Kollegiales Coaching

von Judit Hillemeyer
Freitag, 07. November 2008
Erfahrenen Führungskräften fehlt im Tagesgeschäft häufig die Resonanz und der Austausch. Ganz anders bei Bitburger. In diesen Tagen treffen sich wieder die "alten Hasen" in der Führungswerkstatt.



Was gute Personalführung ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Es gibt ebenso viele Methoden wie Literatur dazu. "Wir liefern keine fertigen Rezepte", sagt Henrik Esper, Leiter der Personalentwicklung bei Bitburger. "Unsere Grundidee war, eine gemeinsame Basis für unser Führungsverständnis zu schaffen."

Die erste Weichenstellung für ein gemeinsames Grundverständnis wurde zur Jahrtausendwende gestellt. Bitburger schulte Führungskräfte aller Hierarchieebenen. Mit dem Wachstum der Braugruppe in den vergangenen Jahren stieg auch der Schulungsbedarf. Vor diesem Hintergrund entstand 2006 das Programm der "Basisausbildung für Führungskräfte".

Moderne Lernformen

Die Unternehmensgruppe arbeitet sowohl mit klassischem Schulungsunterricht als auch mit erfahrungsorientierten Lernformen. Die Qualifikation setzt sich aus verschiedenen Modulen in so genannten In- und Outdoor-Sequenzen zusammen. Konzipiert ist sie für Nachwuchskräfte, die bislang noch keine "formale Führungsausbildung" besitzen, erläutert der Personalentwickler.

Im Rahmen dieser ersten Qualifizierung lernen die Teilnehmer, eine Führungsrolle auszufüllen. Diskutiert werden Führungs- und Kommunikationsmethoden sowie Wege der Personalentwicklung. "Ein wichtiger Bestandteil ist der Austausch mit Kollegen", erläutert Esper. Die beratende Funktion des kollegialen Coachings hat auch bei erfahrenen Führungskräften einen hohen Stellenwert.

Im vergangenen Jahr startete die Pilotgruppe "Führungswerkstatt für alte Hasen". Inhaltlich wurde das Konzept der Basisausbildung in zeitlich verdichteter Form adaptiert. Im Fokus stehen die ersten drei Führungsebenen. "Inhaltlich füllen wir das Programm mit theoretischem Stoff, Reflexionsphasen, persönlichen Lerntagebüchern und dem kollegialen Erfahrungsaustausch. "Voraussetzung für die Fallberatung ist Offenheit und Vertrauen", betont Esper.

Bewusstes Verhalten

Darüber hinaus arbeitet die Brauerei bei der Personalentwicklung und in ihren Führungsseminaren mit dem Persönlichkeitsindikator "Myers-Briggs". Ziel ist es, Führungskräften bestimmte Verhaltensweisen bewusst zu machen.

Einen neuen Erfahrungshorizont bietet das Outdoor-Training, was sich in den vergangenen Jahren vom Pfadfinderimage zu einem Beitrag der Personalarbeit entwickelt hat. Im Wald soll die Gruppe innerhalb von einigen Stunden spielerisch durchaus komplexe Aufgaben lösen, wie beispielsweise den Bau eines Eierkatapults.

"Jeder Teilnehmer führt dabei einmal eine Gruppe von rund acht Kollegen, ohne sich dabei auf Fach- und Sachkompetenzen zurückziehen zu können", erläutert Esper. Das Spiel beinhaltet Planungsphase, Budgetschätzung und Strategieentwicklung.

Analyse Im Team

Nach dem Spiel folgt die Manöverkritik. Die "fiktiven" Mitarbeiter und externe Trainer beurteilen das Gruppen- beziehungsweise das Führungsverhalten. "Das führt bei manchen schon mal zu einem Aha-Erlebnis", weiß Esper, "weil Führungskräfte im Alltag relativ wenig Resonanz erhalten, obwohl das Mitarbeitergespräch in der Unternehmensgruppe systematisch eingesetzt wird."

Die Führungswerkstatt ist ein offenes Angebot, das schlussendlich auch der standortübergreifenden Netzwerkbildung zwischen Vertrieb, Technik und kaufmännischer Abteilung dient.

Die Anregung werde gut angenommen, freut sich der Personalentwickler. Eine Gruppe war gar so begeistert davon, dass sie sich, unabhängig von der Personalabteilung, regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen will. Die Werkstatt wird auch weiterhin alten Hasen offenstehen, versichert Esper.

(juh)

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