"Kollektives Wissen herstellen"

von Judit Hillemeyer
Freitag, 19. September 2008
Angelika Lederer, Foto: AL Coaching
Angelika Lederer, Foto: AL Coaching
"Coach" heißt im Englischen Kutsche. Im übertragenen Sinn ist damit ein Entwicklungsinstrument gemeint, das im Unternehmensmanagement, Vertrieb sowie bei der persönlichen Karriereplanung eingesetzt wird. Coaching wird in Deutschland von Industrie, Dienstleistung und Handel als externe Dienstleistung angenommen - auch bei der Bewältigung von Führungsaufgaben.



Frau Leder, was ist unter gutem Führungsverhalten zu verstehen?

Angelika Lederer, Senior Coach beim Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC).

Gutes Führen bedeutet, dass Führungskräfte Mitarbeiter entwickeln und sie befähigen, selbst Lösungsansätze zu erarbeiten. Führungskräfte müssen besonders in fachlichen Fragen ihre Haltung verändern. Sie sollten von der vorgebenden und sagenden Haltung in die entwickelnde, fragende und erkundende wechseln. Dafür müssen sie Coaching-Kompetenzen erwerben.

Zum einen, weil die Unternehmenswelt komplexer geworden ist. Führungskräfte können nicht alles überschauen und sind auf das Wissen ihrer Mitarbeiter angewiesen. Wenn sie lernen, die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter zu entwickeln, entwickeln sie zugleich ihre eigenes Fachwissen.

Zum Anderen: Kompetente Menschen brauchen Entwicklungsmöglichkeiten und erwarten Interesse an ihrer Person. Dies erhält ihre Motivation, ihr Engagement und erhöht die Bindung an das Unternehmen, denn gerade gute Mitarbeiter sind ein knappes Gut. Mit einer coachenden Haltung kann Engagement gefördert und erhalten werden.

Viele Experimente zeigen: Kontrolle schafft Widerstand und Demotivation. Vertrauen erzeugt Motivation. Regeln im Unternehmen sollten mit den Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet werden, nur so schafft man Akzeptanz und Engagement für die erarbeiteten Vorgaben.

Gutes Führen beinhaltet auch, Kontakte ohne unmittelbare Ergebnisorientierung herzustellen, zu fragen und zuzuhören, denn das schafft einerseits Wissen und vermittelt andererseits Anerkennung.

Was macht eine gute Führungspersönlichkeit aus?

Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie führen will und sich für ihre Führungsaufgabe interessiert. Zudem hat sie die Fähigkeit eine fragende, erkundende und entwickelnde Haltung einzunehmen.

Kommt beides zusammen, nämlich das Wollen und das Entwickeln, dann sind die zwei wichtigsten Bedingungen für eine gute Führungspersönlichkeit erfüllt.

Kann man das Führen lernen oder ist es eine Gabe?

Führung muss man lernen. Niemand kann das einfach so, denn es ist ein sehr komplexes und differenziertes Aufgabenfeld.

Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Stärken mit. Manche bringen so ausgeprägte Stärken mit, dass diese sie gelegentlich oder auch häufig behindern. Stärken und Schwächen sind oft zwei Seiten einer Medaille und dies wird häufig übersehen. Die meisten Führungskräfte könnten erfolgreicher im Führen sein, wenn sie ihre persönlichen Führungsstärken und -schwächen erkennen und ihre Führungskompetenzen optimieren.

Kann ein Coach Einfluss nehmen auf das Führungsverhalten von Managern?

Im besten Fall übt der Coach Einfluss auf seinen Klienten und dessen Führungsverhalten aus. Er ist Vorbild und Inspirator, der Führungskräften Reflektionsanstöße anbietet. Außerdem spiegelt er Auswirkungen von vergangen und künftigen Verhaltensweisen des Klienten wider. Dabei kommt es darauf an, eine für den Klienten ungewohnten Perspektive einzunehmen. Natürlich übt dies Einfluss auf den Klienten aus. Er darf nicht beeinflussen im Sinne von manipulieren, sondern nur unterstützend wirken.

Was für ein Führungsstil ist heute angemessen?

Es geht heute darum, ein kollektives Wissen herzustellen, Teams zu bilden und Lösungen gemeinsam zu erarbeiten. Alleinentscheidungen passen nicht in unsere Zeit. Das entspricht auch nicht der zunehmenden Komplexität in Unternehmen. (juh)

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