Aufsichtsräte diskutieren zu wenig

von Redaktion LZ
Freitag, 04. Februar 2005
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat in Kooperation mit dem Deutschen Führungskräfteverband (ULA) untersucht, wie Kommunikations- und Entscheidungsprozesse in Aufsichtsräten ablaufen. Dabei zeigen sich deutliche Defizite in der internen Kommunikation.



Zwar hätten neue Gesetze und Kodexempfehlungen dafür gesorgt, dass der Informationsaustausch mit den Vorständen inzwischen erheblich besser funktioniere. Dagegen lasse aber die interne Kommunikation im Aufsichtsratsgremium zu wünschen übrig.

So sei der Informationsfluss von den Aufsichtsratsauschüssen in das Gesamtplenum unzureichend. Zudem werde in deutschen Aufsichtsräten kaum offen oder kontrovers diskutiert. Aufgrund der "erheblichen immanenten Schwächen" sehen die Berliner Wissenschaftler Reformbedarf bei der Unternehmensmitbestimmung. Sie sei nach wie vor ein "wichtiges Element guter Corporate Governance".

ULA, Spitzenverband der deutschen Führungskräfte, hat nach diesen Erkenntnissen einen Katalog von Forderungen aufgestellt. Danach soll die Pluralität im Aufsichtsrat erhalten bleiben. Die Institution Aufsichtsrat soll sich stärker auf eine prospektiv-beratungsorientierte Rolle ausrichten.

Kooperation ist gefordert

Das Selbstverständnis der Mitglieder als gemeinsam arbeitendes Gremium soll sich weiterentwickeln. Weiterhin fordert der Deutsche Führungskräfteverband eine stärkere Kooperation der einzelnen Gruppen im Sinne des Unternehmenswohls sowie eine intensivere Kommunikation innerhalb des gesamten Gremiums.

Zudem soll sich die Kommunikation zwischen Aufsichtsrat und seinen Ausschüssen verbessern. Diese dürften wesentliche Entscheidungen, die in die Verantwortung des Gesamtgremiums fallen, nicht an sich ziehen. Die Verantwortung des Aufsichtsratsvorsitzenden, eine gemeinsame Perspektive zu erreichen, solle stärker betont, der Informationsaustausch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat optimiert werden.

Um die Qualität der Aufsichtsratsarbeit zu verbessern, schlägt der Deutsche Führungskräfteverband einen Kodex vor. Dazu soll eine Expertenkommission einberufen werden, zu der auch Vertreter der leitenden Angestellten und Führungskräfte gehören. (ba)

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