Neue Handelsberufe sind erfolgreich

von Judit Hillemeyer
Freitag, 14. September 2007
Drei Jahre nach der Neuordnung der Einzelhandelsberufe ziehen die Ausbildungsbetriebe eine positive Zwischenbilanz. Im Großen und Ganzen betrachten sie die Reform positiv. Kritische Zwischentöne gab es nur im Detail.



Flexibel, innovativ, prozessorientiert - so lautet das einhellige Resümee der Einzelhändler. "Wir können heute bessere berufliche Perspektiven bieten", sagt Olaf Stieper, verantwortlich für die Personalentwicklung bei Metro. Zum gleichen Ergebnis kommen auch die Personalverantwortlichen von Karstadt, Real, Globus, Kaiser's Tengelmann, Globetrotter und Rewe.

Handelsunternehmen und Berufsschulen haben erste Erfahrungen mit Ausbildungsordnung und Rahmenlehrplan gemacht. Unter diesen Bedingungen wurden jetzt erstmals Prüfungen durchgeführt. In Einzelvorträgen und einer Podiumsdiskussion schilderten Vertreter aus Handel, Politik und Gewerkschaft ihre Praxiserfahrungen auf der ersten Fachtagung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin.

In der Neuordnung sind 2004 die beiden Ausbildungsberufe Verkäufer und Einzelhandelskaufmann stärker zusammengerückt. Wesentliche Elemente sind Pflicht- und Wahlpflichtbausteine, deren Kombination das auszubildende Unternehmen bestimmt. Letztere werden so gewählt, dass sie den inhaltlichen Anforderungen der einzelnen Vertriebsformen und Unternehmensgrößen entsprechen.

Stolpersteine scheint es in der Praxis kaum zu geben. Lediglich im Detail wurde Kritik geübt. So forderte Wolfgang Stockinger von Karstadt, Prüfungen wieder auf einen statt auf zwei Tage zu konzentrieren.

Fächer und Lernfelder

Die selbstständige Rewe-Einzelhändlerin Ursula Wintgens aus Bergisch Glattbach beklagte die geringe Kooperationsbereitschaft der Berufsschule ihrer Region. Kritisiert wurde außerdem die föderalistische Schulpolitik. Vor diesem Hintergrund plädierte Klaus Kayser von Kaiser's Tengelmann für einheitliche Prüfungsaufgaben.

Aus dem Publikum kam Kritik am neuen mündlichen Fallbezogenen Prüfungsgespräch. Die Aufgabenstellung überfordere zum Teil die Kandidaten. Bemängelt wurde außerdem die Differenzierung zwischen Fächern und Lernfeldern in den Berufsschulen. Das übergreifende Lernen werde von Lehrlingen nicht durchschaut, weil sie in Schulfächern denken.

Darüber hinaus wurden die aktuellen Strukturreformen in der Berufsbildung diskutiert. Auf Ablehnung stieß das Konzept der "Ausbildungsbausteine" der Bundesregierung. Altbewerbern, darunter auch Ausbildungsabbrechern, soll über einen Lernprozess der Einstieg in die berufliche Ausbildung ermöglicht werden.

Jens Kettler, Leiter des Edeka-Bildungswesens, bezweifelt wie seine Kollegen den Erfolg einer solchen Aktion. Auch Verdi-Vertreter Jens Vojta hält sie für kein fruchtbares Instrument. Deshalb beteiligt sich die Gewerkschaft auch nicht an der Projektgestaltung. Dagegen argumentiert Walter Brosi, Leiter der Unterabteilung Berufliche Bildung im Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Wenn wir genügend Lehrstellen hätten, wäre ein solches Konzept überflüssig".

Bei aller Kritik sind Händler, Gewerkschaft und Bundesregierung mit dem Reformergebnis zufrieden. Mehr als 113.000 junge Menschen erlernen die Berufe des Verkäufers und des Kaufmanns im Einzelhandel in etwa 40 000 Betrieben. Ihre Zusammenarbeit wollen die beteiligten Parteien in Zukunft fortsetzen. Dabei geht es um mehr berufliche Durchlässigkeit und Mobilität innerhalb Europas. (juh)

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