BPM-Kongress HR-Impulse für den Wandel

von Julia Wittenhagen
Freitag, 08. Juli 2016
Gut besucht : Der Personalmanagementkongress 2016 bot unter dem Motto „Passion“ ein buntes Programm. So erklärte Philosoph und Buchautor Richard David Precht, warum wir oft nicht handeln, wie wir handeln sollten.
Laurin Schmidt
Gut besucht : Der Personalmanagementkongress 2016 bot unter dem Motto „Passion“ ein buntes Programm. So erklärte Philosoph und Buchautor Richard David Precht, warum wir oft nicht handeln, wie wir handeln sollten.
Die Umwälzungen in der Arbeitswelt durch Digitalisierung, Automatisierung und die Wünsche der Generation Y bescherten dem Kongress für Personalmanagement großen Zulauf. Der Mix aus Vorträgen im Plenum und rund 80 Einzelveranstaltungen kam gut an.

"Passion" war das Leitthema der vielen Referenten. Denn ohne Leidenschaft wird es wohl schwierig, in unruhigen Zeiten mitzuhalten, in denen die Digitalisierung Geschäftsmodelle ändert, Hierarchien hinwegfegt und Kompetenzprofile auf den Kopf stellt. Mit seinem Bericht aus dem Silicon Valley gab Springer-Journalist Christoph Keese gleich am Anfang den Takt vor.

Wenn immer mehr Teams selbst organisiert und virtuell arbeiten, wie sollen Führungskräfte dann überhaupt noch führen? Wie soll individuelle Leistung gemessen und vergütet werden? Wie sehen die Arbeitsbedingungen aus, in denen sich Talente wohl fühlen? Und wie spricht man sie an?

Bei diesen zentralen Fragen für Personaler setzte der BPM als Veranstalter auf den Blick über den Tellerrand. So sprachen in vielen Veranstaltungen Firmenvertreter aus zwei Branchen zu einem Thema. Melanie Berthold aus der Rewe-Zentrale schilderte beispielsweise, wie die Gruppe seit 2015 mit bekannten Youtubern in der Ansprache von Azubis kooperiert, weil "Youtuber ein tolles Image und große Nähe zu den Jugendlichen haben."

Rewe und die Youtuber: Melanie Bertholt berichtet von der Zusammenarbeit.
Julia Nimke
Rewe und die Youtuber: Melanie Bertholt berichtet von der Zusammenarbeit.
Sie haben sehr lustige Filme über falsches Bewerben gedreht und waren auch bei der Recruiting-Aktion "Rewe Azubi-Speeddating" präsent. Im Folgevortrag verblüffte Erntemaschinenhersteller Claas mit Employer Branding-Erfolgen auf Instagram. "Wir wollten uns mit optischem Storytelling als First Mover vom Wettbewerb differenzieren", erklärte die Referentin. "Bilder liked und teilt man viel schneller als Wortbeiträge. Außerdem sind sie international einsetzbar".

Auch Widerstände in der Belegschaft gegen den Wandel wurden thematisiert – etwa beim Vortrag von Lekkerland zur gleichzeitigen Umstellung und Digitalisierung des Performanance Managements. Inhalte von Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen und Entwicklungsplänen werden hier in einer Cloud hinterlegt und damit auch für den Mitarbeiter transparent. "Eine intensive Begleitung ist wichtig, um die Mitarbeiter mitzunehmen", resümierten die Vortragenden.

Ins rechte Maß setzte der Münchner Gehirnforscher Manfred Spitzer zu ambitionierte Umbrüche mit seinem Vortrag "Feuer bis Frust". "Einen Change-Prozess in Gang zu setzen ist das Dümmste, was sie machen können", warnte er seine Zuhörer. Er mache den Mitarbeitern Angst und erhöhe den Krankenstand. Viel besser sei es, die Leute so weiterzuentwickeln, dass sie selbst wüssten, was man besser machen kann. "Motivation ist wie Hunger", sagte er. Man könne sie nicht von außen erhöhen, sondern müsse darauf vertrauen, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben gerne und richtig erfüllen.

"Das Unternehmen wird nur so schnell wachsen, wie die Menschen wachsen", sagte H&M-Personalchefin, Angela Gallenz. "Wenn 500 von 20.000 Mitarbeiter innovativ sind, reicht uns das nicht", sagte sie. "Wie gut schaffen wir es bei H&M, dass junge Menschen ihre Persönlichkeit einbringen können, ihren Beitrag leisten und sich involviert fühlen in die Zukunft des Unternehmens?", benannte sie ihre Kernfragen. Junge Menschen dabei zu begleiten, dass sie zu sich finden, sieht sie als zentrale Aufgabe von HR. Dabei bestimme der Kundenfokus die Richtung. "Was kann man alles weglassen an Aufgaben, Zielvorgaben und Fortbildungen, ohne den Kunden zu vernachlässigen?", fragte sie in die Runde.

Ein spannendes Beispiel für gelebte Agilität brachten Annika Stechling und Claudia Schabler von Eckes-Granini mit. Um neben dem stabilen bis rückläufigen Markt der Säfte mit Limonade ein neues Standbein aufzubauen, riss das Traditionsunternehmen im "Out of the bottle office" im wahrsten Sinne Wände ein. Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, HR und Trade Marketing konnten sich bewerben, um außerhalb von Hierarchien und "Silos" gemeinsam die neue Kategorie weiterzuentwickeln.

Hochzufrieden sprachen die Personalerinnen über das crossfunktionale Arbeiten: "Zwei Mitarbeiter haben dadurch ganz neue Bereiche für sich entdeckt und ich habe von den Marketingkollegen ganz viel gelernt, was ich für das Employer Branding nutzen kann", sagte Claudia Schabler.

Volker Westedt von Zalando gab zu, dass auch Personalarbeit sich ändern muss. "Wir sind bei Mitarbeitergesprächen oder -entwicklung nicht mehr mit der Gießkanne unterweg." Neue Instrumente müssten her, um individueller und häufiger Feedback zu geben und zu unterstützen.

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