Der Handel zieht alle Register

von Redaktion LZ
Freitag, 16. August 2013
LZnet. Dieser Tage startet das Ausbildungsjahr 2013. Der Handel ist fieberhaft dabei, verbleibende Lehrstellen zu besetzen. Probleme bereitet vor allem der Frischebereich.
"Geschafft", können die Ausbildungsleiter bei Globus und Netto Marken-Discount sagen. Die beiden Händler haben bereits für all ihre Lehrstellen Bewerber gefunden. Aber auch viele andere von der LZ befragte Branchenteilnehmer sind guter Dinge, verbleibende Vakanzen noch deutlich zu reduzieren.

Die Rekrutierung läuft auf Hochtouren. So waren im Mai bei Aldi Süd zwar noch 38 Prozent der 2.550 Plätze frei, doch der Discounter geht davon aus, "dass ein Großteil davon noch besetzt werden kann". Penny ist zuversichtlich, seine derzeit noch 101 offenen Stellen komplett vergeben zu können. Tegut-Ausbildungsleiterin Eva-Maria Eckart rechnet "mit einer "Besetzungsquote von mehr als 90 Prozent".

Probleme in Ballungsräumen

#/ZT# In manchen Teilen der Republik gestaltet sich die Suche nach jungen Berufseinsteigern besonders schwierig. "Unsere Vertriebslinien nennen einhellig München an erster Stelle. Schwierig ist es auch in Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin", meldet die Metro Group. Gerade für die handwerklichen Ausbildungsberufe, etwa Fleischer und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, seien "größere Anstrengungen notwendig, um hier die angebotenen Ausbildungsplätze mit qualifizierten und engagierten Bewerbern besetzen zu können".

Die Bedientheken manchen dem LEH insgesamt Sorgen. Wurst oder Käse zu verkaufen, halten viele Jugendliche offenbar nicht für einen Traumjob. "Nachwuchsschwierigkeiten gibt es im gesamten Bereich Fleisch", heißt es etwa bei Bartels-Langness. Rewe konstatiert im Vollsortiment ebenfalls Probleme bei Fleisch und Wurst, stellt jedoch im Vergleich zum Vorjahr "einen Aufwärtstrend" fest. Edeka will mit der neuen Zusatzqualifikation "Frischespezialist dieses Thema für junge Leute attraktiver machen.

Nachwuchssorgen an der Bedientheke

#/ZT# Baumarktbetreiber Obi findet die Bewerberlage in Baden-Württemberg und Bayern besonders angespannt. Das sieht Wettbewerber Hornbach ähnlich, zudem sei die Azubisuche in Ballungszentren nicht einfach. Rossmann kann das bestätigen: "Vornehmlich im Großraum München und Frankfurt konnten wir nicht die gewünschten Azubizahlen erreichen."

Auch für Aldi Süd gestaltet es sich in diesen Gebieten "schwierig, geeignete und ausreichend Auszubildende zu finden". In Rheinland-Pfalz und dem Saarland hingegen habe sich die Lage verbessert. Rewe findet die Rekrutierung in Ballungszentren einfacher. "Dort ist zwar die Zahl der Alternativen für junge Menschen groß, aber auch die potenzielle Grundgesamtheit der Bewerber. Hier bleiben weniger Ausbildungsplätze unbesetzt als in ländlichen Regionen."

Toom Baumarkt verzeichnet "die größte Abweichung zwischen Plan und Ist rund um Dortmund, Bielefeld, Oldenburg und Cottbus". Globus bemerkt Probleme vor allem in den überalterten Regionen im Osten Deutschlands, aus denen "die Jugend immer mehr abwandert". Auch Edeka spürt "demografische Engpässe".

Reduzierte Bewerberzahlen durch geburtenschwache Jahrgänge

#/ZT# Aktives Employer Branding ist daher für alle Befragten ein Muss. Die Bandbreite der Aktivitäten reicht von Schulkooperation bis Facebook. Drogeriemarkt-Primus dm etwa veranstaltet Aktionswochen für Azubis. Interessenten für den Drogistenberuf können sich im Internet an die Materie "interaktiv herantasten".

Rossmann will mit einer Übernahmegarantie punkten: "Dazu gibt es ein vierstufiges Bewertungssystem, das Leistungsentwicklung und -stand der Azubis abbildet." Auch Globus garantiert Azubis "mit guten bis sehr guten Leistungen" seit diesem Jahr die Übernahme.

Händler geben Übernahmegarantie

#/ZT# Rewe wirbt ebenfalls damit, seine Lehrlinge zu übernehmen. Die Kölner ziehen alle Register im Azubi-Marketing – von einer eigenen Werbekampagne für die Zielgruppe bis zum Bewerbercasting. Alle Regionen haben jetzt einen "Auszubildenden-Recruiter". Penny setzt auf Spots mit eigenen Mitarbeitern, die auf der Karriere-Site und im Social Web zu sehen sind.

Netto Marken-Discount intensiviert Schulkooperationen und Messepräsenzen. Azubis der Edeka-Zentrale engagieren sich in der Edeka-eigenen Juniorenfirma "Tjune".

Aldi Süd bietet Abiturienten die Ausbildung zum Handelsfachwirt an und ist seit Anfang 2013 auf Facebook aktiv. Lidl will Kandidaten "direkt in der Schule abholen" und sponsert zum Beispiel Bewerbungsmappen, die im Unterricht verwendet werden. Der Discounter wirbt zudem in Apps, die Schüler gern downloaden.

Standardrepertoire und kreative Einfälle

#/ZT# Den direkten Draht zu den Bewerbern über Schulkontakte und Ausbildungsmessen hält Bartels-Langness für besonders vielversprechend. Über "persönliche Empfehlung und positive Erfahrungen, die kommuniziert werden", sorgt Tegut für Kontakte. Fressnapf kündigt für September "frische Karriereseiten" auf der Homepage an.

Mit einem Tanzvideo auf Youtube präsentieren sich die Azubis von Metro C+C. Real versieht seine Eigenmarken mit Azubi-Marketing. Galeria Kaufhof beteiligt sich an einem Speed-Dating. Wie der gesamte Handel wissen die Metro-Vertriebslinien: Wer auch in Zukunft von jungen Leuten als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden will, muss sich etwas einfallen lassen.

 

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