Bundesverband der Personalmanager Personaler suchen digitales Know-how

von Silke Biester
Donnerstag, 06. Juli 2017
Europäische Werte stärken: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel diskutiert mit BPM-Präsidentin Elke Eller über den Nutzen der EU für Arbeitgeber.
Europäische Werte stärken: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel diskutiert mit BPM-Präsidentin Elke Eller über den Nutzen der EU für Arbeitgeber.
Die Herausforderungen für Personaler nehmen zu. Die Digitalisierung erfordert neue Strategien, Qualifikationen und Werte, so der Tenor beim BPM-Kongress.

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern könnte in Zukunft zum Nadelöhr auf dem Weg zum Unternehmenserfolg werden. "Wir haben nahezu Vollbeschäftigung in Deutschland", nimmt Elke Eller den Gästen des Bundesverbandes der Personalmanager beim BPM-Kongress gleich zur Eröffnung jede Illusion. Für die Beschäftigten sei es zwar erfreulich, dass 70 Prozent mit ihrem Job aktuellen Studien zufolge "sehr zufrieden" seien. Auch die "geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa" sei grundsätzlich gut. Die Human-Resources-Abteilungen werde dies jedoch zunehmend fordern.

Verschärft wird die Lage durch die Digitalisierung nicht nur bestehender Arbeiten, sondern ganzer Geschäftsmodelle: "Ein Drittel der Deutschen wird sich einen neuen Job suchen müssen", prognostiziert Keynote-Speaker Prof. Gunter Dueck, Mathematiker, Philosoph und ehemals Manager bei IBM. Die gesuchten Qualifikationen und das verbleibende Angebot am Arbeitsmarkt klaffen weit auseinander: "Ganze Berufsstände werden den Bach runter gehen", nimmt Dueck kein Blatt vor den Mund. Zugleich suchen alle Unternehmen nach digitalem Know-how.

Dass die Digitalisierung auch die Personalprozesse umkrempelt, spiegelte sich in den vielfältigen Sessions des Kongresses. So verdeutlichte Yvonne Riedel von ProSiebenSat1, die Dringlichkeit, für mobiles Employer Branding: "43 Prozent der Jobsuchenden informieren sich per Smartphone", stellt sie klar. "Sie erwarten eine mobile-optimierte Karriereseite."

Nicole Seifert von der Beratung Feedbackpeople gab Tipps, wie man potenzielle "digital Leader" im Team identifizieren kann. "In Schlüsselpositionen brauchen Sie Menschen, die die Führungskultur weiter entwickeln", sagt sie. Dafür seien neben modernen Führungskompetenzen auch Experimentierfreude, Kreativität, Offenheit für Neues sowie ein "digital Mindset" mit dazugehöriger online Kommunikationskompetenz notwendig.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel nahm für den BPM-Kongress die ungewöhnliche Haltung des "Arbeitgebers Auswärtiger Dienst" an. Als Chef von rund 11 000 Mitarbeitern in aller Welt gelte es mit ähnlichen Veränderungen umzugehen, wie in anderen Unternehmen. "Auch unser Geschäftsmodell wird infrage gestellt: Die werteorientierte Außenpolitik erlebt in vielen Teilen der Welt einen Rückschritt hin zur interessengeleiteten Politik."

Deshalb rät er den anwesenden rund 1 500 Personalern, die Werte des eigenen Unternehmens auch in internationalen Standorten konsequent durchzusetzen. Es müssten alle aktiv mitwirken, um den europäischen Wertekanon zu beleben und "den Schatz" der Stabilität und des Friedens zu erhalten. "Reden Sie mit ihren Mitabeitern darüber", fordert Gabriel seine Zuhörer auf, um die Toleranz zu stärken und dem Populismus entgegenzuwirken.

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