Top-Personaler Peter Kleinschmidt über Nachwuchsfragen

von Redaktion LZ
Freitag, 19. März 2010
Peter Kleinschmidt
Peter Kleinschmidt
Lebensmittel Zeitung: Herr Kleinschmidt, welche Auswirkungen hat die Kriseauf die Beschäftigungslage bei Beiersdorf?



Peter Kleinschmidt: Wir haben uns in dieser schwierigen Situation gut behauptet und wollen auch 2010 schneller wachsen als der Markt. Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiterzahl auf Vorjahresniveau bleibt.

Lebensmittel Zeitung: Gilt das auch für den Führungsnachwuchs? Vergangenes Jahr boten Sie 16 Traineeplätze an, 45 Absolventen starteten per Direkteinstieg in Deutschland.

Peter Kleinschmidt: Wir investieren nach wie vor in den Nachwuchs. Die genannten Zahlen werden sich auf dem Niveau halten.

Lebensmittel Zeitung:Mit welcher HR-Strategie reagieren Sie insgesamt auf die Rezession?

Peter Kleinschmidt: Die Krise hat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert und eine neue Realität erzeugt, auf die wir uns als Unternehmen einstellen müssen. Für HR heißt das, noch schneller und flexibler als bisher auf neue Situationen in den Unternehmensbereichen zu reagieren, um Engpässe bei Ressourcen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Lebensmittel Zeitung:Wie wollen Sie Potenzialträger im Unternehmen halten?

Peter Kleinschmidt: Gerade jetzt ist es wichtig, diese Gruppe nicht zu vernachlässigen und ihnen weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten - noch fokussierter als in der Vergangenheit. Das könnte das Vorziehen des nächsten Karriereschrittes sein oder eine gezielte Weiterbildungsmaßnahme.

Lebensmittel Zeitung:Welche Rolle spielt der demografische Wandel?

Peter Kleinschmidt: Uns ist klar, dass der demografische Wandel zu einer wachsenden Knappheit an Nachwuchs führen wird, und wir richten unser Employer Branding und Recruiting strategisch danach aus.

Lebensmittel Zeitung:"Beyond Borders" heißt das Traineeprogramm bei Beiersdorf. Welche Grenzüberschreitungen sind gemeint?

Peter Kleinschmidt: Erst einmal die direkte: Ein sechsmonatiger Auslandsaufenthalt gehört verpflichtend dazu. Hinzu kommt eine funktionale: Vier Monate finden in einer anderen Funktion als der ausgewählten statt. Ein Marketing-Trainee geht ins Controlling, ein Finance-Trainee ins Supply-Chain-Management. Ebenso interessant finde ich die Überschreitung persönlicher Grenzen. Wir geben den Trainees schon früh viel Verantwortung, so dass sie die eigene "Comfort Zone" auch mal verlassen.

Lebensmittel Zeitung:Was bedeutet das konkret?

Peter Kleinschmidt: Es geht darum, ihnen Aufgaben zu geben, an denen sie wachsen können. Stellen Sie sich einen HR-Trainee vor, der ursprünglich aus Ghana stammt und vier Monate lang in der thailändischen Tochtergesellschaft zeigen soll, was er dort bewegen kann - in einem ganz anderen Kulturkreis, dessen Sprache er nicht spricht.

Lebensmittel Zeitung:Wie viele Beiersdorf-Manager hat das Programm hervorgebracht?

Peter Kleinschmidt: Beyond Borders gibt es seit 30 Jahren. Wir sind stolz darauf, dass sehr viele Manager, deutlich mehr als zehn Prozent unserer Geschäftsführer und auch Thomas-B. Quaas, unser Vorstandsvorsitzender, daraus hervorgegangen sind. Zudem ist es drei unserer Trainees gelungen, den Stiftungspreis Goldener Zuckerhut der LZ zu gewinnen.

Lebensmittel Zeitung:Welchen Einfluss haben die neuen Abschlüsse Bachelor und Master auf das Traineeprogramm?

Peter Kleinschmidt: Wir brauchen beide, haben aber bisher wenig Erfahrung damit. Ich gehe davon aus, dass Bachelors erst Ende 2010, Anfang 2011 in größerer Anzahl in den Markt kommen werden. Grundsätzlich aber stellen wir nicht nach Abschluss ein, sondern nach persönlicher Qualifikation.

Lebensmittel Zeitung:Im Moment werden die Studiengänge nachjustiert. Wird auch Beiersdorf seine Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen anpassen?

Peter Kleinschmidt: Ich möchte zunächst abwarten, was sich aus der öffentlichen Diskussion ergibt. Denn bevor wir eigene Systeme, die bisher erfolgreich funktioniert haben, ändern, muss ich wissen, wohin die Reise geht.

Lebensmittel Zeitung:In welchen Ressorts haben Sie den höchsten Bedarf an Absolventen?

Peter Kleinschmidt: Für Marketing, Finance und Controlling sowie HR werden Wirtschaftswissenschaftler gesucht. Auch für Supply Chain und Produktion benötigen wir diese - und nicht nur Ingenieure. In Forschung und Entwicklung sind Biologen und Chemiker gefragt.

Lebensmittel Zeitung:Besetzen Sie Leitungspositionen aus eigenen Reihen oder legen Sie auch Wert auf Quereinsteiger?

Peter Kleinschmidt: Überwiegend besetzen wir gerade höhere Führungspositionen aus den eigenen Reihen. Aber wir sind offen für Talente von außen, damit wir nicht nur im eigenen Saft schmoren. Mir persönlich ist ein gesunder Mix aus Eigengewächsen und Quereinsteigern das Liebste.

Lebensmittel Zeitung:Wie hoch ist die Fluktuation bei Beiersdorf?



Peter Kleinschmidt: Von allen Trainees, die wir in den vergangenen 30 Jahren eingestellt haben, sind deutlich über 50 Prozent nach wie vor im Unternehmen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit insgesamt bei zwölf Jahren.

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