Ästhetische Kompetenz

Das Alanus-Konzept ermöglicht es, in das BWL-Studium künstlerische und kulturwissenschaftliche Angebote zu integrieren. Diese sollen sowohl zur ästhetischen Kompetenz der Studenten als auch zu ihrer Persönlichkeitsbildung beitragen.

Die Erfahrung der Hochschule sowie der beteiligten Unternehmen, die künstlerische Praxis seit einigen Jahren als Bestandteil in ihre Mitarbeiterschulung integrieren wie beispielsweise dm, habe gezeigt, dass Kunst wichtige, für Managementaufgaben geforderte Soft-Skills wie Innovationsfreudigkeit, Kreativität und Flexibilität fördern kann.

Die Idee ist nicht brandneu, aber in dieser Form einzigartig. So gibt es an der Universität Witten/Herdecke ein obligatorisches Begleitstudium für Studenten aller Studiengänge im "Studium fundamentale", in dem beispielsweise Philosophie unterrichtet wird.

Alanus setzt auf Kunst- und Kreativitätsprojekte, die den Transfer in die Wirtschaft ermöglichen sollen. Die Hochschule vermittelt künstlerische Methoden, die die Studierenden in wirtschaftlichen Prozessen "gewinnbringend" einsetzen können.

Kompetente Problemlösungen

Geistes- und kulturwissenschaftliche Veranstaltungen sollen dazu anregen, wirtschaftliche Fragen in einem anderen Licht zu betrachten sowie Problemlösungskompetenzen und Verantwortungsbewusstsein auszubilden.

Das Studium kostet pro Monat 700 Euro. Zwei Finanzierungsmodelle werden in Alfter angeboten: Das Partnerunternehmen übernimmt als Arbeitgeber die Studiengebühr, oder die Hochschüler werden in den Praxisphasen überdurchschnittlich bezahlt und finanzieren ihr Studium privat beziehungsweise über andere Fördermittel. (juh)

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