Der Einzelhandel ist ein wichtiger Arbeitgeber

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. August 2004
Eine Lanze für den Lebensmitteleinzelhandel bricht die internationale Organisation CIES - The Food Business Forum mit ihrer neuesten Studie. Darin wird dargestellt, dass diese Branche in der Funktion als Arbeitgeber und Wirtschaftsbarometer eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt.



Händler funktionieren wie Trendbarometer. Sie nehmen gesellschaftliche Prozesse und Entwicklungen auf und spiegeln sie wider. Der Handel ist ein Wirtschaftsindikator, der sowohl Inflation als auch Wachstum anzeigt.

Und vor allem als Arbeitgeber spiele der Lebensmitteleinzelhandel eine wichtige Rolle. Das hat das Institute of Retail Management der Universität Oxford in seiner Untersuchung "The Contribution of Food Retailing to Society and to the Economy" ermittelt.

Auftraggeber der Marktanalyse ist die internationale Einzelhandels- und Lieferantenorganisation CIES. Der Schwerpunkt liegt auf den Märkten in Europa, Amerika und Südostasien.

Der weltgrößte Einzelhandelsmarkt liegt in den USA. Dort werden jährlich 3,5 Billionen US-Dollar umgesetzt. Der Wirtschaftszweig gehört insgesamt zu den größten privatwirtschaftlichen Arbeitgebern. 17,4 Prozent der arbeitenden Amerikaner sind in dieser Branche beschäftigt, in Großbritannien sind es 10 und in Deutschland 7 Prozent.

Flexible Arbeitszeit

Die Bedeutung des Einzelhandels als Arbeitgeber wurde kürzlich von einer Studie der Universität von Missouri untermauert. Ladeneröffnungen Wal-Marts führten demnach im Durchschnitt zu 50 Vollzeitjobs. Da der Einzelhandel ein lokales Geschäft ist, fällt die Mehrheit der Arbeit in den Märkten vor Ort an.

Besonders arbeitsintentiv ist der Handel mit Lebensmitteln. Die Arbeitsstellen reichen von flexibler Teilzeitarbeit über niedrig bezahlte Jobs bis hin zu anspruchsvollen Positionen.

Lebensmittelfilialisten haben zum Teil hochkomplexe Organisationen und unterschiedliche Vertriebsformen. Allein deshalb sei es schwierig, so die britischen Analysten, diesen Markt allgemein und in allen Facetten zu durchleuchten.

Händler bieten einen komplexen Mix an Produkten und Dienstleistungen. Dafür benötigen sie gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, die in der Lage sind, täglich mit Tausenden von Kunden Kontakt aufnehmen.

Unter dieser Prämisse würden sich die Strategien der Personalabteilungen zunehmend auf die Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern konzentrieren.

Dass der Handel unattraktive Karrierechancen biete, sei eine zu unrecht verbreitete Ansicht.

Spezifisches Datenmaterial über das Personalwesen im Einzelhandel seit rar. Zweifelsohne sei der Handel einer der größten Investoren in Informationstechnologie. Allerdings gäbe es nur wenige Informationen über die Mitarbeiter, die mit diesen Systemen arbeiten.

Einer Eurostat-Untersuchung zur Folge beschäftigte der LEH in der Europäischen Gemeinschaft 1998 nur 9,9 Prozent akademisch ausgebildeter Mitarbeiter, während es quer über alle Branchen gerechnet 19,8 Prozent waren.

Karrierechancen im Handel

Den Karrierechancen im Handel stehen viele skeptisch gegenüber, dabei erfreuten sich Händler wie Asda in Großbritannien und Migros in der Schweiz einer "excellenten Reputation". Obwohl viele Einzelhändler ihre Mitarbeiter als ihr "größtes Vermögen" betrachteten, sei das Personalwesen in den oberen Führungsetagen unterrepräsentiert.

Wie groß die öffentliche Wahrnehmung ist, ließe sich daran erkennen, dass schätzungsweise 100 Million Menschen wöchentlich einen Wal-Mart-Markt besuchen. So gesehen, ist der Handel kontinuierlich mit gesellschaftlichen Prozessen konfrontiert, die zu neuen Vertriebsformen, verlängerten Öffnungszeiten, moderner Ladentechnologie führen.

Vor diesem Hintergrund permanenter Veränderungsprozesse investierten viele Händler in Mitarbeiterprojekte wie lebenslanges Lernen, Mitarbeiterbeteiligungen und Familienfreundlichkeit. So habe die Schweizer Migros einen 16-wöchigen Mutterschutz über die gesetzlichen Anforderungen hinaus eingeführt.

Auch ökologische Interessen spielen eine Rolle. Einzelhändler haben ihre Transporteffizienz verbessert und damit schädliche Umwelteinflüsse reduziert. Der britische Filialist Somerfield setzt biologisch abbaubare Einkaufstüten zur Müllvermeidung ein. Einige engagieren sich im Verbund mit anderen Interessengruppen für Qualitätsstandards in der landwirtschaftlichen Produktion, während andere dafür interne Regeln festgeschrieben haben.

Die Untersuchung stützt sich auf eine Reihe verschiedener Quellen und ökonomischer Marktbetrachtungen. Ihr Hauptanliegen ist es, die Schlüsselfunktionen dieser Branche zu identifizieren.

(juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats