Weiterbildungsmarkt in Deutschland schrumpft

von Judit Hillemeyer
Mittwoch, 26. Mai 2004
Der Weiterbildungsmarkt in Deutschland befindet sich seit mehr als zwei Jahren in einer Krise. Als Folge der Rezession reduzieren nicht nur Wirtschaftsunternehmen und Behörden die Schulungs- und Trainingsausgaben für ihre Mitarbeiter.



Auch die Kürzung der öffentlichen Fördermittel für Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen habe 2003 bei den Anbietern von Langzeitlehrgängen zu gravierenden Umsatzrückgängen geführt.

Die Anbieter von IT-Trainings hatten den Nachfragerückgang und den Einbruch der IT-Branche bereits 2002 voll zu spüren bekommen. Zu dieser Erkenntnis kommen die Analysten der Lünendonk GmbH, Bad Wörishofen, im Rahmen ihrer 7. Untersuchung "Führende Anbieter beruflicher Weiterbildung in Deutschland". Die ersten Ergebnisse wurden nun bekannt gegeben.

Demnach dürfte der Weiterbildungsmarkt in Deutschland im Jahr 2003 schätzungsweise um rund 10 Prozent auf ein Volumen von knapp 6,5 Mrd. Euro geschrumpft sein. Zwischen 5 000 und 10 000 Anbieter sollen diesen Markt beackern, von denen nach Erhebungen der Zeitschrift "Manager-Seminare" allerdings rund 63 Prozent Einzelkämpfer sind und nur gut 7 Prozent mehr als 25 angestellte Mitarbeiter beschäftigen.

Die Anbieter beruflicher Weiterbildung weisen eine heterogene Leistungsstruktur auf. Sie ist sowohl durch unterschiedliche Themen als auch Angebotsformen geprägt.

Heterogene Leistungsstruktur

Das Portfolio reicht von öffentlichen Seminaren und Langzeitlehrgängen, über firmeninterne Veranstaltungen, Qualifizierungsberatung und Coaching bis hin zur Entwicklung von Weiterbildungsmedien in wechselnden Kombinationen.

Dies erschwert aussagekräftige Anbieterübersichten und -vergleiche. Als umsatzstärkste Anbieter stehen an der Spitze die DAA Akademie der Gewerkschaft Verdi und das Berufsfortbildungswerk des DGB, die jedoch für 2003 keine Umsatzzahlen bekannt gaben. Ihr Schwerpunkt liegt auf Ausbildung und Umschulung, zum Beispiel im Rahmen der staatlichen Arbeitsmarktpolitik.

Ähnliche Aufgaben übernehmen die Stiftung Grone-Schule, Hamburg, die SRH Learnlife AG, Heidelberg, und die FAA Bildungsgesellschaft mbH, Hamburg, die ebenfalls unter den führenden Unternehmen rangieren.

Die Dekra Akademie, Stuttgart, und die TÜV Bildung + Consulting GmbH, Berlin, gehören zu den Technischen Überwachungsvereinen und betreiben hauptsächlich Schulungen im technisch-gewerblichen Sektor.

Große Bedeutung für den deutschen Weiterbildungsmarkt haben auch spezielle Wirtschaftsunternehmen, die Weiterbildung insbesondere für hoch qualifizierte Fachkräfte anbieten, meist in Informations- und Kommunikationstechnik sowie Management-Training.

Als typische Vertreter dieser Anbieter Kategorie nennt die Lünendonk-Weiterbildungs-Liste die Unilog Integrata Trainings AG, Tübingen, die Bonner Akademie GmbH und die Cognos AG, Hamburg, die als Dachgesellschaft einer Reihe von Trainingsunternehmen fungiert, auf.

Softwarehäuser schulen

Traditionsgemäß spielen auch große Unternehmen von IT-Hardware und -Software eine wichtige Rolle als Trainingsanbieter. Weil sie keine Zahlen für ihre Schulungsumsätze in Deutschland ausweisen, sind in der Lünendonk-Liste die SAP AG, die IBM Deutschland GmbH und die Hewlett-Packard GmbH mit geschätzten Umsätzen vertreten.

Insgesamt liege bei 10 der 20 führenden Weiterbildungsanbieter der Umsatzanteil der Veranstaltungen zum Thema Informations- und Kommunikationstechnik jeweils über 50 Prozent. Auch große Technologie-Konzerne wie Siemens und Telekom bieten über spezielle Unternehmensbereiche oder Tochtergesellschaften Schulung und Training am Markt an.

Wegen konzerninterner Organisationsveränderungen sind deren Weiterbildungsumsätze jedoch nicht beziehungsweise nur eingeschränkt mit den Vorjahreszahlen vergleichbar. So mache beispielsweise auch die Sparte Automation & Drive von Siemens hohe Schulungsumsätze, allerdings überwiegend bezogen auf eigene Produkte und Systeme.

Die zwanzig führenden Anbieter beruflicher Weiterbildung erlitten nach der Stagnation 2002 im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von rund 10 Prozent, nur fünf von ihnen konnten ihr Geschäftsvolumen halten oder ausbauen.

Für 2004 erwarten die Weiterbildungsunternehmen, sofern sie Angaben machten, im Durchschnitt ebenfalls keine Verbesserung sondern ein weiteres Minus von 5 Prozent. Etwas optimistischer wird die mittelfristige Entwicklung gesehen: Im Schnitt sollen die Umsätze bis 2008 jährlich rund 3 Prozent wachsen.

Zwei Unternehmen (Ibis Acam und Management Circle), die im Ranking für das Jahr 2002 unter den führenden Anbietern vertreten waren, haben für 2003 keine Angaben gemacht. Nicht in die Untersuchung aufgenommen werden konnten wiederum auch einige große Weiterbildungsanbieter, die keine bundesweiten Zahlen ausweisen, wie die Volkshochschulen, die Industrie- und Handwerkskammern und die Bildungswerke der Deutschen Wirtschaft.

Eine detaillierte Studie über Strukturen, Strategien und Planungen der Weiterbildungsanbieter in Deutschland, in die über 50 Anbieter einbezogen wurden, will Lünendonk im Juni zum Preis von 495 Euro vorlegen. Weitere Informationen auch www.luenendonk.de. (juh)

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