Lerninhalte besser abstimmen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. Oktober 2004
Das duale Bildungssystem wird in Deutschland nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Handel, Industrie und Dienstleister fordern jedoch mehr Varianten in der Berufsausbildung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Duale Alternativen als Perspektiven".



Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der befragten Ausbildungsbetriebe in Handel, Industrie und der Dienstleistungsbranche würden alternative Berufsbildungssysteme nutzen, so das Studienergebnis von ets Didactic Media und SHR Learnlife.

Die Bildungsdienstleister hatten im September 302 Ausbildungsbetriebe in Deutschland zur Berufsausbildung befragt. Mehrheitlich (85 Prozent) antworteten Geschäftsführer, Personal- und Ausbildungsleiter oder deren Stellvertreter. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Maisberger Whiteoaks.

Das traditionelle duale System - die Kombination von betrieblicher Lehre und Berufsschule - wird nicht prinzipiell in Frage gestellt. Knapp die Hälfte der Befragten sieht in der Dualität einen positiven Faktor der Ausbildung. 60 Prozent bewerten das bestehende System als gut oder sehr gut.

Gefordert wird jedoch eine verbesserte Abstimmung zwischen Theorie und Praxis bzw. eine bessere Kommunikation zwischen Betrieb und Schule sowie eine höhere Qualität der Berufsschule. Über deren Qualität beklagt sich immerhin jede vierte Firma.

Netzwerke bilden

Angesichts der formulierten Kritikpunkte werden alternative Ausbildungsformen diskutiert. Diese Konzepte stellen allerdings die Dualität von Theorie und Praxis nicht in Frage. Sie sind eher als eine Variante gedacht.

Unter den Alternativen genießen Ausbildungsnetzwerke zwischen mehreren Unternehmen die höchste Akzeptanz. Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Ausbildungsbetriebe würde sie nutzen.

Gemeint ist ein Zusammenschluss von mehreren Unternehmen und Bildungsträgern, um die Ausbildungsplätze zu schaffen, die Firmen alleine nicht stellen könnten. Bei den Bildungsträgern erhalten die Jugendlichen ihren theoretischen Unterricht und absolvieren ihre Praktika bei den Unternehmen.

Weitere Alternativen sind Berufsakademien, die mit 60 Prozent der Nennungen ebenfalls hohe Akteptanzwerte erzielen. Es folgen mit 54 Prozent die Verbundausbildungen. Ein Viertel der Befragten hat bereits die Initiative ergriffen und setzt Ausbildungsnetzwerke in der Praxis um.

Das deutsche Bildungssystem ist in der Vergangenheit kritisiert worden. Gemäß der Untersuchung finden 20 Prozent der Unternehmen, dass die durchschnittliche Qualität der Schulabgänger des letzten Jahrgangs gut bis sehr gut gewesen sei.

Schlechte Schulnoten

Die Mehrheit, 56 Prozent, stufen die Bewerber als teilweise gut ein. 23 Prozent schätzen sie als schlecht oder sehr schlecht ein. Die drei häufigsten Kritikpunkte waren schlechte Noten und mangelnde Deutsch- sowie Mathematikkenntnisse. Gefordert sind eine bessere Abstimmung zwischen Schule und Ausbildungsbetrieb und der individuelle Defizitausgleich aus Eigeninitiative.

Rund 18 Prozent der Befragtren rechnen in den nächsten drei Jahren mit einer Ausweitung der Ausbildungsplätze. 7 Prozent planen einen Abbau, während drei Viertel mit einer konstanten Zahl rechnen.

Auf dem Lehrstellenmarkt kämen vor allem aus Ostdeutschland positive Signale. Über ein Viertel der Ostbetriebe will künftig mehr Azubis einstellen und nur 7 Prozent wollen abbauen. Nach Branchen gegliedert zeigt sich vor allem der Handel engagiert. 23 Prozent der Handelsunternehmen planen, die Zahl ihrer Ausbildungsplätze zu erhöhen, und nur 4 Prozent erwarten eine Reduktion.

Im Dienstleitungssektor wollen 11 Prozent weniger Azubis einstellen. In der Industrie unterscheiden sich die Zahlen kaum von der Gesamtauswertung. (juh)

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