Generalisten für den Handel Auf Tuchfühlung mit der Wissenschaft

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Oktober 2013
Vertiefter Einblick: Philipp Brämer, Marco Höse und Andreas Simon (v.l.) gehören zu den ersten Teilnehmern des neuen Masterstudiengangs.
C. Düthmann
Vertiefter Einblick: Philipp Brämer, Marco Höse und Andreas Simon (v.l.) gehören zu den ersten Teilnehmern des neuen Masterstudiengangs.
LZnet/Christiane Düthmann. Nachwuchsführungskräfte des Handels können sich im Masterstudiengang Retailmanagement zu Generalisten weiterbilden. Die Zeppelin-Universität hat das Konzept in Kooperation mit dem EHI aus der Taufe gehoben. Auch Edeka beteiligte sich maßgeblich am Konzept.
Edeka-Jungmanager Philipp Brämer drückt noch einmal die Schulbank. Gemeinsam mit neun Kommilitonen absolviert der Projektleiter im Bereich Nonfood den deutschlandweit ersten universitären Masterstudiengang für den Handel. "Ich will meinen Horizont erweitern und unternehmensübergreifende Prozesse besser verstehen", begründet der 29-Jährige seine Wahl.

Die Zeppelin-Universität Friedrichshafen (ZU) hat die 24-monatige berufsbegleitende akademische Fortbildung in Kooperation mit dem EHI und der Corvinius-Uni in Budapest ins Leben gerufen, um generalistisches Handelsmanagement zu vermitteln. Zielgruppe sind angehende Führungskräfte.

"Auch der Handel kommt an einer fundierten wissenschaftlichen Weiterbildung seiner Führungskräfte nicht mehr vorbei", ist Professor Peter Kenning überzeugt. Er ist ZU-Lehrstuhlinhaber für Marketing und wissenschaftlicher Leiter des interdisziplinären Studiengangs. Der erste Durchgang, der in diesem Jahr startete, habe noch "Pilotcharakter", so Kenning. "Wir werden das Konzept weiter feintunen."

Handelsmanager tragen vor

Marco Höse geht es bei dem Studiengang "vor allem um die wissenschaftliche Theorie, die hinter dem Handel steckt". Der Wirtschaftsjurist arbeitet im Einkauf bei einem bundesweit tätigen Discounter, hat etliche Jahre Branchenerfahrung und sieht auch seine weitere berufliche Zukunft im Handel. Das modulare Konzept gefällt dem 36-Jährigen ebenso wie der intensive Austausch mit seinen Kommilitonen.

Leitet den Studiengang: Peter Kenning
ZU
15 Dozenten, meist aus der universitären Handelsforschung, vermitteln die Inhalte – forschungsbasierte Lehrangebote von Warenwirtschaft bis Einkauf, von Unternehmensführung bis Standortpolitik. Einer von ihnen ist Reinhard Schütte. Der ehemalige Edeka-Vorstand referiert über "Handelsmanagement in rechtlichen und politischen Kontexten".

Edeka war maßgeblich am Konzept des Studiengangs beteiligt. "Mit der ZU-Kooperation und dem Retailmaster geben wir motivierten Talenten die Chance, sich innerhalb des Edeka-Verbunds weiterzuentwickeln", begründet Rolf Lange, Geschäftsbereichsleiter Public Affairs.

"Der sehr handelsbezogene Master bereitet unsere Mitarbeiter perfekt auf die Herausforderungen einer sich stetig verändernden Handelslandschaft vor." Edeka habe erkannt, dass es zunehmend wichtig wird, auch berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten, um lebenslanges Lernen zu ermöglichen. "Es gibt viele Mitarbeiter mit Bachelorabschluss bei uns, die wir gezielt weiterentwickeln wollen", nennt Lange ein Beispiel.

Operative Handelsprozesse kennenlernen

Nicht nur Wissenschaftler kommen zu Wort. Auch erfahrene Praktiker steuern ihre Sicht auf die Branche bei. So gewährte etwa Günter Fergen, Generalbevollmächtigter der Schwarz-Gruppe, exklusive Einblicke in die Welt des Einkaufs bei Kaufland und Lidl. Andreas Simon weiß das zu schätzen: "Wir lernen sehr interessante Leute kennen, an die man normalerweise nicht herankommt", sagt der Wirtschaftsinformatiker von Lunar.

Bei der IT-Tochter der Edeka optimiert er Prozesse im Bereich der Benutzerverwaltung. "Durch den Retailmaster habe ich die Chance, auch die operativen Handelsprozesse kennenzulernen", fügt der 26-jährige IT-Fachmann hinzu. Aber auch der Austausch mit seinen Kommilitonen ist ihm wichtig.

Das Programm umfasst zwölf Präsenzwochen und beinhaltet eine individuelle unternehmensnahe Projektarbeit. "Dadurch hat das entsendende Unternehmen die Möglichkeit, ein neues Geschäfts- oder Standortmodell gleichsam im Labor durchzuspielen und seine Marktchancen zu diskutieren", wirbt Kenning für diesen Ansatz, der auch den Studenten Vorteile bringt: "Einige der Inhalte kann ich direkt in der Praxis nutzen", bestätigt Edeka-Projektleiter Brämer.

 

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