Azubis schwingen das Zepter in der Filiale

von Redaktion LZ
Sonntag, 14. März 2004
LZ|NET. Die Azubi-Filiale macht Furore. Innerhalb eines Qualifizierungsprogramms führen Lehrlinge einen begrenzten Zeitraum eigenständig eine Filiale. Das Modell ist bei Tengelmann, dm-Drogeriemarkt und Müller in das interne Qualifizierungsprogramm integriert.



Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Diese Zeiten haben sich geändert. Bei Kaiers's Tengelmann dürfen Lehrlinge in dieser Woche den Chef mimen. "Unser Anliegen ist es, die Auszubildenden frühzeitig verantwortlich am Unternehmensgeschehen zu beteiligen", sagt Bernd Ahlers, Vorstandsvorsitzender der Kaiser's Tengelmann AG über die Qualifizierungsmaßnahme.

Er sieht vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Verpflichtung darin, "junge Mitarbeiter auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft vorzubereiten".

Das Projekt "Azubis führen einen Markt" führt Tengelmann mittlerweile zum dritten Mal durch. Im Fokus stehen Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr. In der Hand der Nachwuchshändler befinden sich in dieser Woche vier Märkte - Bad Camberg (53 Lehrlinge), Berlin (100), München (26) und Köln (29).

Die Azubis sind für die Personaleinsatzplanung ebenso verantwortlich wie für die lückenlose Warenversorgung, die Warenpräsentation sowie den Service und die Kassenabwicklung.

Auch wenn die Aufgabenbereiche der Azubis in den Märkten innerhalb dieser Woche wechseln können, bleibt die Besetzung der kommissarischen Marktleiter und deren Stellvertreter eine Konstante, erklärt Bettina Gläser-Krahn, Leiterin der Ausbildungs- und Entwicklungsprogramme bei Kaiser's Tengelmann.

"Wir wollen sicher sein, dass sie dieser Aufgabe gewachsen sind." Auch die Azubis an den Bedientheken sollen ihr Handwerk beherrschen. Die Projektwoche bietet den Lehrlingen Freiraum, um eigene Verkaufsideen zu entwickeln.

Täglich veranstalten sie wechselnde Aktionen, die sie selbst organisieren. Sie reichen von Verköstigungen bis hin zu einem Einpackservice.

Innerhalb eines solchen Projektes sollen sich die angehenden Kaufleute "selbst ausprobieren und soziale Kompetenzen entwickeln", sagt Gläser-Krahn. Außerdem sieht sie in dem Modell eine Image-Pflege: "Wir wollen zeigen, dass die Ausbildung im Lebensmitteleinzelhandel attraktiv sein kann."

Gesellenstück

Die Lehrlingsfiliale ist für Drogeriemarktfilialist dm das "Gesellenstück der dm-Ausbildung". Positive Erfahrungen sammelt das Unternehmen bereits seit neun Jahren mit Studenten der Berufsakademie, die über einen Zeitraum von vier Wochen eigenständig einen Markt leiten.

Seit 2003 dürfen auch Lehrlinge im dritten Ausbildungsjahr und junge Mitarbeiter einen Monat lang das Zepter schwingen. Das Programm wird in diesem Jahr an acht bis zehn Standorten durchgeführt.

Als "Nagelprobe ohne Netz und doppelten Boden" bezeichnete Drogeriemarkt Müller seine erste Azubi-Filiale, die im vergangenen Sommer unter dem Stichwort "Müllerfolgreich" an den Start ging. Die Idee eines Azubimarktes wird derzeit vom Edeka-Aufsichtratsvorsitzenden Jörg Hieber geprüft.

Bei einem selbstständigen Edekaner, so die Überlegung, könnten Führungskompetenz und Teamfähigkeit unter realen Bedingungen erprobt werden.

Insgesamt sehen die Handelshäuser in der Lehrlingsfiliale eine zusätzliche Möglichkeit, den Nachwuchs frühzeitig in verschiedenen Facetten kennen zu lernen. Die eigentliche Stammbelegschaft darf sich, während die Azubis das Sagen haben, Urlaub nehmen oder in einer anderen Filiale aushelfen.

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