Interview "Auslandspraktika für engagierte Auszubildende"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 13. Mai 2016
Ausgezeichnet : Ausbilderin Karen Koch, Azubis Lucas Waßmansdorff und Danny Frohwerk, Weiterbilderin Kornelia Petri (v. l.)
Bio Company
Ausgezeichnet : Ausbilderin Karen Koch, Azubis Lucas Waßmansdorff und Danny Frohwerk, Weiterbilderin Kornelia Petri (v. l.)
Im Juni letzten Jahres kürte die IHK Berlin die Bio Company zu einem der 13 besten Ausbildungsbetriebe der Stadt. Ausbildungsleiterin Karen Koch erläutert ihre Art der Nachwuchsgewinnung.

Frau Koch, helfen Auszeichnungen bei der Gewinnung von Auszubildenden?

Ja, Bewerber teilen uns immer wieder mit, dass dies eine besondere Motivation war, sich bei uns zu bewerben. Wie werden auch häufig weiterempfohlen von ehemaligen Auszubildenden.



Wird es dennoch von Jahr zu Jahr schwieriger, offene Stellen zu besetzen?

Ja, aber eher im positiven Sinne, weil das Volumen an offenen Stellen und Bewerbern wächst. Was uns besonders herausfordert: In Berlin wird bereits mit 5 Jahren eingeschult. Teilweise sind die Schulabgänger erst 15, wenn sie sich für Ausbildung oder Praktikum bewerben. Oft haben sich Berufswunsch und Ziele noch nicht wirklich herauskristallisiert. Manchmal bewegen die Eltern sie in eine vorläufige Richtung. Hinzu kommt, dass im Zeitalter von Social Media und Whatsapp Artikulationsfähigkeit und Wortschatz eingeschränkter sind als früher. Das erfordert von uns eine Herangehensweise mit viel Fingerspitzengefühl. Verbindliche Zusagen, Absagen und Soft Skills fehlen mitunter.

Sie sagen, dass Sie 2015 alle 120 Ausbildungsstellen besetzen konnten. Was tut das Unternehmen dafür?

Wir sind sehr engagiert und aktiv auf vielen Veranstaltungen, um Auszubildende zu rekrutieren. So besuchen wir Ausbildungsmessen, beteiligen uns an Schülerprojekten, sind bei Studienaussteigermessen und Jobmessen für Flüchtlinge dabei. Junge Leute orientieren sich sehr stark an der Ausbildungsberatung der Arbeitsagenturen, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten. Außerdem stellen wir nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn am 1. 10. – bei Studienabbrechern selbst danach – noch ein. Auch 2016 sind wir recht zuversichtlich, alle Stellen zu besetzen.

Gilt denn Ihr Optimismus auch den Ausbildungsstellen für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk?

Leider hat dieser handwerkliche Beruf bei jungen Leuten ein schlechtes Image. Er wird im städtischen Umfeld so gut wie nicht nachgefragt. Wir haben hier kaum Bewerbungen und wenn, dann liegen sie qualitativ unter den Mindestvoraussetzungen. Für das laufende Jahr bieten wir die Ausbildung daher nicht mehr an. Statt dessen beschäftigen wir Köche, die in unseren Filialen eine Zweitausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvieren und sich gerne auf den Frischebereich Fleisch spezialisieren. Ihre Affinität zum Thema Wurst- und Fleischwaren ist spürbar höher.



Welche Extras kommen bei den Bewerbern gut an?

Neben viel Warenkunde fördern wir mit praxisbezogenen Schulungen von der Gemüseernte auf der Domäne bis zum Kochkurs die Teamfähigkeit. Highlights sind das Ökopraktikum in einem Demeter-Betrieb und ein Auslandspraktikum in Londoner Bio-Läden für die engagiertesten Azubis – sechs waren es im letzten Jahr.

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