"Der Handel braucht praxiserfahrene und hochqualifizierte Allrounder"

von Silke Biester
Freitag, 22. Februar 2013
Prof. Gerd Nufer leitet das Master-Programm "International Retail Management"
Hochschule Reutlingen
Prof. Gerd Nufer leitet das Master-Programm "International Retail Management"
Herr Prof. Nufer, Sie haben mit Aldi Süd das Masterstudium Handelsmanagement aufgebaut. Braucht der Handel mehr Akademiker?
Definitiv ja! Im deutschen Handel sind nur fünf bis sieben Prozent Akademiker. Doch die Globalisierung und Konzentration setzt neue Rahmenbedingungen. Der Begriff Akademiker muss aber richtig verstanden werden. Es werden keine Theoretiker gesucht, sondern hochqualifizierte, praxiserfahrene Allrounder, die ihr fundiertes theoretisches Wissen in den betrieblichen Alltag umsetzen und markt- und ressourcenorientiert im internationalen Kontext denken und handeln.


Reicht der Bachelor für Management-Aufgaben nicht aus?

Ein Bachelor ist ein erster berufsqualifizierender Abschluss. Für viele Aufgaben im Handel reicht das sicher aus, aber nicht für alle. Unser Masterprogramm "International Retail Management" an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen vermittelt die Qualifikationen, die Handelsunternehmen von ihrem Führungsnachwuchs erwarten. Die Zielgruppe dieses Programms sind zukünftige Manager, die wettbewerbsfähige Organisationen gestalten und sich in ihrer Karriere erfolgreich weiterentwickeln möchten.

Alle Studenten kommen von Aldi Süd. Wie stark sind die Inhalte auf den Discounter abgestimmt?

Dieser berufsintegrierte Retail-Master ist der erste seiner Art in Deutschland. Das Programm wurde in enger Kooperation mit Aldi Süd entwickelt. Die theoretischen und anwendungsorientierten Lehrinhalte wurden dabei zu 100 Prozent abgestimmt. Es handelt sich um ein maßgeschneidertes Master-Studium, das das Trainee-Programm zum Regionalverkaufsleiter ergänzt. Diese kombinierte Ausbildung führt nach zwei Jahren zum Abschluss "Master of Arts in International Retail Management" und zur Übernahme der Verantwortung von vier bis sechs Filialen mit insgesamt rund 50 bis 60 Mitarbeitern.


Planen Sie ein handelsspezifisches Master-Angebot für Nicht-Aldi-Mitarbeiter?

Da die Nachfrage nach entsprechend qualifizierten Mitarbeitern im Handel groß ist und bereits weitere renommierte Unternehmen Interesse gezeigt haben, planen wir ein offenes Master-Programm. Dieses wird sich nicht auf den Lebensmittelhandel konzentrieren, sondern breiter aufgestellt sein. Die ESB Business School arbeitet in der Retail-Weiterbildung eng mit der Fakultät Textil & Design zusammen. Das offene Programm ist auch für die Textil- und Modebranche interessant. Es richtet sich grundsätzlich an Handelsunternehmen aller Branchen sowie an Hersteller, die entsprechende Retail-Kenntnisse benötigen. (sb)

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