Arbeitsschutz ist bares wert

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Juni 2008
Alle dreieinhalb Minuten stirbt in der EU ein Mensch an Ursachen, die mit seiner Arbeit zusammenhängen. Dies entspricht über 150.000 Todesfällen pro Jahr aufgrund von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten). Darüber wurde kürzlich auf der Fresenius-Fachtagung, in Mörfelden bei Fankfurt diskutiert.



Die EU-Kommission sowie die Arbeitsminister der deutschen Bundesländer haben nationale Arbeitsschutzziele für die Jahre 2008 bis 2012 beschlossen. Bund, Länder und Unfallversicherungsträger vereinbarten eine Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA).

So bemühen sich beispielsweise auch die Berufgenossenschaften der Fleischwirtschaft mit ihren Unternehmen um eine Senkung der Unfälle.

Während auf politischer Ebene der Stein ins Rollen gekommen ist, scheint es in der betrieblichen Praxis beim Thema Arbeitsschutz in vielen Fällen noch an Elan zu fehlen. Insgesamt seien die meldepflichtigen Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent auf 844.090 gestiegen. Bei den tödlichen Unfällen (646) gab es sogar eine Steigerung um zehn Prozent.

Untersuchungen zeigten, dass häufig Fehlverhalten zu Unfällen führt. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz geht davon aus, dass sich durch Investitionen in gute Arbeitsschutzmaßnahmen ein Rentabilitätsfaktor von bis zu zwölf erreichen lasse - das heißt zwölf Euro Gewinn pro einem investierten Euro.

Auch Dr. Karsten Stegemann (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) ist von der wirtschaftlichen Bedeutung des Arbeitsschutzes überzeugt. Im Jahr 2006 entstanden 36 Mrd. Euro Kosten durch Produktionsausfall aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, berichtete er auf der Fresenius-Konferenz.

Nummer eins unter den Kostentreibern sind Erkrankungen im Muskel-Skelett-Bereich: Sie erzeugen Behandlungskosten von 25 Mrd. Euro und Produktionsausfallkosten von elf Mrd. Euro. Wenn 30 bis 40 Prozent der Ausfallzeiten vermeidbar wären, ließe sich der volkswirtschaftliche Gesamtschaden um etwa 13 Mrd. reduzieren, rechnete Stegemann vor. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats