Der Bachelor-Abschluss hat ein Imageproblem

von Redaktion LZ
Freitag, 16. März 2012
LZnet. BWL-Studenten glauben ihrer Karriere erst durch den Masterabschluss die richtige Basis zu geben. Zu diesem Ergebnis kommt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer aktuellen Studie.
Fragt man Masterstudierende der Betriebswirtschaftslehre, so sind zwei Drittel von ihnen direkt nach dem Bachelor- in ein Masterstudium eingestiegen. Dass sie sich einen Kick für die Karriere erhoffen, ist laut CHE der am häufigsten genannte Grund dafür (90 Prozent).

Zwar zeigt die Absolventenbefragung, dass der Berufseinstieg für junge Betriebswirte weitgehend mühelos gelingt – mit oder ohne Master. Dennoch zweifeln viele Studenten offensichtlich daran, nur mit dem Bachelor eine ausreichende Berufsbefähigung erreicht zu haben.

Anstatt diesen Abschluss für den Jobeinstieg zu nutzen und eventuell später – vor dem Hintergrund erster Berufserfahrungen – eine Entscheidung für oder gegen ein Masterstudium zu treffen, ziehen viele die direkte Fortsetzung der akademischen Ausbildung vor.

Der Master wird zum Normalfall

Der Trend, übergangslos nach dem Bachelor einen Master anzustreben, habe sich gegenüber einer ersten Befragung vor vier Jahren sogar noch verstärkt, stellen die Autorinnen der CHE-Studie, Mareike Hennings und Isabel Roesler, fest.

Als Grund dafür machen sie die Haltung der Professoren aus. Denn diese sehen den Master als den Regelfall an und damit als den eigentlichen Ersatz des Diploms. Nur 30 Prozent halten eine Berufstätigkeit zwischen Bachelor und Master für sinnvoll.

Die Anerkennung des Bachelor fällt seitens der Arbeitgeber je nach Branche und Studienfach unterschiedlich aus. Die Studie "Recruiting Trends 2012" von Monster und dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt kam jüngst zu dem Ergebnis, dass technologieorientierte Fachkräfte bevorzugt mit Masterabschluss gesucht werden.

Bachelor im Handel gern gesehen

Nur ein Viertel der befragten Großunternehmen sei der Ansicht, dass Bachelorabsolventen in diesem Bereich die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen. Mittelständische Unternehmen stünden dem Bachelor weniger kritisch gegenüber.

Im Einzelhandel wird er ausgesprochen gern gesehen. Das betonen die unterschiedlichsten Manager regelmäßig bei einschlägigen Veranstaltungen. Einige Händler unterscheiden bei der Stellenbesetzung überhaupt nicht nach der Art der Hochschulvorbildung.

"Praktische Erfahrung zählt bei uns mehr als formale Abschlüsse", erklärte jüngst Kaufland-Personaler Dr. Norbert Dörschner. Und Edeka-Vorstand Dr. Reinhard Schütte bremste im Rahmen der Vergabe des Wissenschaftspreises die Ambitionen auf immer höhere akademische Abschlüsse: "Ein Doktortitel kann im Handel sogar hinderlich sein."

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats