Mehr Jugendliche für die Berufswelt qualifizieren

von Judit Hillemeyer
Freitag, 20. August 2004
Die Ausbildungsmarktsituation ist in Deutschland angespannt. Auch wenn Unternehmen der Konsumgüterbranche die Zahl ihrer Ausbildungsplätze erhöht haben, könnten nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit Ende September noch mehr Lehrstellen als im Vorjahr fehlen.



In dem kürzlich unterzeichneten "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" wollen die Bundesregierung und die vier führenden Wirtschaftsverbände (Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Zentralverband des Deutschen Handwerks, Bundesverband der Deutschen Industrie) eine Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt einleiten.

In dem Pakt haben sich die beteiligten Parteien auf eine Reihe von Aufgaben verständigt, die unterschiedlich verteilt sind. Insgesamt gilt der Grundsatz "Ausbildung geht vor Übernahme".

Während der dreijährigen Paktdauer haben sich die Wirtschaftsverbände das "verbindliche Ziel gesetzt, im Jahresdurchschnitt 30 000 neue Ausbildungsplätze einzuwerben".

Zusätzlich sollen, ebenfalls ab diesem Jahr, jährlich "25 000 Plätze für betrieblich durchgeführte Einstiegsqualifikationen" bereitgestellt werden. Während die Betriebe die Sach- und Personalkosten der Ausbildung tragen, zahlt die Bundesagentur für Arbeit für die Jugendlichen einen Unterhaltszuschuss des Bundes.

Vermittlung optimieren

Im Gegenzug will die Bundesregierung die Lehrstellen in der Bundesverwaltung um 20 Prozent erhöhen.

Um optimale Vermittlungsergebnisse zu erzielen, wollen die Bundesagentur für Arbeit und die Kammern ihre Daten austauschen und Jugendliche über ein Callcenter "frühzeitig kontaktieren".

Angeboten werden Ausbildungsplätze oder eine adäquate Qualifizierungsperspektive. Soweit erforderlich, werden so genannte Kompetenzchecks durchgeführt. Ziel ist es, Potenziale der Jugendlichen festzustellen und ein Eignungsprofil für die berufliche Ausbildung zu erstellen.

Jugendliche, die nicht aktiv an einer Nachvermittlung mitwirkten und die entsprechenden Termine versäumten, gelten laut der Vereinbarung nicht mehr als unversorgt.

Die vereinbarte Einstiegsqualifizierung richtet sich vor allem an schwer zu vermittelnde Bewerber, die auch über die bundesweite Nachvermittlungsaktion keine Lehrstelle erhalten haben. Die Maßnahme ist eine Brücke, die in die Berufsausbildung führen soll.

Die erstmals in diesem Ausbildungsjahr angebotene Qualifizierung von sechs bis zwölf Monaten könne auf die Dauer einer späteren Ausbildung angerechnet werden.

Jugendliche qualifizieren

Die Kammerorganisationen wollen zusätzlich rund 50 Qualifizierungsbausteine für Jugendliche schaffen, die noch nicht über eine volle Ausbildungsbefähigung verfügen. Der Vermittlungsprozess wird auf regionaler Ebene von den Partnern statistisch erfasst, "um zeitnah Auskunft über seinen Fortgang zu geben."

Innerhalb des Paktes sagt der Bund die Fördermittel für das Programm "STARegio" (Strukturverbesserung der Ausbildung in ausgewählten Regionen) zu. Die Förderung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungsplätze soll im Rahmen von Ausbildungsverbünden um 50 Prozent aufgestockt werden.

Kammern und Verbände wollen hier unterstützend wirken. Ein Ausbildungsmanagement will vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Verwaltung in der Ausbildung entlasten. Außerdem sollen verstärkt ausländische Unternehmen und Selbstständige angesprochen werden.

Bemühen wollen sich die Paktpartner auch bei der überregionalen Vermittlung von Jugendlichen. Um den Ausgleich zwischen den Regionen zu unterstützen, wollen DIHK und ZDH ihr Netzwerk für den Informationsaustausch über unbesetzte Lehrstellen verstärkt nutzen.

Mobilität fördern

Die Bundesagentur für Arbeit will dabei die Jugendlichen mit Mobilitätshilfen unterstützen. Bei den Vermittlungsaktivitäten der Kammern und der Bundesagentur für Arbeit soll auch ein Ausgleich zwischen unterschiedlich nachgefragten Branchen einen Schwerpunkt darstellen.

Die Kommunen und Länder sind in diesem Rahmen zur Leistungssteigerung in den Schulen aufgefordert. Priorität hat die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen wie Rechnen, Schreiben und Lesen.

Dabei soll im Unterricht der Bezug zur Arbeits- und Berufswelt gestärkt werden. Ziel ist es, die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern. Erwünscht sind Partnerschaften zwischen Bildungsträgern und Betrieben.

Insgesamt wollen sich die Paktunterzeichner für eine moderne Berufsausbildung engagieren. Hier soll das Verfahren bei der Erarbeitung von Ausbildungsordnungen "vereinfacht werden". Im Mittelpunkt stehen hier besonders der Dienstleistungsbereich und so genannte Innovationsbranchen.

Künftig wollen die Bundesregierung und die Wirtschaftsverbände regelmäßig Zwischenbilanz ziehen. Dazu gehört auch die Bewertung von statistischen Erhebungen.

Auf dieser Basis sollen die bisherigen Aktivitäten überprüft und gegebenenfalls justiert werden. Im Herbst 2005 wird entschieden, ob der Pakt Erfolg hatte oder es gesetzlicher Initiativen bedarf. (juh)

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