Belästigung am Arbeitsplatz Übergriffen durch Regeln vorbeugen

von Silke Biester
Freitag, 02. Februar 2018
Nur geguckt? Die Unternehmenskultur gibt vor, wie kollegiales Verhalten gelebt wird.
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Nur geguckt? Die Unternehmenskultur gibt vor, wie kollegiales Verhalten gelebt wird.
Die aktuelle #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Filmbranche schlägt hohe Wellen. Auch in anderen Bereichen sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Beschäftigten vor Übergriffen am Arbeitsplatz zu schützen. Von US-Konzernen kann man sich dabei etwas abgucken.

Die Konsumgüterwirtschaft ist nicht Hollywood: Kompetenz spielt für die Karriere eine weitaus bedeutendere Rolle als die sexuelle Ausstrahlung. Doch Fachkompetenz allein ist kein wirksamer Schutz gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Fest steht, dass gesellschaftliche Fragen auch vor Unternehmen nicht Halt machen. Wo Männer und Frauen aufeinander treffen, kann es gewollte oder nicht erwünschte Annäherungsversuche geben. Die Grenzen sind fließend.

Bei der Arbeit ist dies keine Privatangelegenheit: Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet jede Form sexueller Belästigung und verpflichtet den Arbeitgeber nicht nur einzugreifen, wenn sich jemand beschwert, sondern auch vorzubeugen. Die Frage, wie mit dem Thema umgegangen wird, sollte gezielt gesteuert und kommuniziert werden, findet der Compliance-Experte Otto Strecker von der auf die Nahrungsmittelbranche fokussierten Unternehmensberatung AFC.

Notwendig sei dafür eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Hilfreich bei der Formulierung einer eigenen "Policy" sei etwa die Vorlage der International Labour Organisation (ILO). Seines Wissens werde dies in hiesigen Unternehmen bisher nicht umgesetzt oder die Ergebnisse werden nicht aktiv in die Belegschaft getragen. Das bestätigt die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, die zwar zunehmend Betriebsvereinbarungen dazu beobachtet, Standard sei dies aber nicht.

In amerikanischen Unternehmen hat man vor vielen Jahren begonnen, Regeln aufzusetzen. Beispielsweise bei Coca-Cola existiert eine ausführliche "Richtlinie zum gegenseitigen Respekt", in der deutlich formuliert ist, dass Belästigung und Diskriminierung abgelehnt wird, die Meldung potenzieller Vorfälle aber erwünscht ist. Dort steht, welches Verhalten gemeint ist: sexuelle Anspielungen, Witze oder Handlungen sowie unerwünschtes Flirten, Annäherungsversuche, obszöne E-Mails oder Bilder sind Beispiele.

Bei Procter & Gamble ist man überzeugt, dass die Organisationsstruktur, Kultur und besonders die gleichberechtigte Förderung von Männern und Frauen zur Vorbeugung etwaiger Übergriffe beiträgt. "Führungskräfte-Meetings laufen anders ab, wenn die Hälfte der Teilnehmer Frauen sind", stellt eine Managerin fest. Außerdem gebe es in dem Konzern keine Machtkonzentration à la Hollywood. Hierarchien unterliegen einem ständigen Wandel und personelle Entscheidungen werden im Team getroffen. Auch bei anderen Prozessen gelte das Mehr-Augen-Prinzip, um Fehlverhalten zu erschweren.

Transparenz stellen zudem Großraumbüros sicher. Der konsequente und öffentlich kommunizierte Umgang mit entsprechenden Vorfällen habe bei Procter für Klarheit gesorgt. "Wenn in der Vergangenheit trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Fehlverhalten aufgetreten ist, wurde dies immer sofort und mit Nachdruck sanktioniert", so die Managerin.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gibt an, dass jede fünfte Frau im Arbeitsumfeld sexuelle Belästigung erlebt hat. Dies werde oft nicht erkannt oder verharmlost. Auf das Betriebsklima und den Ruf der Firma wirke es sich dennoch aus.

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