Bewerberstudie Millenials verändern Rekrutierungswege

von Julia Wittenhagen
Freitag, 18. März 2016
Viele Daten zur Bewerbungspraxis: Marc Irmisch, Deutschland-Chef von Monster.
Monster
Viele Daten zur Bewerbungspraxis: Marc Irmisch, Deutschland-Chef von Monster.
Unkomplizierter und schneller möchten Jobsuchende in Zukunft ihre Bewerbung platzieren, zeigt die Studie Recruiting Trends 2016. Im "War for talents" tun Unternehmen gut daran, sich per Mobile, Active und Social Sourcing darauf einzulassen.

"Wir stellen uns bei Monster darauf ein, dass die Millenials als digital sehr stark vernetzte Zielgruppe die Bewerbungspraxis verändern werden", sagte Marc Irmisch, DACH-Geschäftsführer bei der Online-Jobbörse Monster, als er die Recruiting Trends und Bewerbertrends 2016 vorstellte. Kurzbewerbungen über mobile Geräte sieht er genauso wachsen wie die Suche über soziale Netzwerke.

"Die neuen Social Job Ads, die über Facebook passende Bewerber suchen, sind bei Monster das am schnellsten wachsende Produkt", erklärt er. Active Sourcing sei aufgrund des Fachkräftemangels bereits jetzt ein Trendthema. "Es wird immer schwieriger, Positionen adäquat zu besetzen. Wir merken das daran, dass Unternehmen ihre Stellenanzeigen für längere Zeiträume als früher buchen." Bis 2030 gebe es 8 Millionen weniger aktive Kandidaten.

Professor Tim Weitzel vom Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) an der Universität Bamberg hat mit seinem Team im Auftrag von Monster wie in den Vorjahren 1.000 Unternehmen und 4.800 Stellensuchende zur aktuellen Rekrutierungs- und Bewerberpraxis befragt. Danach sehen die Bewerber den Arbeitsmarkt zu recht positiv: Die Hälfte der Unternehmen möchte mehr Stellen schaffen, 97,1 Prozent suchen konkret Personal. Allerdings sind 42 Prozent der Stellen schwer oder nicht besetzbar.

Vielleicht liege das auch an suboptimalen Suchwegen. Denn während die Kandidaten Internet-Stellenbörsen, Personalberater und Unternehmenswebseiten für besonders effizient halten, räumen 90 Prozent der Unternehmen Personalmessen und Absolventenkongressen einen hohen Stellenwert ein. Tatsächlich kommen laut Monster-Studie 73,1 Prozent aller Einstellungen über klassische Internetkanäle zustande, 8,1 Prozent über Mitarbeiterempfehlungen und 6,1 Prozent über Social Media.

Nutzung der Active Sourcing Kanäle - Studie von Monster und CHRIS
Monster/Chris 2016/LZ-Grafik
Nutzung der Active Sourcing Kanäle - Studie von Monster und CHRIS

Im Gegensatz zu anderen Branchen nutze der Handel vor allem Facebook gern für das Employer Branding, sagte Weitzel. Nur ein Drittel der Handelsunternehmen habe aber Social Media schon in die Personalbeschaffungsmaßnahmen eingebunden (55,4 Prozent sind es über alle Branchen). Die Nase vorn hat der Handel dafür bei der aktiven Ansprache von Kandidaten: Er muss im Durchschnitt nur auf sechs Kandidaten zugehen. Über alle Unternehmen betrachtet sind es 24, in der IT-Branche sogar 43.

Mobile Recruiting wird als großes Zukunftsthema gehandelt. Die befragten Arbeitgeber schätzen, dass bald schon über 5o Prozent der Bewerbungen von mobilen Geräten kommen, 17 Prozent sind es derzeit. Sie sehen die Chancen in besserer Reichweite, Geschwindigkeit und situationsbezogener Ansprache der Bewerber. Allerdings geben 50 Prozent der Unternehmen zu, nur ein Grundverständnis von dieser Rekrutierungsart zu haben. Wenn sich mobil durchsetzt, werden sie von der Formularbewerbung als favorisierter Bewerbungsform abrücken müssen zugunsten der von Bewerbern bevorzugten freieren Form über E-Mail oder andere digitale Wege, meint Weitzel.

Versäumte Maßnahmen

Was Unternehmen auf den Satz "diese Maßnahme hätten wir im letzten Jahr besser umgesetzt" antworteten:
Implementierung neuer bzw. verbesserter Informationssysteme
Karriereportale, Karierrewebseiten auf mobilen Endgeräten darstellen, E-Learning-Systeme oder E-Recruitment-Systeme einführen, Bewerberdatenbanken harmonisieren, Matching zwischen Kandidaten und Unternehmen automatisieren
Entwicklung und Erweiterung der Personalstrategie
Umfassendes Programm, Internationalisierung
Neue Wege zur Kandidatenansprache
Active Sourcing, Empfehlungen, Praktikantenbindungsprogramme

Da manche Plattformen schon als "überfischt gelten" zeigen sich Unternehmen im Kampf um Talente offen für Robot Recruiting, die automatisierte Bewerbersuche über Algorithmen: Sie gilt als schneller, passgenauer und diskriminiert nicht. Die Hälfte der Bewerber sind laut Studie bereit, dafür persönliche Profile freizugeben. Fragt man sie nach den größten Fehlern der Unternehmen beim Employer Branding, nennen sie unehrliche, oberflächliche Texte, Design und Mängel in der technischen Lösung.

Zwei Drittel der wechselwilligen Mitarbeiter könnten Arbeitgeber übrigens über bessere Karrieremöglichkeiten oder Gehalt halten und sich damit die Suche ersparen.

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