Recruiting-Engagement zahlt sich für Aldi Süd aus

von Jörg Konrad
Freitag, 05. September 2008
Der Fachkräftemangel verschärft unter deutschen Unternehmen den Wettbewerb um Hochschulabsolventen. In der Gunst der Jungakademiker stehen Handel und FMCG-Anbieter als Top-Arbeitgeber dabei nicht an vorderster Stelle. Beide Branchen haben im Jahresvergleich 2007/2008 sogar leicht an Attraktivität verloren - einzelne Unternehmen ausgenommen.



Die Dominanz der Automobilbranche als Wunscharbeitgeber ist ungebrochen. Bei der Jobwahl liegen Porsche, BMW und Audi - gefolgt von den führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PwC, Ernst & Young und KPMG sowie den Unternehmensberatungen McKinsey, Boston Consulting und Deloitte ganz vorn. Als einziges Konsumgüterunternehmen schaffte es laut dem aktuellen "Deutschen Absolventenbarometer" des Trendence Instituts der Sportartikelhersteller Adidas (Platz 8) unter die ersten zehn im Top-100-Arbeitgeber-Ranking.

Andere Konsumgüter- und Nahrungsmittelhersteller wie L'Oréal, Procter & Gamble, Coca-Cola, Unilever oder Beiersorf landeten "erst" auf den Plätzen 15, 16, 24, 27 und 29. Begehrtestes Handelsunternehmen als Jobgeber bleibt Aldi Süd. Der Mülheimer Discounter brachte es auf Rang 30 unter den Top-100 (im LZ-Auszugsranking der beliebtesten FMCG- und Handelsunternehmen Platz 7). Die Metro Group (2008: Rang 35; 2007: 32; in der LZ-Auswahlliste Platz 8) hat gegenüber dem vergangenen Jahr leicht an Attraktivität unter den Absolventen verloren.

Aldi Süd sei ein leuchtendes Beispiel für ein Handelsunternehmen, das sein Standing und Arbeitgeberimage in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessern konnte. Der Discountprimus habe "viel Energie in den Aufbau einer guten Arbeitgebermarke gesteckt", betont Manja Ledderhos vom Beratungshaus Trendence. "Eine Verbesserung im Top-100-Ranking von Platz 45 im Vorjahr auf Platz 30 in diesem Jahr ist eine beachtliche Leistung", so Ledderhos anerkennend.

Aldi Süd spielt in der "1. Bundesliga der Arbeitgebermarken offensiv und absolut klar und professionell auf", ergänzt Oliver Viel, Director Consumer Service bei Trendence. Aldi Süd zeige auf allen großen Personal- und Recruitingkongressen Flagge. Dabei werde das Angebot offen und ehrlich kommuniziert. Aldi Nord dagegen sei als Arbeitgebermarke bei weitem nicht so aktiv wie seine Süd-Schwester. Das erkläre das Fehlen des Nord-Ablegers in der aktuellen Rangliste.

Das gelte im Übrigen auch für Edeka. Als Employer Brand haben die Hamburger "noch Nachholbedarf - was möglicherweise auch an der genossenschaftlichen Organisationsform liegt", vermutet Viel. Als Arbeitgebermarke sei der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler "noch nicht besonders stark in den Köpfen der Studierenden verankert".

In die "Abstiegszone" ist seinen Worten zufolge Lidl gerutscht. 2006 noch auf Rang 72 und 2007 auf Platz 89 im 100er-Ranking vertreten, schaffte der Aldi-Erzrivale 2008 nicht den Sprung unter die einhundert attraktivsten Arbeitgeber im Land. Platz 108 belegt laut Viel, dass der Überwachungsskandal und andere Negativschlagzeilen nicht spurlos an den Neckarsulmern vorbeigingen - jedenfalls bei Hochschulabgängern, die sich nach einem attraktiven Brötchengeber umsehen.

Grundsätzlich gelte für die Ernährungsbranche: Gerade bei Frauen sind Arbeitgeber im Bereich Lebensmittel und Handel "besonders attraktiv", unterstreicht Trendence-Expertin Manja Ledderhos. Ein Grund hierfür sei, dass sie "einfach Spaß an den Produkten dieser Arbeitgeber haben", kommentiert Ledderhos. (kon)

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