Master-Studium bei Aldi Süd

von Redaktion LZ
Freitag, 22. Februar 2013
Praxisphase: Die Studentin Jennifer Ullrich (l.) kontrolliert und plant zusammen mit Marktleiterin Gundula Fraunhoffer den Warenbestand.
Aldi Süd
Praxisphase: Die Studentin Jennifer Ullrich (l.) kontrolliert und plant zusammen mit Marktleiterin Gundula Fraunhoffer den Warenbestand.
LZnet. Aldi Süd ermöglicht Nachwuchsführungskräften einen Masterabschluss. Das Studium findet parallel zur Traineezeit statt.
Am Morgen um 7.30 Uhr betritt Jennifer Ullrich die Göppinger Filiale von Aldi Süd. Beim Gang durch den Markt achtet sie auf jede Einzelheit: Sind die Regale gut mit Ware bestückt? Sind Neuheiten richtig platziert? Stimmen die Preisetiketten? Ist die Aktionsware nach Themen sortiert aufgebaut? Gibt es leere Kartons, beschädigte Produkte oder welke Blumen, die aussortiert werden sollten? Was dann zu tun ist, bespricht sie mit der Filialleiterin Gundula Fraunhoffer.

Obwohl die 22-Jährige erst vor wenigen Monaten ihr Studium "International Retail Management" begonnen hat, ist sie gewissermaßen bereits die Vorgesetzte der langjährigen Filialverantwortlichen. Denn sie bereitet sich auf die Position der Regionalverkaufsleiterin vor. Dabei absolviert sie parallel zur Traineezeit das von Aldi Süd neu aufgesetzte duale Masterstudium an der Hochschule Reutlingen.

Jennifer Ullrich ist eine von 15 Master-Studenten, die alle bei dem Discounter beschäftigt sind. In den Praxisphasen während der zweijährigen Studiendauer ist sie zunächst als Begleitung berufserfahrener Regionalverkaufsleiter unterwegs, um das Aufgabenspektrum kennenzulernen. Dazu gehören neben der Arbeit auf der Verkaufsfläche auch Einstellungs- und Mitarbeitergespräche. Denn in den sechs Aldi-Filialen, die sie später betreuen wird, trägt sie dann auch die Personalverantwortung.

Vorbereitung auf Führungsaufgaben

Die Basisarbeit vom Kassieren über die Regalbestückung bis hin zur vorübergehenden Filialleitung hat die junge Frau bereits während ihres dualen Bachelor-Studiums kennengelernt. Auch in die Unternehmenszentrale und den Logistikbereich konnte sie hineinschnuppern. Und das nötige Grundwissen hat sie sich während der Theoriephasen an der Uni angeeignet. Durch den Master will Ullrich ihr Know-how noch weiter ausbauen und sich auf künftige Führungsaufgaben vorbereiten. "Die Strukturen und Aufgaben im Handel werden immer komplexer und internationaler", weiß sie.

Auf dem Stundenplan stehen inhaltsbetonte Fächer wie Handelsbetriebslehre, Konsumgütermarketing, Marktforschung, Kommunikations- und Markenpolitik sowie Controlling und Finance. Diese werden von Methoden- und Softskill-orientierten Elementen wie Gesprächs- und Verhandlungsführung, Präsentation und Moderation, Charisma und Leadership ergänzt. Strategisches Management, International Supply-Chain-Management, Projekt-, Verkaufs- und Personalmanagement sollen die Nachwuchskräfte gezielt auf künftige Führungsaufgaben vorbereiten.

"Das Masterstudium ist sehr praxis- und anwendungsorientiert", berichtet die Studentin. Zum einen fließen Fallbeispiele aus anderen Handelsunternehmen in die Lehrinhalte ein. Und zum anderen seien die Erfahrungen aus dem eigenen Arbeitsalltag oftmals die Basis für Gruppenarbeiten und Präsentationen. "Wir spielen verschiedene Lösungen durch, die wir in der Praxis umsetzen können."

Fallbeispiele aus anderen Handelsunternehmen

Dass rund ein Drittel der Vorlesungen und Seminare auf Englisch abgehalten werden, hält Ullrich für sinnvoll – auch wenn man als Regionalverkaufsleiterin mit den Mitarbeitern im Markt deutsch spricht. Sie selbst kann sich gut vorstellen, für einige Zeit zu einer Aldi-Gesellschaft ins Ausland zu wechseln. Für eine Karriere bei Aldi Süd ist dies ein typischer Step: Zunächst sammelt man Erfahrung in der Heimat, dann übt man den gleichen Job im englischsprachigen Ausland aus, um anschließend – bei guter Leistung – eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben zu klettern.

Der Zugang zu dem neuen Masterstudiengang steht nicht nur solchen Nachwuchskräften offen, die bereits den Bachelor durch ein duales Studium bei Aldi Süd erworben haben. Auch externe Bewerber können (in begrenzter Zahl) das normalerweise einjährige Traineeprogramm auf zwei Jahre verlängern und parallel ihren Master machen.

Zu einem späteren Zeitpunkt ist der zusätzliche akademische Grad bei Aldi Süd jedoch nicht mehr so einfach erreichbar: "Das Masterangebot ist für uns eine Einstiegsverlängerung", heißt es aus dem Unternehmen. "Wir wollen jungen Menschen verschiedene Perspektiven für den Berufsstart anbieten." Neben dem Wissensaufbau steht dabei auch der Ausbau persönlicher Reife im Fokus, damit die jungen Menschen das nötige Rüstzeug als Führungskraft bekommen. Dementsprechend ist auch der Wechsel aus Theorie und Praxis zeitlich auf die Traineezeit abgestimmt.

Auch Softskills werden trainiert

Von Göppingen aus fährt Ullrich an diesem Tag noch in weitere Filialen. Sie besucht zwar nicht jeden Markt täglich, doch im Laufe einer Woche ist sie an allen sechs Standorten mehrfach gewesen. Zusätzlich steht immer eine Projektarbeit auf dem Plan. In ihrer ersten Praxisphase begleitet sie etwa den Rollout der Bake-off-Automaten. Damit der Einbau in allen Märkten möglichst reibungslos vonstatten geht, hat sich das zuständige Projektteam den Arbeitsablauf genauestens überlegt.

Schließlich müssen auch die umstehenden Regale umgeräumt werden. Jeder muss wissen, was er zu tun hat. Diese Klarheit, die bei dem Discounter Prinzip ist, hat für Ullrich einen Ausschlag für die Wahl des Arbeitgebers gegeben: "Es gibt für alles eindeutige Regeln und einfache Strukturen", sagt sie. "Das hat mir von Anfang an gut gefallen."

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