Rollenspiel mit Souffleur

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. April 2005
In den USA ist Nachhilfeunterricht in Sachen Führungsverhalten eine Selbstverständlichkeit. Internationale Unternehmen, die auch in Deutschland agieren, stellen ihren Managern einen Coach an die Seite.



Executive Coaching ist eine Beratung mit dem Ziel, dass Führungskräfte ihre Rolle im Unternehmen besser ausfüllen und so zur Effizienzsteigerung und Produktivitätserhöhung beitragen.

Typische Auslöser für Coaching sind beispielsweise die Erweiterung von Managementkompetenzen, die Implementierung neuer Führungskonzepte, Umstrukturierungen oder Kollegenkonflikte.

Der Coach analysiert die firmenspezifischen Schwierigkeiten, dazu gehören auch Schwachstellen in der Arbeitsorganisation. Zusammen mit dem Coachee (derjenige, der gecoacht wird) und der Geschäftsleitung als Auftraggeber werden Zielvorstellungen für ein optimiertes Führungs- und Sozialverhalten sowie für eine verbesserte Organisation des Berufsalltages entwickelt.

In diesem Rahmen soll der Kandidat sein eigenes Verhalten reflektieren und dessen Bandbreite erweitern, erläutert Ingo Richthoff, Assocciate Partner der MR Personalberatung GmbH, Düsseldorf.

Beim Einzelcoaching finden acht bis zehn eintägige Sitzungen statt - nach drei bis sechs Monaten folgt ein Follow-up (Wiederholung). Um die Stärken und Schwächen seiner Klienten kennen zu lernen, setzt Richthoff auf Selbst- und Fremdeinschätzungen. Im Idealfall, jedoch selten, findet ein "Coaching on the Job" statt, bei dem der Trainer den Kandidaten im Alltag begleitet.

Neue Aufgaben übernehmen

Nachwuchskräfte, die mit einer Führungsaufgabe betraut werden, wissen häufig nicht, wie sie auf Anhieb dem Anforderungsprofil ihrer neuen Position gerecht werden sollen. Das gilt ebenso für Manager, die die Karriereleiter hinaufsteigen.

Ziel ist es, sich in der neuen Position persönlich und fachlich sowie intern und extern zu behaupten und an Sicherheit und Stabilität zu gewinnen.

"Die Anforderungen an das Führungsverhalten haben sich verändert", sagt Richthoff. Während häufig noch der technokratische, emotionslose Stil gepflegt wird, sollten Vorgesetzte heute Emotionen zeigen und die ihrer Mitarbeiter annehmen.

Tendenziell, so der Personalberater, kennen viele Manager in deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht. "Sie leben in der Welt des Glaubens, nicht des Wissens." Eine gute Wissensgrundlage bildeten Mitarbeitergespräche, die jedoch häufig als Chefgespräche missverstanden würden, wo von oben nach unten beurteilt wird.

Vertrauen ist gefragt

Coaching sei keine Frage des Alters oder der Berufserfahrung. "Eine Grundvoraussetzung ist Vertrauen", betont der Berater, "denn in den Sitzungen werden nicht nur berufliche, sondern auch private Ebenen berührt". Häufig seien die Kontakte so intensiv, dass sie über das Coaching hinaus andauern.

Richthoff ist auf die Konsumgüterbranche konzentriert. Zu seinen Kunden zählen namhafte Hersteller aus der Lebensmittelindustrie. Diese Klientel ist dem Coaching deutlich stärker aufgeschlossen als der Einzelhandel. Auch der Mittelstand reagiere zurückhaltend. Ihm fehlt es an Geld und Motivation. (juh)

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