Handel hat bei Ausbildung ein gutes Gewissen

von Redaktion LZ
Donnerstag, 30. September 2004
LZ/NET. Der Handel zeigt sich mit seiner Ausbildungspolitik zufrieden. Die Branche liegt über dem Schnitt, Quantität und Qualität der Bewerber steigen und die Politik dankt. Trotzdem bleiben Stellen unbesetzt.



"Ohne den Handel wäre der Ausbildungspakt nicht einzulösen", brach Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in dieser Woche eine Lanze für die Branche. "Wir sind dankbar für die Ausbildungsleistung von Unternehmen wie der Rewe", lobte der Minister, der im Rahmen seiner Ausbildungstour in einem HL-Markt in Mainz von Rewe-Vorstand Josef Sanktjohanser einen symbolischen Scheck über 240 zusätzliche Ausbildungsplätze bei der Kölner Rewe-Handelsgruppe überreicht bekam.

Sanktjohanser zeigte sich ebenso zufrieden, geeignete "junge Bewerberinnen und Bewerber" gefunden zu haben. "Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hatten wir diesmal keine Probleme, die Stellen zu besetzen", freute sich auch Rüdiger Winkler, in der Rewe-Geschäftsleitung für Personal und Recht zuständig. Grund dafür sei auch, dass sich das Image der Branche aufgehellt und entsprechend höher qualifizierte Bewerber ihre Mappen an Handelsunternehmen verschickten.

Lehrstellen bleiben unbesetzt

Trotzdem bleiben wieder Lehrstellen im LEH unbesetzt. Nicht überall konnte zum Beispiel die Kaiser's Tengelmann AG die zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerbern besetzen, heißt es auf LZ-Anfrage.

Denn Anforderungen wie befriedigende Qualifikationen in Mathematik und Deutsch würden "von vielen Schulabgängern bedauerlicherweise nicht mehr erfüllt".

Insgesamt allerdings überschritten die Mülheimer die geplante Zahl der Neueinstellungen "auch in Hinblick auf den Ausbildungspakt". Trotz "anhaltendem Kostendruck" will Kaiser's Tengelmann den eigenen Nachwuchs weiter fördern, etwa mit dem Ausbildungsprogramm "Azubis führen einen Markt".

So sieht es auch Jörg Hundertmark, geschäftsführender Gesellschafter der Rewe Center R-Kauf Märkte GmbH & Co. KG in Kaisersesch: "Wir werden auch in Zukunft trotz des Kostendrucks keinerlei Einschränkungen beim Nachwuchs machen", sagt er bestimmt.

"Es wird in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung weniger Jugendliche geben, die eine Ausbildung beginnen", so Hundertmark, der in acht Märkten knapp 50 Auszubildende zählt. Bei einem "ordentlichen flächenbereinigten Umsatzwachstum" hätten sie gute Aussichten auf eine Übernahme.

Karteileichen in Statistik

Von "Bewerbungen in Massen" berichtet Wolfgang Wucherpfennig, Inhaber von 21 Edeka-Märkten im Raum Hannover. Bei 350 Mitarbeitern beschäftigt er 30 Azubis.

Wucherpfennig spielt den Ball an die Politik zurück, die mangelnde Ausbildungsbereitschaft in der Wirtschaft anprangert: "Die Edeka Minden-Hannover ist hinsichtlich Qualität und Quantität beispielgebend, was die Ausbildung angeht."

Von der Politik fordert er, die eigenen Hausaufgaben zu machen: "Ich schätze, in der Statistik gibt es viele Karteileichen, die in der Praxis bereits einen Ausbildungsplatz haben."

Noch deutlicher wird Wilfried Malcher, Ausbildungsexperte beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE): "Die Bewerberstatistik der Bundesagentur für Arbeit ist nicht aussagefähig." Am Dienstag kommender Woche veröffentlicht die Bundesagentur die Zahlen über den Ausbildungsmarkt zum Stichtag 30. September.

"Ob unterm Strich mehr Verträge abgeschlossen wurden, kann man noch nicht beantworten", blickt auch Malcher gespannt auf die kommende Woche.

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