Bewerber-Studie "Anforderungen an Recruiter wachsen"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 17. März 2017
Tim Weitzel: Seit 15 Jahren erstellt der Professor für Monster die Recruiting Trends.
Tim Weitzel: Seit 15 Jahren erstellt der Professor für Monster die Recruiting Trends.
Talentsucher müssen auf immer mehr Gebieten fit sein, um ihre Unternehmen im Kampf um die besten Arbeitskräfte in Position zu bringen. Wie sie den Erwartungen neuer Bewerber besser gerecht werden können, zeigen die Recruiting Trends 2017 der Online-Stellenbörse Monster.

Die Recruiter von morgen sollten Experten im Zielgruppen-Marketing sein, die Performance von Kanälen wie Xing oder Instagram messen, Karrierenetzwerke verstehen und Social Marketing beherrschen, insbesondere mobile Anwendungen. So fasst Marc Irmisch-Petit, Geschäftsführer von Monster Worldwide Deutschland, den Input zusammen, den ihm die Recruiting Trends 2017 liefern.

"Die Anforderungen an Recruiter wachsen unheimlich. Unsere Überlegung bei Monster ist, ihnen so viel wie möglich abzunehmen", warb er für sein Unternehmen. Ob es um die Einbindung von Filmen in den Bewerbungsprozess, Apps auf allen sozialen Plattformen oder die Aufbereitung der Arbeitgebermarke für verschiedene Medien geht: Die Karriere-Plattform entwickele ihre Dienstleistungen stetig weiter, "um neue Zielgruppen zu erschließen".

Wo Unternehmenspraxis und Bewerbererwartung im Moment arg auseinanderklaffen, zeigte Tim Weitzel. Er ist Professor für Wirtschaftsinformatik und leitet das Centre of Human Resources Information System (Chris) der Universität Bamberg. Seit 15 Jahren beauftragt ihn Monster mit umfangreichen Umfragen zum Bewerbermarkt. So stellte er für die Recruiting-Trends 2017 die Antworten von 3 400 Stellensuchenden drei Arbeitgeber-Gruppen gegenüber: den 1 000 größten Unternehmen, 1 000 Unternehmen des Mittelstands und den größten 300 IT-Unternehmen.

"Der Anteil nicht oder nur schwer besetzbarer Stellen wächst auf 41 Prozent und die Bewerber lernen daraus", formulierte er sein Leitthema. Zwei Drittel sagen, dass ihre Anforderungen an den Arbeitsplatz steigen. In dieser Situation sei es für Unternehmen besonders fatal, wenn sie die falschen Recruitingkanäle wählen und somit potenzielle Bewerber verpassen. Vielmehr sollten sie dort Prioritäten setzen, wo die Bewerber unterwegs sind. "Nach unseren Erhebungen ist die Topliste der Suchwege unabhängig von Alter und Hierarchie."

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-Bei jeder vierten Vakanz bemühen sich Unternehmen heute schon um direkte Ansprache der Kandidaten, lobte er. Dies erhöhe die Chancen, Kandidaten zu finden, die sich aktuell weder bewerben noch eine Stelle suchen. Außerdem liegt es im Trend: 51 Prozent der Bewerber werden gern von Unternehmen angesprochen, 25 Prozent würden dafür sogar Geld zahlen. Hinderlich dabei sei allerdings die typisch deutsche Zurückhaltung bei der Veröffentlichung eigener Suchprofile auf Plattformen wie Xing oder Linkedin. "Die Bewerber haben Angst, dass der eigene Chef sie sieht." Nicht so gut findet Weitzel, dass 20 Prozent der Unternehmen beim Actice Sourcing standardisierte Anfragen nutzen. "Sie machen genau das, was sie bei Bewerbungen ablehnen.

Mobile Recruiting bieten die Hälfte der großen Unternehmen noch nicht an, weil sie Kosten und Aufwand scheuen, sehen es aber als wichtiges Zukunftsthema an. Schon heute bekommen 17 Prozent der Unternehmen Bewerbungen von einem mobilen Endgerät. Ist dies nicht möglich, sehen sechs Prozent der Stellensuchenden von einer Bewerbung ab.

An der Zeitersparnis durch eine One-Click-Bewerbung ohne Anschreiben wären viele Kandidaten sehr interessiert. Kein Wunder, denn pro Stelle schreiben sie 32 Bewerbungen und wenden jeweils 55 Minuten auf. Besonders frustrierend: Auf drei von 10 Bewerbungen folgt noch nicht mal eine Absage. 73 Prozent der Unternehmen aber lehnen One-Click ab, aus Furcht vor einer Bewerbungsflut und erschwerter Selektion. Sie bekommen pro Jobangebot im Schnitt 25 Bewerbungen, die sie in jeweils acht Minuten durchsehen.

Ehrlichkeit empfiehlt der Professor bei Zusatzversprechen wie guter Work-Life-Balance. "Der Austausch in sozialen Medien macht sehr schnell transparent, ob etwa Home-Office tatsächlich möglich ist." Unternehmens- Videos mit Mitarbeiter-Statements überzeugten Bewerber wenig. Eher schon die Fixierung bestimmter Goodies im Arbeitsvertrag. Für Digitalisierung im Recruiting durch Robo-Selection und Career Bots zeigen sich beide Seiten offen. "Wenn Personaler weniger Zeit damit verbringen, Bewerbungen zu lesen, haben sie mehr Zeit für die Gespräche mit den 30 besten Kandidaten", machte Weitzel Mut.

Seine Spezialauswertung über den Mangel an Frauen im IT-Bereich zeigt, dass man weibliche Bewerber gesondert ansprechen sollte. Ihre Ängste vor Männerdominanz, Präsenzkultur oder zu hohen Anforderungen schwinden meist, sobald sie die Hürde des Jobeintritts genommen haben.

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