Ausbildungspakt als Schönfärberei

von Judit Hillemeyer
Mittwoch, 08. Dezember 2004
"Trotz aller Versuche der Nachvermittlung und der Bereinigung der Statistik sind noch immer Tausende von jungen Menschen ohne Perspektive", entgegnet der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke der positiven Bewertung des Ausbildungspakts der Bundesregierung und Wirtschaftsverbände.



Mehr als 100 000 Jugendliche ohne Ausbildung würden für kurze Zeit in schulischen Maßnahmen untergebracht, was zwar die Statistiken besser aussehen ließe, den jungen Menschen aber keinen Ausbildungsplatz bringe, so Werneke.

Die Zahl der nicht vermittelten Auszubildenden habe sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Eine große Anzahl von Jugendlichen befände sich in sechsmonatigen Kurzqualifizierungen, andere würden durch eine in diesem Jahr erstmals praktizierte verschärfte Selektion als nicht vermittelbar abgestempelt und tauchten damit ebenfalls in der Statistik der nicht versorgten Jugendlichen nicht mehr auf.

Weniger Lehrstellen

"In den Betrieben wurde im Vergleich zum Vorjahr kein einziger zusätzlicher Ausbildungsplatz geschaffen", kritisierte der Verdi-Vize. Es gäbe sogar 17 000 betriebliche Ausbildungsplätze weniger als im vorangegangenen Ausbildungsjahr.

Dies als Erfolg des Ausbildungspakts zu bezeichnen, sei Schönfärberei. "Die jungen Menschen brauchen eine qualifizierte Ausbildung für den Start in ihr Berufsleben; schön geredete Zahlen, gefärbte Statistiken und ein Ausbildungspakt, der nur Fassade ist, nützen ihnen gar nichts", betonte Werneke.

"Unternehmen, die ausbilden wollen, brauchen Anreize und Unterstützung - Unternehmen, die nicht ausbilden, müssen sich in Zukunft an der Finanzierung der Ausbildung beteiligen." (juh)

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