Arbeit 4.0 "Die Limo" erfrischt Eckes auch intern

von Julia Wittenhagen
Freitag, 23. September 2016
Personalentwicklung: Mit innovativem Team-Building haben Annika Stechling und Claudia Schabler gute Erfahrungen gesammelt.
Bernd Eßling
Personalentwicklung: Mit innovativem Team-Building haben Annika Stechling und Claudia Schabler gute Erfahrungen gesammelt.
Für Innovationen wie "Die Limo" hat Eckes-Granini sich auf neue Arbeitsformen eingelassen. Die Premiere des "Out of the Bottle Office" war so vielversprechend, dass für die Einführung von Smoothies und gekühlten Säften wieder ein crossfunktionales "Cool Team" an den Start ging.

Seit Eckes-Granini in Nieder-Olm sich 2013 aus dem Saftsegment heraus ins Limonadensegment aufgemacht hat, sorgt "Die Limo" auch intern für viel Erfrischung. "Der Markt tickt komplett anders als Saft. Impulskäufe und Saisongeschäft stehen viel mehr im Fokus, die Zielgruppe ist jünger, die Preisgestaltung anders", erklärt Annika Stechling, HR Business Partner im Unternehmen. Darauf hat die Organisation mit dem "Out of the Bottle Office" reagiert: Anfang letzten Jahres wurde zunächst für sechs Monate eine neue crossfunktionale Einheit gebildet – ausgestattet mit acht Personen und hohen Freiheitsgraden.

Das Team: Svenja Lonicer (Marketing), Eberhard Köth und Meike Linneweber (Key Account), Christiane Münch (Key Account, zuvor Brand Managerin), Hartwin Hantke (Trainee), Birgit Emde (Projekt- Assistentin), (v.l.).
Bernd Eßling
Das Team: Svenja Lonicer (Marketing), Eberhard Köth und Meike Linneweber (Key Account), Christiane Münch (Key Account, zuvor Brand Managerin), Hartwin Hantke (Trainee), Birgit Emde (Projekt- Assistentin), (v.l.).

Für das Team wurde eigens ein Großraumbüro eingerichtet. Es ist dank seiner gläsernen Wand zum Büroflur und cooler Sofa-Ecke ein echter Hingucker. "Im März 2015 sind wir hochmotiviert gestartet mit dem Ziel, schnell und innovativ das Sommersaisongeschäft anzukurbeln", sagt Claudia Schabler, die im Team als Junior HR Manager die Personalabteilung vertrat. "Das Potenzial von Die Limo zeigte sich schon 2013. Daher ging es uns darum, nach dem erfolgreichen Start die Entwicklung noch weiter zu intensivieren, gewissermaßen die PS auf die Straße zu bringen." Dazu gehörten die gemeinsam erdachte Sommerpromotion City Attack und der Prelaunch der vierten Sorte, "Die Schwarze Limo". Ihr Job bestand vor allem in der Steuerung und Umsetzung aller Aktivitäten der City Attack. Dazu galt es nebenbei auch, den "Limo-Spirit" in das Familienunternehmen zu tragen sowie intern für Akzeptanz und die Nutzung neuer Arbeitswege zu sorgen. Schabler arbeitete von nun an die Hälfte ihrer Zeit mit Kollegen aus Vertriebsaußendienst, Marketing und Trade Marketing zusammen, die sich um das Projekt beworben hatten oder von Vorgesetzten aufgrund ihrer Qualifikation und Kompetenz vorgeschlagen wurden. "Statt sich zweimal pro Woche im Meeting zu sehen, arbeiteten wir fünf Tage die Woche Seite an Seite. Diese Neuorganisation war für das Unternehmen ein großer Schritt", resümiert Schabler.

Sehr bald schon stellte das Limo-Team konservativere Kollegen mit dem Wunsch auf die Probe, die TV-Moderatoren Joko und Klaas zu den Werbebotschaftern von Die Limo zu machen. "Die beiden haben eine große Passung zur Zielgruppe, aber sind natürlich sehr speziell. Daher gab es am Anfang nicht nur Jubelschreie", weiß Schabler. Doch kurze Zeit später waren die Spots im Kasten. Die Zeit drängte auch bei der Promotion-Tour. "So nutzten wir Skype-Videocalls, um die Bewerber für das Promotion-Team zügig auszusuchen." In vielen Punkten ging das Limo-Team neue Wege. "Wir sind ins kalte Wasser gesprungen, auch als Team. Denn so etwas wie Teamfindung oder Supervision gab es zu Beginn noch nicht. Wir mussten sofort loslegen", erklärt Claudia Schabler.

Von den Lerneffekten der Zusammenarbeit "jenseits des Silodenkens" profitieren die Team-Mitglieder noch heute: "Wir alle haben mehr Verständnis dafür entwickelt, was der Kollege macht und warum manche Dinge nicht klappen", so Schabler. Die Kollegen aus dem Marketing verstünden jetzt besser, was praktikabel im Vertrieb ist, und der Außendienstmitarbeiter, worauf es Marketing ankomme. Sichtbarer Effekt: Eine Kollegin aus dem Marketing ist in den Außendienst gewechselt und die Personalabteilung hat ihr Bewerbermanagementsystem dank neuer Marketingperspektive um Längen schöner und moderner gestaltet. "Wir bekommen supergute Rückmeldungen", erklärt Annika Stechling.

Ein zweites abteilungsübergreifendes "Cool Team" ist längst an den Start gegangen. Mission: Die Kompetenz und Marktführerschaft von Hohes C für die Einführung von Smoothies und gekühlten Säften nutzen. Mission erfüllt, könnte man sagen, denn im Oktober kommt die Marke "hoch2" von Hohes C in den Handel.

Attraktiver "Saftladen"


Eckes-Granini kann nicht nur mit einer hohen durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit für sich werben, sondern auch einer Vielzahl von Benefits und dem Audit "Beruf und Familie". Die Eckes-Granini Deutschland GmbH beschäftigt 500 Mitarbeiter. Weitere rund 1.000 Mitarbeiter arbeiten in der internationalen Eckes-Granini Group, die in 16 Ländern aktiv ist. Im letzten Jahr wurde das Traineeprogramm wieder aktiviert mit aktuell zwei Plätzen. Absolventen können aber auch über Juniorstellen und Praktika den Einstieg in das mittelständische Unternehmen finden.

Die größte Herausforderung für die Mitglieder der Projekt-Teams besteht für Annika Stechling darin, die Balance zu halten zwischen dem angestammten und dem temporären Job. "Wir haben uns dafür keine zusätzlichen Ressourcen reingeholt." Die wenigsten Team-Mitglieder wurden zu 100 Prozent freigestellt. "Das war für viele ein Spagat. Deshalb schauen wir jetzt noch genauer, wie die Doppelrolle machbar ist."

Auf den Erfolg sind aber nicht nur die beiden Personaldamen stolz: "Die Limo läuft und gerade bei der schwarzen Limo verzeichnen wir rasante Abverkäufe." Die herb-süße Erwachsenen-Limo erhöhte ihren wertmäßigen Marktanteil 2015 um rund 50 Prozent. Nach drei Jahren im Markt ist sie seit Ende 2015 die Nummer eins im Segment der Mehrweg-Limonaden. "Intern denkt man jetzt stärker über crossfunktionales Arbeiten nach", freut sich Annika Stechling.

Der Personalabteilung nützt die Mitarbeit in dem gläsernen Büro gezielt für die Personalentwicklung. "Denn zehn Ebenen zur Beförderung haben wir nicht", sagt Stechling. Auch beim Recruiting haben die coolen Limo-Spots mit Joko und Klaas Außenwirkung gezeigt: "Manche Bewerber kommen wegen der Limo." Eckes-Granini freut das sehr, denn sowohl der Standort Nieder-Olm bei Mainz sei "herausfordernd" als auch die Bekanntheit als Arbeitgeber. "Hohes C und Granini kennt jeder, aber unsere Firma noch nicht."

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