Personalentwicklung Baby Boomer werden abgehängt

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 16. Oktober 2014
Talentbegriff erweitern: Benedikt Hackl fordert Betriebe zum Handeln auf.
DHBW
Talentbegriff erweitern: Benedikt Hackl fordert Betriebe zum Handeln auf.
Jeder dritte Mitarbeiter in Deutschland zählt zur leistungsorientierten Generation der Baby Boomer. Doch bei Personalern sind die über 50-Jährigen abgeschrieben. Weiterbildung für Ältere? Fehlanzeige, das zeigt eine neue Studie.
Demografischer Wandel, Fachkräftemangel – es vergeht kaum eine Tag, ohne dass HR-Fachleute darüber sinnieren, wie sich die drohenden Lücken in der Belegschaft vermeiden beziehungsweise füllen lassen. Ältere Arbeitnehmer gelten dabei als eines der großen Potenziale.

In der Unternehmenspraxis allerdings sieht es ganz anderes aus, wie eine branchenübergreifende Studie des Forschungsclusters "HR-Impulsgeber" der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Ravensburg zeigt. Professor Benedikt Hackl, der die Einrichtung leitet, stellte die Ergebnisse auf der Personalmanagement-Konferenz der "Textilwirtschaft" vor, die wie die LZ in der dfv-Mediengruppe erscheint.

So halten die befragten Personaler etwa persönliche und fachliche Weiterbildung, Feedback, Frauenförderung, herausfordernde Aufgaben oder attraktive Karrierechancen schon für Mitarbeiter jenseits der 50 für "unwichtig" (rote Ampel in der Tabelle). "Wichtig" (grüne Ampel) finden sie für diese Zielgruppe keine einzige der abgefragten Maßnahmen.

Den Vertretern der Generationen Y (18 bis 30 Jahre) oder X (31 bis 50 Jahre) hingegen lassen sie gern vielfältige HR-Maßnahmen angedeihen, um sie zu motivieren und ans Unternehmen zu binden. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in der Analyse beträgt 41,4 Jahre. 30 Prozent sind über 50.

Es herrscht das Denken der 90er Jahre

"Die Baby Boomer sind, was das Arbeitsleben angeht, eine abgeschriebene Generation", fasst Hackl seine Studienergebnisse zusammen, die ihn "vollkommen überrascht" haben. "Ich hätte gedacht, dass die Unternehmen schon sehr gut auf diese Altersgruppe eingestellt sind", so der Referent. Doch dort herrsche vielerorts noch das Denken der 90er Jahre vor, Stichwort Frühverrentung.

Für die 50+-Beschäftigten selbst, die in der Studie ebenfalls nach ihren Wünschen befragt wurden, haben Themen wie Personalentwicklung und Karriereförderung dagegen einen hohen Stellenwert. "Deshalb muss der Talentbegriff erweitert werden", schlussfolgert Hackl. High Potentials seien eben nicht nur die Jüngeren. "Das Bild, dass Arbeitnehmer ab 50 Jahren keine Karriere mehr machen wollen, ist völlig veraltet."

50 plus ist eine Leistungsgeneration

 

Die Arbeitgeber müssten zudem realisieren, dass Mitarbeiter jenseits der 50 eine "Leistungsgeneration" und "die produktivste Altersgruppe in den Unternehmen", sei, die mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen den Jüngeren durchaus das Wasser reichen könne.

Die Vergütung dagegen, so ein weiteres Ergebnis der Mitarbeiterbefragung, spielt für die Baby Boomer eine weniger zentrale Rolle, als Personaler glauben. Dies impliziert laut Hackl, dass "die klassische Vergütungslogik nach Alter oder Betriebszugehörigkeit weder für Generation Y noch für die Baby Boomer attraktiv ist".



(cd)

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