Schönfärbereien in Bewerbungen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. November 2009
Josef Pschorr, MRI
Josef Pschorr, MRI
Fach- und Führungskräfte sind gesucht. Fehlbesetzungen können ein Unternehmen teuer zu stehen kommen. Aufgrund des Wettbewerbs bewegt sich mancher Bewerber im Graubereich zwischen Schönfärberei und und falschen Angaben.



Herr Pschorr, wie häufig werden Lebensläufe und Angaben zur Berufstätigkeit von Bewerbern manipuliert?

Dr. Josef Pschorr ist Partner und Berater der MRI Executive Search & Consulting, Food & Beverage, München.

Im Gegensatz zu anderen Branchen, in denen zum Beispiel der Doktortitel oder der Name einer bestimmten Ausbildungsstätte oder Universität von großer Bedeutung ist, sind Manipulationen von Bewerbern in der Lebensmittelbranche noch gering. Man spricht hier von einer Rate von zirka 5.Prozent. In anderen Branchen kann diese Quote auf bis zu 20 Prozent steigen.

Welche Arten von Manipulationen bis Betrügereien sind bei Bewerbungen am häufigsten?

Meistens handelt es sich dabei um die sogenannte Schönfärberei oder das CV-Tuning. Dabei werden beispielsweise die Zeiträume im Lebenslauf grober dargestellt oder es wird Arbeitslosigkeit beispielsweise mit längeren Auslandsaufenthalten kaschiert. Erfahrene Personalmanager können damit gut umgehen und konfrontieren Bewerber mit kritischen Fragen. Werden diese Fragen nicht befriedigend beantwortet, wird der Prozess mit den Kandidaten nicht fortgesetzt. Betrügerisch sind gefälschte Zeugnisse früherer Arbeitgeber oder falsche akademische Titel.

Wie können Personaler gefälschten Zeugnissen und Angaben sowie Ungereimtheiten in Bewerbungsschreiben auf die Spur kommen?

Sicherlich hilft hier in erster Linie die langjährige Berufserfahrung, denn dann hat man so viele Lebensläufe gelesen, dass falsche oder unkorrekte Angaben schon allein durch den Aufbau des Lebenslaufs oder die Beschreibung der diversen Aufgaben und Tätigkeiten auffallen. Bei möglichen falschen Angaben kann man als Erstes den Kandidaten darauf ansprechen und seine Reaktion abwarten, bei den Hochschulen oder Ausbildungsstätten um Prüfung der Richtigkeit der Angaben bitten oder die entsprechenden Daten durch das eigene Netzwerk prüfen oder mit Hilfe von Personalberatern hinterfragen lassen.

Sind Referenzgespräche zur Aufdeckung von falschen Angaben geeignet?

Immer wenn sich Widersprüche im Rahmen des Bewerbungsprozesses ergeben, sind kritische Referenzgespräche ein gutes Mittel, um durch hintergründige Fragen mögliche falsche Angaben zu erkennen. Hier hat gerade der Personalberater im Gegensatz zum suchenden Personalmanager die Möglichkeit, intensiver nachzufragen, da er beim Referenzgespräch kein Unternehmen nennen muss. Auch kann er die Angaben des Kandidaten systematisch durch Anrufe bei früheren Vorgesetzen, Mitarbeitern, Kollegen , Kunden oder Lieferanten unter Berücksichtigung des Bundesdatenschutzgesetzes umfassend analysieren. (juh)

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