Campari destilliert Talente

von Redaktion LZ
Freitag, 10. September 2010
LZnet. Campari leidet unter den Negativschlagzeilen der Spirituosenbranche. Um gute Leute zu halten und für Neulinge attraktiver zu werden, investiert der Importeur in seine Personalentwicklung.
"Alkohol, nein danke." Den Spruch bekommen Headhunter oft zu hören, wenn sie für Spirituosenunternehmen Mitarbeiter anwerben. Die Branche hat ein Imageproblem. "Wir leiden unter den Negativschlagzeilen, in denen von Komasaufen oder Alcopops die Rede ist", sagt Alexandra Busch aus dem Hause Campari.

Als HR-Managerin ist sie seit drei Jahren für die 160 Mitarbeiter in der Business Unit Central Europe zuständig, zu der neben Deutschland die Schweiz, Österreich und Benelux gehören.

90 davon sitzen in München. Seit 2005 hat sich die Mannschaft glatt verdoppelt: Unter anderem, weil Campari seit dem vergangenen Jahr komplett auf eigene Vertriebsexperten umgestellt hat. Die junge Belegschaft, deren Durchschnittsalter bei 34 Jahren liegt, braucht vor allem Verstärkung im Marketing.

Die Münchner Mannschaft hat sich verdoppelt

Allein im ersten Halbjahr 2010 wurden 15 Young Professionals neu eingestellt. Oft aber hätten Kandidaten den nach eigenen Angaben "erfolgreichsten Spirituosenimporteur in Deutschland" nicht auf dem Radarschirm.

"Manche wissen gar nicht, dass wir neben Campari spannende Marken wie unseren Shootingstar Aperol oder Ouzo 12 im Portfolio haben", sagt die Personalerin. Und reagieren überdies erstaunt darauf, dass die Mailänder dynamisch wachsen. Mit einem zweistelligen Umsatzplus im ersten Halbjahr 2010 stemmen sie sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend in der Branche.

Umso wichtiger ist es für Busch, gute Leute zu halten und zu entwickeln. Sie strebt eine Quote interner Stellenbesetzungen von rund 60 Prozent an. Ein Ansatz ist die "Talent Distillery". Dabei erhalten jährlich acht vielversprechende Mitarbeiter auf Vorschlag ihrer Vorgesetzten einen besonderen Projektauftrag, um "mal über den Tellerrand zu blicken".

Traineeprogramm startet im Oktober

2009 lautete das Thema "Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol". Die Ergebnisse werden dem Management präsentiert – eine Chance für den Einzelnen, sich für höhere Weihen zu empfehlen. Und vielleicht in den "Global Talent Pool" aufgenommen zu werden, in dem Campari seine High Potentials auf internationaler Ebene versammelt.

Mit einem neu aufgelegten Traineeprogramm wollen die Münchner ihren Marketingnachwuchs nun verstärkt selbst heranziehen. Die ersten beiden Hochschulabsolventen starten ihre zweijährige Ausbildung am 1. Oktober. Sechs Monate im Vertrieb sind Teil des Konzepts.

Ein gewollter Seitenwechsel. Auch gestandene Marketing- und Sales-Experten werden ausdrücklich ermuntert, das jeweils andere Ressort intensiv kennenzulernen. "Denn General Manager müssen beides gemacht haben", skizziert Busch die Karriereperspektive.

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