Der Vertrieb ist besonders gefährdet

von Christiane Düthmann
Freitag, 20. Juli 2012
Wie Führungskräfte in deutschen Unternehmen über Burn-out denken, hat die Personalberatung Claus Goworr Consulting (CGC) untersucht. Zwei Drittel der Betriebe haben das Thema bereits auf der Agenda. Vertriebsmitarbeiter sind am stärksten gefährdet.
"Wir haben das Problem zwar erkannt, aber wissen noch nicht wirklich, was zu tun ist." So lässt sich der Umgang mit dem Phänomen Burn-out in vielen der von CGC befragten Unternehmen skizzieren.

450 Führungskräfte und Personalentscheider aus Handel, Industrie und Dienstleistungssektor nahmen an der Untersuchung des auf Executive Search spezialisierten Beratungshauses teil. Rund zwei Drittel der Unternehmen befassen sich bereits aktiv mit dem Thema, ein Drittel dagegen, so die Autoren der Studie, "sieht keinen Anlass, sich mit den Folgen des Burn-out-Syndroms zu befassen".

Verwirrende Vielfalt bei Therapien und Anbietern

Beinahe sechs von zehn Unternehmen beteiligen sich nicht an Programmen für Mitarbeiter, die bereits betroffen sind. Als Grund dafür nennt CGC "die Verunsicherung, die bei den Unternehmen herrscht". Es sei schwer zu durchschauen, welche Anbieter von Therapien und Programmen seriös seien und welche Vorgehensweise den gewünschten Effekt bringe. "Das wirkt sich lähmend auf den gesamten Entscheidungsprozess aus."

Wenn Unternehmen tätig werden, "richten sie ihr Hauptaugenmerk deshalb stärker auf die Prävention durch Schulungen oder Seminare". Insgesamt werde keine "strukturierte Problemlösungsstrategie" verfolgt. Zudem neigen Unternehmen der Studie zufolge dazu, "auftretende Burn-out-Fälle zu marginalisieren". So sehe die Mehrheit der Befragten die Fallzahl im eigenen Unternehmen bei maximal 3 Prozent der Beschäftigten.

Eigene Fälle werden marginalisiert

Die mit Abstand anfälligste Abteilung für Burn-out-Erkrankungen ist nach Ansicht der Befragten der Vertrieb. Permanent steigender Verkaufsdruck und ständig nach oben korrigierte Ziele führen zu "enormen Belastungen". Dabei wird den Führungskräften ein großer Anteil am Geschehen zugeschrieben.

Fast neun von zehn Untersuchungsteilnehmern schätzen deren Einfluss auf die Entstehung von Burn-out als "sehr hoch" oder "hoch" ein. Sie sind es auch, die sich im Unternehmen vorrangig mit der Thematik befassen sollten, findet fast die Hälfte. Ein knappes Drittel sieht die Unternehmensleitung in der Pflicht, 18 Prozent die Personaler. (cd)

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