Ausbildung Schulabgänger strengt Qual der Berufswahl an

von Roswitha Wesp
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Optimisten: Die Generation Y hat viele offene Fragen ans Leben, geht jedoch pragmatisch auf Probleme zu und wünscht sich beim Einstieg ins Berufsleben mehr Hilfe und Orientierung von außen.
Syda Productions/Shutterstock
Optimisten: Die Generation Y hat viele offene Fragen ans Leben, geht jedoch pragmatisch auf Probleme zu und wünscht sich beim Einstieg ins Berufsleben mehr Hilfe und Orientierung von außen.
Die Situation für Schulabgänger ist in Deutschland so gut wie lange nicht mehr. Die Konjunktur floriert, die Zahl der Beschäftigten steigt, die der Arbeitslosen sinkt. Der Handel wird sich als Branche künftig stärker anstrengen müssen, gute Fachkräfte zu finden.

Schulabgänger haben künftig die Wahl. Die positive ökonomische Situation fällt mit der demografischen Entwicklung zusammen. Geburtenschwache Jahrgänge verlassen die Schulen und betreten die Arbeitswelt.

"Die Chancen, die sich damit für die junge Generation ergeben, sind groß", heißt es daher in der jüngsten McDonald‘s-Ausbildungsstudie, die jetzt gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) in Berlin vorgestellt wurde. Sie untersucht die Wünsche, Erwartungen und Perspektiven der jungen Generation und erkundet, wie die 15-bis 25-Jährigen auf den Umbruch am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt reagieren.

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-Knapp drei Viertel der Befragten sehen demnach der eigenen beruflichen Zukunft mit Hoffnungen entgegen, lediglich 11 Prozent mit Befürchtungen. Insbesondere junge Erwachsene, die ihre derzeitige finanzielle Situation als eher ungünstig bezeichnen, blicken mit gemischten Gefühlen in ihre berufliche Zukunft: Nur 42 Prozent sprechen von Hoffnungen, bei 37 Prozent überwiegen hingegen die Befürchtungen.

"Besonders Schüler und Studenten, die noch ganz am Anfang ihres Berufslebens stehen, empfinden die Fülle an Optionen und Möglichkeiten des heutigen Berufslebens eher als Belastung", heißt es in der Studie. 68 Prozent der Studenten und 64 Prozent der Schüler teilen die Auffassung, dass es heute aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten schwieriger ist als früher, sich für einen bestimmten Berufs- oder Ausbildungsweg zu entscheiden.

Am ehesten sorgen sich die Jüngeren darum, den falschen Beruf zu ergreifen: Jeder Dritte fürchtet sich davor, gut jeder Vierte, dass er den Anforderungen im Berufsleben oder in der Schule und in der Ausbildung nicht gewachsen ist.

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-Mehr als zwei Drittel der jungen Generation meinen, dass sie einem höheren Leistungsdruck ausgesetzt sind als Gleichaltrige vor fünf bis zehn Jahren. Allerdings haben die meisten gelernt, dies zu ertragen.

"Ein großer Teil der jungen Generation hat erfahren müssen, dass der Übergang in das Berufsleben vor allem von Unsicherheiten und Unwägbarkeiten geprägt ist", so die Studie. Der Leistungsdruck sei im Vergleich dazu die deutlich geringere Belastung – zumal die Mehrheit überzeugt ist, dass Leistung sich lohnt und man durch Anstrengung seine eigene Lebenssituation verbessern kann.

Viele zögern die Berufswahl hinaus

Bei den Azubis überwiegt daher auch die Überzeugung, dass man sich früh über die Berufswahl klar werden sollte. 46 Prozent neigen zu dieser Haltung. Aber immerhin 41 Prozent tendieren dazu, sich nicht gleich festzulegen und lieber noch das eine oder andere auszuprobieren.

Dabei halten Frauen zwar annähernd im selben Maße wie Männer einen erfüllenden Beruf und einen sicheren Arbeitsplatz für besonders wichtig im Leben, sie sind jedoch laut Studie erkennbar weniger erfolgs- und karriereorientiert: 44 Prozent der jungen Männer, aber nur 37 Prozent der jungen Frauen ist Erfolg im Beruf besonders wichtig.

Junge Migranten hingegen weisen eine besonders hohe Aufstiegsorientierung auf. 59 Prozent bezeichnen die Aufstiegschancen in Deutschland als sehr gut oder gut. 60 Prozent geben an, dass es ihnen wichtig ist, mehr im Leben zu erreichen als ihre Eltern.

Markenimage spielt kaum eine Rolle

Für einen angesehenen Arbeitgeber oder eine große Marke zu arbeiten, beruflich auch im Ausland zu sein oder eine Führungsposition erreichen zu können, ist nur für ein knappes Drittel der jungen Leute wichtig.

Dennoch raten die Studienmacher Arbeitgebern: "Für die Unternehmen, die heutzutage weitaus stärker als früher um qualifizierte Nachwuchskräfte konkurrieren, wird die Herausforderung für die Zukunft sein, die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen zu stärken, um sie auch langfristig an ihr Unternehmen binden zu können."

Dies sei keine leichte Aufgabe,weil es für heutige Berufsbiografien fast schon selbstverständlich sei, gelegentlich den Arbeitsplatz, teilweise sogar den Beruf zu wechseln.

Gleichzeitig könnten viele Unternehmen damit punkten, dass die meisten ihrer jungen Mitarbeiter nicht nur ausgesprochen zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz sind, sondern sie ihre Erwartungen an einen idealen Arbeitsplatz in vielen Bereichen auch in der beruflichen Wirklichkeit als erfüllt ansehen.

Dies gelte vor allem für die Möglichkeit, im Beruf soziale Kontakte zu knüpfen und eng im Team zusammenzuarbeiten sowie für das Betriebsklima und den Spaß an der Arbeit.

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