Ein Blick über den Tellerrand

von Judit Hillemeyer
Freitag, 29. September 2006
Nils Plieninger (v.l.) und Falk von Wildenradt sind Auszubildende bei Cobana, Foto: Cobana
Nils Plieninger (v.l.) und Falk von Wildenradt sind Auszubildende bei Cobana, Foto: Cobana
Biete Lehrling in Hamburg für Azubi im Allgäu - der Cobana Fruchtring setzt auf ein Tauschprogramm für seine Auszubildenden und jungen Kaufleute.



Mit dem Azubi-Tauschprogramm bietet der Cobana Fruchtring Lehrlingen und Berufsanfängern einen Blick über den Tellerrand. Das Modell initiierte der Beirat für die 120 Auszubildenden der 40 selbstständigen Fruchtgroßhändler und der Hamburger Beschaffungsorganisation.

Das Azubi-Tauschprogramm ist eine Facette der Nachwuchsförderung. "Die jungen Leute sollen während ihrer Ausbildung Gelegenheit haben, in einen anderen Großhandelsbetrieb zu schauen, erklärt Stephan Schlick, Marketingleiter der Cobana Fruchtring GmbH & Co. KG in Hamburg.

Der Austausch dient der Praxiserfahrung, der Horizonterweiterung, der Kontaktaufnahme und der Einbindung in die Gruppe. "Für uns ist das von elementarer Bedeutung, damit wir auch langfristig homogen auf dem Markt agieren können".

Integration leicht gemacht

Bislang haben sich zehn Betriebe und 18 Lehrlinge beziehungsweise junge Kaufleute an dem Tauschprogramm beteiligt. Organisatorisch können die einzelnen Gesellschaften den Kontakt untereinander selbst herstellen oder sich über den Beirat einen entsprechenden Betrieb vermitteln lassen.

Die Reaktionen der ersten Generation der Austauschlehrlinge sind positiv. Falk von Wildenradt ging beispielsweise von der Hamburger Einkaufszentrale ans andere Ende Deutschlands, zu einem Großhändler ins Allgäu: "Am spannendsten war die unmittelbare Nähe zur frischen Ware, die man als {sbquo}Schreibtischtäter' sonst höchstens mal als Muster erlebt."

Sein Kollege Nils Plieninger wird sich in Karlsruhe umsehen. Ihn interessiert, "welche Ablaufprozesse sich in der Praxis des Großhandels abspiegeln, nachdem der Computer in Hamburg zum Beispiel eine konkrete Verkaufsbestätigung ausgespuckt hat".

Das Konzept ist so konzipiert, dass das empfangende Unternehmen die Hotelkosten trägt. Der Austausch dauert eine Woche. "Das ist der ideale Zeitraum, um die wesentlichen Bereiche kennen zu lernen", so Schlick. Erstellt wird ein exakter Wochenplan, der alle Stationen und Gesprächspartner dokumentiert.

Getrennter Austausch

Die Mentoren der jungen Mitarbeiter sind in der Regel die Chefs der einzelnen Betriebe. Der Austausch findet nicht parallel sondern versetzt statt. Die Austauschlehrlinge sollen sich begegnen. Dazu braucht es Zeit und Gelegenheit. Gewechselt wird grundsätzlich in den Schulferien, um die unterrichtsfreie Zeit der Berufsschulen zu nutzen.

Das Modell der Wanderschaft forciert auch Edeka. Doch was bei dem Einzelhandelfilialisten zum Pflichtprogramm gehört, ist bei Cobana ein freiwilliges Angebot für Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr sowie für junge Kaufleute. Sie sollen "über den Tellerrand des eigenen Unternehmens" hinausschauen und erleben, welche Prozesse sich in anderen Betrieben abspielen.

"Die Unternehmensgruppe hat Bedarf an gut ausgebildetem Nachwuchs", betont der Marketingleiter. Die Auszubildenden sollen die rasante Entwicklung der Fruchtbranche verstehen, denn nichts bleibt wie es ist. So hat beispielsweise das Qualitätsmanagement in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

"Die Komplexität des Warengeschäftes wird weiter zunehmen. Dabei setzt Cobana neben der Fachkompetenz auf "ausgeprägte charakterfeste Persönlichkeiten, die gegenüber Kunden auftreten können". Kontakt zu Kunden und Großhändlern sind Schlüsselfunktionen. Im Wesentlichen beginnen bei Cobana Abiturienten ihre Lehre zum Großhandelskaufmann.

Zwei Verkaufsagenturen befinden sich im Ausland - in Spanien und in Frankreich. Schlick betonte, dass auch diese für den Austausch junger Mitarbeiter in Frage kämen. In der Vergangenheit hätten diese Chance auch einige wahrgenommen. Das Azubi-Tauschprogramm fokkusiert jedoch in erster Linie Deutschland. (juh)

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