Bildungsmesse Learntec Auch Weiterbildung wird agil

von Julia Wittenhagen
Freitag, 09. Februar 2018
Bildungsmesse Learntec: Die Besucherzahl ist in diesem Jahr von 7 500 auf 10 000 gestiegen.
KMK/ Behrendt & Rausch
Bildungsmesse Learntec: Die Besucherzahl ist in diesem Jahr von 7 500 auf 10 000 gestiegen.
Die Digitalisierung erhöht nicht nur die Nachfrage nach Schulung, sie bringt auch jede Menge benutzerfreundliche Anwendungen hervor. Die Aussteller der Learntec freuten sich über gesteigertes Interesse.

"Auf Vorrat lernen reicht nicht mehr. Die Anforderungen ändern sich immer schneller. Instant-Angebote sind gefragt", brachte es Jens Breuer vom E-Learning-Spezialisten Qualitus auf den Punkt. Er referierte bei der Learntec zum Performance Support im Einzelhandel und stellte "situationsadaptive Lern-Nuggets für arbeitsintegriertes Lernen vor." Entwickelt wurden sie im Rahmen des Projekts Handelkompetent, das vom Bund gefördert wird. "Weil die Branche geprägt ist von vielen kleinen Betrieben mit wenig Weiterbildungsmöglichkeiten", weiß Breuer.

Bei Großunternehmen wie der Rewe Group ist nicht Mangel, sondern Fülle das Problem: 597 unterschiedliche IT-Systeme gibt es hier. Brauchen die 200 000 User Hilfe, gibt es viele Suchwege: Von Handbüchern, Zentral- und Abteilungsservern, Kollegenmails und E-Learning-Modulen bis zu Präsenztrainings.

Chill dich schlau: Trendiger Slogan der Mobil-Lösung von KnowledgeFox, Wien.
Julia Wittenhagen
Chill dich schlau: Trendiger Slogan der Mobil-Lösung von KnowledgeFox, Wien.

Schon 2015 nahmen sich Mareike Heidemann-Jarosch und Dany Rousseau von Rewe Systems daher vor, alles Wissen zentral zu bündeln. Seitdem leiten sie Anwender an, als Autoren die neue digitale Plattform namens Orange mit Erklärmaterial und -videos zu füttern. Trotz 400 Beteiligten ist noch kein Ende in Sicht, da immer neue Schulungswünsche an die IT-Tochter herangetragen würden und erst für 78 Anwendungen Material eingestellt ist, berichteten die beiden Frauen. Ihr Vortrag belegte sehr anschaulich, dass digitale Technik zwar Wissen sehr nutzerfreundlich aufbereiten kann, genau deshalb aber auch die Erwartungen der Nutzer steigen: Maßgeschneidert, kurzweilig, kleinteilig und jederzeit von jedem Ort abrufbar soll betriebliche Weiterbildung heute sein.

"Wir produzieren für unsere Lehrlinge keine Printmedien mehr", wusste Michael Fally, E-Learning-Manager bei Spar Österreich zu berichten. Dies sei das Resultat einer Umfrage zum Lernverhalten der Mitarbeiter. Viele nutzen jeden Tag Computerspiele, "so dass wir uns vorgenommen haben, ein Thema nach dem anderen zu gamifizieren". Wichtige Elemente: Quizduelle, sichtbare Lernlevel und Sofort-Feedback.

Der Slogan "Chill dich schlau" vom österreichischen Anbieter KnowlegdeFox, der Compliance-, Online-, Verkaufs- und Produktschulungen per digitalem Karteikartensystem anbietet, traf insofern voll den Zeitgeist. Lerninhalte mit Spaß verspricht auch Goodhabitz, als holländischer Anbieter von Soft-Skill-Trainings mit Titeln wie "Survivaltraining für Verkäufer" neu auf dem deutschen Markt. Für die selbst produzierten Videos werden deshalb auch Schauspieler und Komiker engagiert.

Erstmals präsentierte sich Linkedin Learning auf der Messe. Zum Angebot gehören 9 000 Kurse in fünf Sprachen rund um Business, Technolgie und Kreativ-Tools. Individuelle Empfehlungen kann das System auch geben – durch Zugriff auf hinterlegte Profile. Bildungsanbieter Integrata präsentierte das, was Rewe gerade inhouse im Bereich IT auf die Beine stellt: Eine neue Lernplattform für Firmen, die alle Inhalte, Medien plus sozialen Austausch in der Lernumgebung bündelt.

Systemhäuser wie SAP oder Cornerstone setzen mit komplexen Talent Management-Lösungen noch früher an: Hier werden Mitarbeiterprofile mit allen vorhandenen sowie fehlenden Fähigkeiten für angestrebte oder geplante Karriereziele hinterlegt. Das macht es für alle Beteiligten einfacher, Bildungsbedarf zu erkennen und zu definieren. Wer sich auf der Lernplattform einloggt, dem verspricht Anbieter Cornerstone den gleichen Komfort wie bei Netflix: "Ich sehe, wer gerade das gleiche lernt wie ich, wieviele Sterne einzelne Module bekommen haben und was meine Kollegen noch gewählt haben", schwärmt Manager Sascha Grosskopf. Technisch sei vieles möglich, ob ein Unternehmen aber so viel Transparenz wünscht, eine Frage der Kultur. Denn die Beförderungen nach Nasenfaktor werde schwierig, wenn das System sichtbar macht, wer die nötigen Qualifikationen mitbringt oder gerade erlernt und wer nicht.

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