Arbeitgeberkampagne Amazon startet Employer Branding

von Silke Biester
Freitag, 15. Juli 2016
Menschen statt Job-Angebote: Rund um den jeweiligen Standort sollen echte Mitarbeiter zu Botschaftern in ihrer Region werden.
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Menschen statt Job-Angebote: Rund um den jeweiligen Standort sollen echte Mitarbeiter zu Botschaftern in ihrer Region werden.
Der Versandriese Amazon will sein Image als Arbeitgeber gerade rücken. Erstmals startet das Unternehmen hierzulande eine Employer-Branding-Kampagne. Im Fokus stehen reale Mitarbeiter mit ihren ganz persönlichen Geschichten.

Absolute Kundenorientierung zählt zu den wichtigsten Werten von Amazon. Das sorgt erst für Beliebtheit und dann für Wachstum. Die Suche nach neuen Mitarbeitern steht dementsprechend an der Tagesordnung. In den Logistikzentren herrscht kontinuierlich Bedarf. Doch oftmals, wenn der Online-Versender die Aufmerksamkeit als Arbeitgeber auf sich gezogen hat, wurde er entweder bestreikt oder musste Kritik einstecken.

Zwar ist es um die Vorwürfe über schlechte Arbeitsbedingungen ruhig geworden, doch am Kern der Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft hat sich nichts verändert: Amazon versteht sich als Logistikdienstleister, während Verdi eine tarifliche Bindung wie im Einzelhandel anstrebt.

Wenngleich Amazon sich von der seit Jahren andauernden Auseinandersetzung kaum beeindrucken lässt und auf die Forderungen nicht eingeht, tut das Unternehmen zugleich einiges, um den schlechten Ruf loszuwerden. Seit April beispielsweise stellt man sich stärker auf die Anforderungen arbeitender Eltern ein. Zusätzlich zu einem Bonus zur Geburt des Kindes, werden Eltern spezielle Schichten angeboten, die sich mit der Betreuung vereinbaren lassen. "Wir müssen uns als Arbeitgeber nicht verstecken", sagt der Direktor Human Resources für Logistik, Robert Marhan. "Wir bieten sehr gute Arbeitsbedingungen."

Um diese Botschaft nach außen zu transportieren, lässt Amazon nun die bestehenden Mitarbeiter zu Wort kommen: Seit dem vergangenen Wochenende stehen sie im Mittelpunkt der ersten Employer-Branding-Kampagne, mit der sich das Unternehmen als Arbeitgeber positioniert. Unter dem Motto "Hier bin ich richtig", erzählen ausgewählte Beschäftigte der neun deutschen Logistikzentren, warum sie gerne bei Amazon arbeiten. Insgsamt 35 Stories und Motive sollen in den kommenden Wochen in ausgewählten Zeitungen veröffentlicht werden. Rund um den jeweiligen Standort sollen immer nur jene Menschen gezeigt werden, die dort arbeiten.

Vorausgegangen ist dem öffentlichen Bekenntnis ein interner Wettbewerb: Amazon hatte alle 11.000 Beschäftigten im Frühjahr dazu aufgerufen, in wenigen Sätzen von ihren ganz persönlichen Job-Erfahrungen zu berichten, warum sie gerne bei Amazon arbeiten und was sie an ihrem Job besonders schätzen. Die Autoren der besten Geschichten sind die Gesichter der Kampagne und sollen als Botschafter in ihrer Region fungieren. Als Belohnung machen die Sieger eine Reise nach Seattle, die Heimatstadt von Amazon.

Obwohl sich das Unternehmen durch die Kampagne mehr Bewerbungen wünscht, werden die Aufgaben und Berufe nicht thematisiert. Auch der Link www.hierbinichrichtig.com führt nicht etwa zu den offenen Positionen, sondern stellt die Werdegänge noch etwas genauer vor. "Olaf Kahlweit hat seit seinem Start bei Amazon Rheinberg schon in verschiedenen Positionen gearbeitet: als Befüller, Picker bzw. Kommissionierer, Packer sowie Gabelstaplerfahrer und an der Verladestation, an der die Bestellungen in die Lkws eingeladen werden. Heute ist er Entsorgungskoordinator", versucht Amazon beispielsweise aufzuzeigen, wie man sich im Unternehmen weiter entwickeln kann.

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