Am Ende der Leistungsfähigkeit

von Redaktion LZ
Freitag, 10. August 2007
LZ|NET. Burnouts von Führungskräften kosten die Unternehmen Millionen. Eine vernünftige Lebensweise und gezielte Strategien können das Ausbrennen verhindern und die Wirksamkeit eines effektiven Managements erhöhen.



Kein Unternehmen kann sich den stetigen Leistungsabfall einer Führungskraft oder im schlimmsten Fall den plötzlichen Zusammenbruch beziehungsweise Ausstieg eines wichtigen Mitarbeiters leisten. Schätzungen zufolge bedeutet jedes Burnout einer Führungskraft für das betroffene Unternehmen einen sechs- bis siebenstelligen finanziellen Verlust.

Unter Burnout verstehen Mediziner einen körperlichen wie geistigen Zustand des "Ausgebrannt-Seins", der Monate andauern kann und die Leistungsfähigkeit auf die Hälfte reduziert.

Die körperlichen Beschwerden reichen von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsproblemen über Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Rachenentzündungen bis zu Lichtscheue, Vergesslichkeit, Depressionen und Verwirrtheitszuständen, um nur ein paar zu nennen.

Emotionale Erschöpfung

Prof. Joachim Bauer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg, nennt drei zentrale Kennzeichen für Burnout: Anhaltende emotionale Erschöpfung; das Gefühl, dass die eigene Arbeit ineffektiv und sinnlos geworden ist; einen inneren Widerwillen gegen die Menschen, die einem am Arbeitsplatz begegnen. Das kostet nicht nur die Betroffenen viel Energie, sondern auch die Wirtschaft.

So belaufen sich laut einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) in der Schweiz die volkswirtschaftlichen Kosten für Stress bedingte Beschwerden wie Burnout auf jährlich 4,2 Mrd. Schweizer Franken oder 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Symptome treten global auf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält Stress für eines der größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Gemäß ihren Schätzungen leiden 35 Millionen Europäer an stressbedingten Depressionen. Die WHO schätzt, dass bis zum Jahr 2020 die Depression das zweitgrößte Gesundheitsproblem der Welt darstellt.

"Wenn Sie einem Menschen dauerhaft die Anerkennung verwehren und ihn gleichzeitig beständig unter Druck setzen, haben Sie eine gute Chance, dass er einen Burnout erleidet", sagt Bauer. Der Psychologe Matthias Burisch ergänzt: "Betroffene geraten in Lagen, denen sie entkommen wollen. Aber der Ausweg ist versperrt. Das verursacht ein tiefes Gefühl von Hilflosigkeit."

Entscheidend sind für Burisch die persönlichen Ziele, die ein Mensch in seiner Tätigkeit hat. Danach kann nicht nur ausbrennen, wer seine Ziele beständig verfehlt. Auch wer seine Ziele erreicht, kann ausbrennen, wenn der Einsatz unangemessen hoch ist. Urlaub ist Erholung#/ZT# Auf den Urlaub als Quelle der Erholung setzt der österreichische Mediziner Prof. Egon Humpeler. Mit seinem IHS-Forschungsinstitut für Urlaubs- und Freizeitmedizin befasst er sich seit Jahren mit der Frage, wie ein Urlaubsaufenthalt gestaltet sein muss, um ein Höchstmass an Erholung zu garantieren.

Hierfür führt er auch wissenschaftliche Studien durch, die eindeutig belegen, dass bestimmte Parameter auf die Gestaltung eines Urlaubs angewandt, den individuellen Erholungsgrad maßgebend steigern können. Doch kann eine gute Erholung Burnout nicht unbedingt verhindern. Ein ausbalancierter Tages- und Lebensrhythmus verheißt erhöhte Lebensqualität, steigert die Stimmung und letztlich die Leistungsfähigkeit.

Stress ist als lebenswichtige Reaktion auf Veränderungen im Umfeld unverzichtbar. Und an Veränderung mangelt es nicht - das wird sich in Zukunft nicht ändern. Die Frage ist also, wie Führungskräfte mit Veränderung, Zunahme von Komplexität und dem dazu gehörenden Stress wirksam umgehen können.

Wirksamkeit und Sinn als Burnout-Prävention. In diesem Themenfeld kennt sich Marina Bösch aus. Sie ist seit über 15 Jahren Geschäftsführerin des Schweizer Seminaranbieters für Management-Weiterbildung, Malik Management Zentrum St. Gallen.

Karriere als Alptraum

"Führungskräfte sind oft als erfolgreiche Fachspezialisten in ihre Managementfunktion gerutscht", so Bösch. Was aber als Karrieresprung beginnt, kann sich zum Alptraum entwickeln, nämlich dann, wenn der Beruf des Führens nicht erlernt wird.

Die Zahl der Menschen, die eine Managementfunktion übernehmen, wächst. Und obwohl Management die wichtigste Funktion in der modernen Gesellschaft ist, üben die meisten Führungskräfte diesen Beruf ohne eine umfassende Ausbildung aus.

Sie lernen durch Versuch und Irrtum - mit den entsprechenden fatalen Konsequenzen: persönliches Burnout, große Probleme des Unternehmens, Stress für alle Beteiligten.

Bösch stellt in ihren Gesprächen mit Führungskräften immer wieder fest, dass eine Aufgabe für den Handelnden mehr Sinn stiftet, wenn sie richtig und gut gemacht wird. "Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wirksam begegnen zu können und die Komplexität zu nutzen statt sie zu reduzieren, sollten Führungskräfte das Management beherrschen", findet Bösch.

Sie müssen sich von traditionellen Denkweisen verabschieden und die Fähigkeit erwerben, anders zu denken, um Probleme zu lösen.

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