Erfolgsgaranten sind die Jungen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. Januar 2006
Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor umfangreichen Veränderungen. Ob Lockerung des Kündigungsschutzes oder Verlängerung der Lebensarbeitszeit - deutsche Arbeitnehmer müssen sich auf Einschnitte einstellen. TNS Infratest hat aus ihrer Perspektive ein Stimmungsbild zusammengefasst.



Die Studie zeigt, dass die Erfolgsgaranten in deutschen Unternehmen überdurchschnittlich häufig die jungen Arbeitnehmer sind. In der Regel handelt es sich dabei um Berufsstarter im Alter von 18 bis 29 Jahren.

Mit zunehmendem Alter nehme der Anteil zugunsten der so genannten "Unternehmensbewohner" ab, also den Mitarbeitern, die zwar zufrieden sind und sich im Unternehmen wohl fühlen, aber ihr unmittelbares Umfeld dabei nicht als besonders motivierend empfinden. Hier ist der Anteil bei den über 60-Jährigen am größten (64 Prozent statt durchschnittlich 43 Prozent).

Erfolgsgaranten

"Die Erfolgsgaranten haben ihren Namen nicht umsonst, sondern tragen tatsächlich zum wirtschaftlichen Erfolg in deutschen Unternehmen bei. Daher sollte es für jede Firma eine Herausforderung sein, hier den Anteil zu erhöhen bzw. den Enthusiasmus der Jungen auch bei den Berufserfahreneren zu erhalten", kommentiert Dr. Julia Fauth von TNS Infratest das Ergebnis.

In der Arbeiterschaft ist der Anteil der Erfolgsgaranten mit nur 17 Prozent besonders gering. Entsprechend erhöht ist der Anteil der "Nicht-Erreichten". Das sind Mitarbeiter, die "sehr unzufrieden" und dem Unternehmen nicht (mehr) verbunden seien.

Weiterbildung hat für 69 Prozent der deutschen Arbeitnehmer oberste Priorität, gefolgt von der Erwartung, sich neuen beruflichen Herausforderungen (68 Prozent) stellen zu können.

Mitarbeiterführung

Mitarbeiterentwicklung und Mitarbeiterführung sind also zentrale Themen, denen sich jedes Unternehmen stellen sollte, um seinen wirtschaftlichen Erfolg auch für die Zukunft zu sichern. Gerade in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen sind dies die ausschlaggebenden Aspekte.

"Da auch im Arbeitsleben eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft ein Geben und Nehmen bedeutet, lohnt es sich für Arbeitgeber, ein größeres Augenmerk auf diese Arbeitnehmer-Bedürfnisse zu legen", rät Fauth.

Mit 38 Prozent liegen ein besseres Kinderbetreuungsangebot und flexiblere Arbeitszeiten (36 Prozent) auf der Rangliste eher auf den unteren Plätzen.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass dies in bestimmten Lebensphasen für eine eingeschränkte Zielgruppe wichtig wird.Tatsächlich werden diese beiden Themen von jüngeren Frauen auch als wichtiger empfunden.

Arbeitszeitverkürzung

Am ehesten können sich Arbeitnehmer in Deutschland mit einer Arbeitszeitverkürzung oder der Lockerung des Kündigungsschutzes anfreunden, wenn es um die Akzeptanz arbeitsmarktpolitischer Sparmaßnahmen geht (45 Prozent).

Deutlich weniger akzeptiert werden dagegen die Streichung von Feiertagen (39 Prozent) und die Reduzierung von Urlaubsansprüchen (33 Prozent).

Noch weiter hinten rangiert die weitere Reduzierung des Arbeitgeberanteils an den Sozialversicherungsbeiträgen (29 Prozent). Eine weitere bittere Pille wäre für deutsche Arbeitnehmer eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre (28 Prozent).

Besonders interessant bei dieser Einsparvariante ist ein detaillierter Blick in die Analyse: Die Akzeptanz ist bei den heute 60-Jährigen sowie unter 30-Jährigen deutlich höher. Für letztere ist das Rentenalter noch weit weg und: Die jüngste Altersklasse der Arbeitnehmer weist den größten beruflichen Enthusiasmus auf. Eine längere Lebensarbeitszeit ist für sie daher nicht automatisch negativ besetzt.

Telefonerhebung

Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest vom 28. November bis 6. Dezember 2005 in Deutschland 937 Erwerbstätige befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das Random-Digit-Dialing-Verfahren zur Anwendung, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte Schwedenschlüssel. Diese Vorgehensweise ermögliche laut Infratest eine Verallgemeinerung der ermittelten Ergebnisse bei einer Fehlermarge von plus/minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. (juh)

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