DGFP-Kongress Büros als Relikt der Industrialisierung

von Christiane Düthmann
Freitag, 06. März 2015
Symbolträchtige Location: Das E-Werk in Berlin-Mitte spannt den Bogen von den Anfängen der Industrialisierung bis ins digitale Zeitalter.
DGFP
Symbolträchtige Location: Das E-Werk in Berlin-Mitte spannt den Bogen von den Anfängen der Industrialisierung bis ins digitale Zeitalter.
Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf alle Unternehmensbereiche. Auch das HR-Management muss sich auf weitreichende Veränderungen einstellen. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) ging bei einem Kongress in Berlin ins Detail.
Dem klassischen Büro geht es an den Kragen. Wilhelm Bauer bezeichnet es als "ein Relikt der Industrialisierung, als Aktenschränke die Arbeitswelt beherrschten". Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation stellt auf dem DGFP-Kongress vor, welche Konsequenzen die digitale Transformation für die Arbeitswelt mit sich bringt.

Folgte der Arbeitsalltag bislang der Maxime "Arbeite an einem festen Ort, zu festen Zeiten in fixen Strukturen", heißt es zukünftig: "Arbeite wo du willst, wann du willst, und mit wem du willst." Nicht mehr die Menschen kommen zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu ihnen, skizziert Bauer den Trend zur Flexibilität.

Dass man es damit allerdings auch zu weit treiben kann, zeigt Bauer anhand des Beispiels Yahoo: Als Marissa Mayer 2012 als neue Chefin zu dem Internet-Unternehmen kam, arbeiteten sieben von zehn Mitarbeitern regelmäßig außerhalb ihrer Büros. Darunter litt die "gemeinsame Kultur", und Mayer verordnete ihren Kollegen kurzerhand eine Rückkehr an ihre Schreibtische. Inzwischen, berichtet Bauer, habe sich bei Yahoo die Balance zwischen mobilem und stationärem Arbeiten eingependelt. Nur mehr ein Viertel der Mitarbeiter sei von unterwegs oder daheim tätig.

IBM teilt diese Erfahrung. "Man muss dafür sorgen, dass die Leute ab und zu ins Office kommen, sonst leiden die sozialen Kontakte", weiß Deutschland-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Dieter Scholz. IBM biete sehr flexible Arbeitzeitmodelle und große Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsortes. Gleichzeitig peppt der IT-Riese seine Büros auf, um den Kollegen ein attraktives Umfeld zu bieten.

 

Daran arbeitet auch Zalando. Hier heißt der Wohlfühlfaktor "Information". Die Daten, die der Online-Händler sammelt, "stehen allen Mitarbeitern zur Verfügung", beschreibt CIO Philipp Erler Transparenz als Erfolgsfaktor seines jungen Unternehmens.

Kollege Roboter in den Startlöchern

Doch nicht nur die Art und Weise, wie gearbeitet wird, unterliegt einem dramatischen Wandel. Auch die Jobs selbst verändern sich rapide. Fraunhofer-Manager Bauer hält es für "absolut wahrscheinlich", dass in 20 Jahren die Hälfte der heute bekannten Tätigkeiten von Kollege Roboter übernommen sein wird – "vor allem auf mittlerem Qualifikationsniveau, bei Facharbeitern oder Sachbearbeitern".

Für ihn aber kein Grund zur Panik. Denn gleichzeitig entstünden neue Jobs. Zudem werde die Digitalisierung dringend benötigt, um "das demografische Problem zu lösen". Denn in zehn bis 15 Jahren gehen die Babyboomer in Rente. Die entstehende Fachkräftelücke könne durch die absehbare Rationalisierungswelle gemildert werden.

(cd)

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