Bachelor und Master sind akzeptiert

von Judit Hillemeyer
Freitag, 18. Dezember 2009
Thomas-Kölsch, Pixelio
Thomas-Kölsch, Pixelio
Deutsche Studenten haben monatelang gegen die Prüfungslast in den neuen Studiengängen protestiert und einen Teilerfolg errungen. Minister und Hochschulrektoren haben jetzt Zugeständnisse gemacht - auch im Interesse der Arbeitgeber, damit Studenten Zeit für Praktika bleibt.



Vor zehn Jahren wurde der Bologna-Prozess zur europaweiten Angleichung der Studienabschlüsse eingeleitet. In der Folgezeit sind die Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt worden. Mit der Verbreitung der neuen Abschlüsse steigt die Akzeptanz bei den Arbeitgebern. Sie erhöhte sich bei den Bachelor-Studiengängen im Vergleich zum Vorjahr von 76 auf nun 81 Prozent, besagt die Staufenbiel-Studie "Job-Trends 2009".

Teilerfolg: Studierende können künftig mit vereinfachten Prüfungsbedingungen rechnen.

Die Akzeptanz ist je nach Fachrichtung unterschiedlich hoch. Ist der Bachelor bei Wirtschaftswissenschaftlern bei 79 Prozent der Unternehmen "gerne gesehen", sind es bei Naturwissenschaftlern lediglich 64 Prozent. Die anfänglichen Vorbehalte gegen den Bachelor seien zurückgegangen, je mehr Erfahrung die Unternehmen mit den Absolventen sammeln, heißt es in der Studie. Das Universitätsdiplom ist jedoch der beliebteste Abschluss.

Viele Studierende sind unsicher, ob sie langfristig mit dem niedrigsten akademischen Grad auf dem Arbeitsmarkt berufliche Chancen haben. In der Konsumgüterbranche zeichnet sich der Trend ab, dass sie den Bedarf an Bachelor-Absolventen überwiegend selbst im Rahmen der Dualen Hochschulen und Akademien ausbildet.

Der Bedarf wird sinken

Bedingt durch die Wirtschaftskrise ist der Bedarf an Hochschulabsolventen insgesamt zurückgegangen. Etwa jedes zweite der befragten Unternehmen geht davon aus, künftig weniger Wirtschaftswissenschaftler einzustellen, heißt es in der Studie. Die Zahlen spiegeln die Einschätzungen der Arbeitgeber zu einem Zeitpunkt wider, an dem die Weltwirtschaftskrise bereits seit einem halben Jahr auf die Realwirtschaft Einfluss nimmt.

PDF zum Ausdrucken
Praktikum und Englisch sind Pflicht
PDF zum Ausdrucken

Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre gehen die Unternehmen allerdings von einer erneut steigenden Nachfrage aus. Besonders im Consulting, der Finanzbranche und der Dienstleistungsbranche werden in den nächsten Jahren Wirtschaftswissenschaftler gesucht.

Unternehmen sind vor allem auf Absolventen mit ökonomischem Fachwissen aus. Deshalb sind die beliebtesten Fachrichtungen allgemeine Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre mit fachspezifischen Schwerpunktausrichtungen, Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik. Auch Wirtschaftsmathematiker rangieren unter den zehn gefragtesten Absolventengruppen.

Ohne Englischkenntnisse stehen Absolventen schlecht da. Fast 90 Prozent der Unternehmen erwarten, dass Bewerber die gängige Geschäftssprache beherrschen. Damit sind Sprachkenntnisse sogar noch etwas wichtiger als Praxiserfahrungen. Nur Unternehmen mit Bedarf an Wirtschaftswissenschaftlern sehen mindestens ein Praktikum als wichtigstes Kriterium. Weitere entscheidende Zusatzqualifikationen sind betriebswirtschaftliches Verständnis und außeruniversitäre Erfahrungen wie Studentenjobs oder Ehrenämter.

Je nach Studienrichtung unterscheiden sich die Einsatzfelder für Absolventen. Waren im vergangenen Jahr noch Verkauf und Vertrieb die Funktionen, in denen BWLer am häufigsten beschäftigt waren, arbeiten sie nun vor allem im Finanzwesen und im Controlling. Ingenieure sind besonders für Entwicklung, Projektmanagement, Fertigung und Produktion gefragt. Etwa jedes vierte Unternehmen setzt sie auch in der Forschung ein. Ähnlich naheliegend sind die gängigsten Einsatzfelder für Informatiker.

Je nach Branche fallen die Einstiegsgehälter für BWL-Absolventen unterschiedlich aus. Am häufigsten erhalten sie ein Gehalt zwischen 38.000 und 41.000 Euro. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats