Arbeitswelt 4.0 "Potenzial ist wichtiger als Erfahrung"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 05. August 2016
Sabrina Zeplin leitet den Bereich Business Intelligence bei der Otto Group
Julia Knop
Sabrina Zeplin leitet den Bereich Business Intelligence bei der Otto Group
Seit vier Jahren sammelt Sabrina Zeplin, Leiterin des Bereichs Business Intelligence bei der Otto Group, Erfahrung im Finden und Binden von Mitarbeitern für Big Data.

Frau Dr. Zeplin, wie viele Big Data- Spezialisten hat die Otto Group?

In jeder Einheit gibt es Webshop-Entwickler. Die Grenze zum Data- Spezialisten ist fließend. In meinem Bereich arbeiten 30 Personen. Dass es uns als abgekapselte Business Unit gibt, ist für mich aber nur eine Übergangserscheinung. Mittelfristig müssen alle Fachbereiche Datenspezialisten aufbauen. So wie sich heute alle mit dem befassen, was früher in der Online-Abteilung gebündelt war.



Würden Sie gern noch mehr Mitarbeiter einstellen?

Wir suchen ständig Mitarbeiter, aber die Anforderungen sind hoch. Bei mir sind nur Akademiker, viele mit Promotion. Studium ist aber keine Bedingung. Wir sind für Quereinsteiger offen.



Wie rekrutieren Sie?

Ich schreibe eine Stelle immer mit zwei Profilen aus, damit sich alle relevanten Bewerber angesprochen fühlen. Eine richtet sich an Informatiker, eine an Naturwissenschaftler. Wir sind auf Fachkonferenzen für Entwickler präsent und haben uns mit einem Otto-Datensatz an Wettbewerben für Data Scientists beteiligt. So positioniert man sich als interessanter Arbeitgeber. Wir entwickeln gute Praktikanten und stellen Werkstudenten zu Einstiegsgehältern für Absolventen ein. Potenzial ist uns wichtiger als Erfahrung. Die Einarbeitung neuer Leute kostet zwar Zeit, aber damit machen wir uns von externen Freelancern weniger abhängig. Selbständigkeit ist leider sehr beliebt in den neuen Berufen.



Ein Personalberater sagte kürzlich im Interview, Big Data Scientists gäbe es noch gar nicht. Ist das so?

Die Studiengänge in Deutschland entwickeln sich erst. Ich weiß nicht, ob ich darauf hoffe. Viele lernen on the Job und haben sich weitergebildet in Online-Kursen. Wir haben auch Spieleentwickler eingestellt. Die gibt es am Markt. Data Scientists zu rekrutieren, ist für uns noch am einfachsten, weil wir ein spannender Arbeitgeber sind. Data Manager werden universeller gesucht. Product Owner zu finden, ist ganz schwer. Ihr Profil gibt es so nicht auf dem Markt. Zwei Mitarbeiter haben sich bei uns mit Datenthemen dahin entwickelt .



Was bremst intern die Nutzung von Big Data, was beflügelt sie?

Manche Management-Ebenen wissen noch zu wenig darüber, was mit Daten alles möglich ist. Beflügeln hat viel mit Lernen zu tun. Mit dem Mut, auszuprobieren und aus zehn Dingen das zu nehmen, was funktioniert. Das ist für Otto ein Thema des Kulturwandels.

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