Schlappe Gipfelstürmer

von Judit Hillemeyer
Freitag, 24. Oktober 2008
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Qualifizierungsinitiative zur Chefsache erklärt. Die Erwartungen an den Bildungsgipfel, der am Mittwoch dieser Woche in Dresden stattfand, waren groß. Es gab viele Absichtserklärungen, aber wenig Konkretes.



Die Zeit drängt, der Handlungsbedarf ist groß. Politiker stritten in Dresden über die Mängel des föderalen Bildungssystems und die volkswirtschaftlichen Kosten der versäumten Bildungsinvestitionen.

Die Wirtschaft klagte über schlecht ausgebildete Schulabgänger und Fachkräftemangel. Sie verlangte von dem Gipfel einen "großen Wurf" mit dem Ziel, die Qualität von Bildung in allen Bereichen zu verbessern. Alle Beteiligten stritten sich bis zuletzt. Rund 6 Mrd. Euro will die Bundesregierung für die Bildungsfinanzierung bis 2012 ausgeben.

Das Geld soll in Projekte wie den Hochschulpakt, die Bafög-Erhöhung, das Aufstiegsstipendien-Programm für Berufstätige ohne Abitur und neue Krippenplätze fließen.

Handel fordert mehr Initiative

Eine konkrete bildungspolitische Weichenstellung gab es in Dresden nicht. Vorgesehen ist eine Halbierung der Zahl der Schulabbrecher, mehr Studienanfänger und ein besserer vorschulischer Sprachunterricht. Außerdem sollen die Fächer Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften attraktiver werden.

Fatal sei die Haltung der Länder bei der Frage der Bildungsausgaben, mahnte am Mittwoch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Wer hier etwas verbessern wolle, dürfe nicht knausern. "Die Bildungsinvestitionen müssen gesteigert werden", forderte er.

Die absehbaren demografischen Veränderungen - insbesondere bei den Schülerzahlen sollten nicht zur Kürzung der öffentlichen Bildungsausgaben genutzt werden, sagte Genth.

Aus Sicht des HDE ist eine Verbesserung der Schulbildung dringend notwendig. Handelsunternehmen rekrutieren ihr Führungspersonal traditionell bevorzugt aus den eigenen Reihen.

Über 60 Prozent eines Altersjahrgangs beginnen ihren Berufsweg mit einer dualen Ausbildung. Gefordert wurde außerdem eine stärkere Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulbildung. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats