Diversity Bunter Mix im Betrieb

von Christiane Düthmann
Freitag, 13. Juni 2014
Sichtbares Zeichen: Die Düsseldorfer Ergo-Versicherung war Gastgeber des Diversity-Tages Rhein-Ruhr. Zu den Initiatoren gehören auch Metro und Henkel.
Ergo
Sichtbares Zeichen: Die Düsseldorfer Ergo-Versicherung war Gastgeber des Diversity-Tages Rhein-Ruhr. Zu den Initiatoren gehören auch Metro und Henkel.
Anlässlich des Diversity-Tages beteiligten sich bundesweit 300 Unternehmen an Aktionen und Veranstaltungen rund um die Vielfalt im Betrieb. In einer Vortragsrunde in Düsseldorf standen "unbewusste Vorurteile" im Mittelpunkt.
"Wir sind erbärmliche Entscheider" – Matthias Spörrle, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Angewandtes Management in München, weiß um die Schwierigkeiten bei Beurteilungsprozessen. Irrelevante Informationen verzerren unsere vermeintliche Objektivität. Und zwar systematisch.

Der Referent untermauert das durch zahlreiche Studienergebnisse. So bewerten Personaler identische Kandidaten mal als "warmherziger" oder "kühler", je nachdem, ob sie beim Lesen des Lebenslaufs einen warmen Kaffee oder einen Becher Eiskaffee in Händen halten.

Attraktive Menschen haben mehr Erfolg im Job als unansehnliche. Und wohl jeder sieht Männer vor seinem geistigen Auge, wenn er das Wort "Management" hört und denkt an Frauen, sobald der Begriff "Teilzeit" fällt.

Dieser "unconscious Bias", also unbewussten Vorurteile, sind sich zwar Personaler durchaus bewusst. Ganz ausschalten lassen sich Stereotype allerdings nicht, so Spörrle. Selbst eigene Betroffenheit und kognitives Durchschauen eliminieren die Verzerrungstendenzen nicht automatisch.

"Wir sind unbelehrbar erbärmliche Entscheider", bringt es der Psychologe auf den Punkt. Das liegt daran, dass Stereotype auch ihre guten Seiten haben: "Sie kategorisieren unsere Umwelt, ermöglichen blitzschnelle Reaktionen, ersparen uns Zeit und wirken identifikationsstiftend."

Diverse Systeme sind stabiler gegen Störeinflüsse

Der Vielfalt im Unternehmen jedoch stehen sie im Weg, denn sie zementieren das Althergebrachte. Dabei ist Diversity für Unternehmen wichtig, weil in gemischten Teams zum Beispiel die Innovationsleistung höher ist als in homogenen Gruppen, zitiert Spörrle aus der Forschung.

Diverse Systeme seien zudem nachweislich stabiler gegen Störeinflüsse, so dass vielfältige Unternehmen besser durch die Finanzkrise gekommen sind. Es gebe also gute Gründe für ein "Ankämpfen gegen den Status Quo".

Um Personalentscheidungen zu objektivieren, brauche man Organisationsstrukturen, die "einen Rückfall in Stereotype verhindern". Für Bewerbungsgespräche sollte es Kriterienkataloge und Fragebögen geben, die vorher festgelegt werden und von denen nicht abgewichen werden darf. "Dadurch steigt die Entscheidungsqualität", argumentiert Spörrle gegen die Vorherrschaft des Bauchgefühls.

(cd)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats