Die Treue der Mitarbeiter zahlt sich aus

von Judit Hillemeyer
Freitag, 13. Juli 2007
Eine geringe Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen hemmt Innovationsprozesse, Wirtschaftswachstum und betriebliche Zukunftschancen. Schuld daran ist ein nicht mitarbeitergerechtes Arbeitsumfeld, das häufig auf Defizite in der Personalführung zurückzuführen ist.



Die Folgen sind: geringe Eigeninitiative, viele Fehltage, wenig Kundenorientierung und kaum Ideenreichtum. Dies ergab das aktuelle Arbeitsklima-Barometer des IFAK Instituts für Markt- und Sozialforschung in Taunusstein auf der Basis einer Repräsentativbefragung von 1 978 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland.

Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten fühlen sich ihrem Arbeitgeber nur mäßig verbunden; gut ein Fünftel (22 Prozent) hat keine Bindung, das heißt, hat innerlich bereits gekündigt. Ein Siebtel (15 Prozent) bekundet eine hohe Verbundenheit mit dem Arbeitgeber. Das bedeutet: Nur 4,75 Millionen Erwerbstätige in Deutschland sind "ihrem" Unternehmen stark verbunden; 6,97 Millionen sind ohne Bindung, und 19,95 Millionen haben eine mäßige Bindung zu ihrem Arbeitgeber.

Weniger Eigeninitiative, mehr Fehlzeiten

Die Studie zeigt deutlich: Mitarbeiter, bei denen die Bindung nur schwach ausgeprägt ist, legen eine geringere Eigeninitiative und weniger Verantwortungsbewusstsein in ihren Unternehmen an den Tag als die "gebundenen" Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Grad der Verbundenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zeigt sich auch an den Fehlzeiten und schlägt sich somit auf die Produktivität des Unternehmens nieder: Beschäftigte, die nur eine geringe Bindung zu ihrem Unternehmen aufweisen, fehlen durchschnittlich 9,3 Tage pro Jahr; bei hoher Bindung sind es nur 5,9 Tage.

Auch verbringen "Ungebundene" am Arbeitsplatz mehr Zeit mit arbeitsfernen Dingen wie dem Surfen im Internet. Nach dem Arbeitsklima-Barometer steigert eine gute Mitarbeiterbindung auch die Innovationsfähigkeit der Firmen. Erwerbstätige mit hoher Bindung zum Arbeitgeber bringen im Durchschnitt 20 Ideen und Verbesserungsvorschläge im Jahr ein. Zum Vergleich: Bei Erwerbstätigen ohne Bindung sind es nur knapp 9 Vorschläge.

Die Bedeutung der Mitarbeiterbindung für Unternehmen zeigt sich auch in der Empfehlungsbereitschaft der Beschäftigten: Während 84 Prozent der stark "gebundenen" Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens wichtiges Empfehlungsmarketing betreiben, sind es bei den "ausgeklinkten" Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur 18 Prozent. Geht es um die Bereitschaft, das Unternehmen als Arbeitgeber weiter zu empfehlen, so sind es nur 7 Prozent der Beschäftigten ohne Bindung, aber 72 Prozent bei denjenigen mit hoher Bindung, die hier uneingeschränkt als Multiplikatoren fungieren würden.

Auch im Hinblick auf die Treue zum Arbeitgeber unterscheiden sich "gebundene" und "nicht gebundene" Angestellte. Während von 100 "nicht gebundenen" Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 37 noch im laufenden Jahr kündigen wollen, spielt nur einer von 100 "Gebundenen" mit dem Gedanken.

Gestaltung des Arbeitsumfelds wichtig

"Entscheidend für die Verbundenheit der Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber ist die Gestaltung des Arbeitsumfelds durch Vorgesetzte", sagt IFAK-Senior Consultant Marco Nink. Wer keine Bindung habe, dem fehlt laut Studie zum Beispiel häufig die Klarheit über die eigenen Rechte und Pflichten. Nur jede beziehungsweise jeder zweite hat eine klare Vorstellung von den eigenen Aufgaben. Bei denjenigen mit hoher Bindung sind hier nahezu alle im Bilde.

Auch bei der Einschätzung der eigenen Informiertheit zeigen sich große Unterschiede zwischen "keiner Bindung" und "hoher Bindung": In der ersten Gruppe fühlt sich nicht einmal einer von zehn Beschäftigten optimal über Neuigkeiten im Unternehmen informiert, in der zweiten Gruppe sind es sechs von zehn. Weitere Faktoren der Bindung sind Feedback zur eigenen Arbeit, Lob und Anerkennung.

Im Hinblick darauf, ob man am Arbeitsplatz von einem Mann oder einer Frau geführt wird, unterschiedet sich der Grad der Verbundenheit nicht. Gleiches gilt für den Geschlechteranteil im kollegialen Umfeld.

Insgesamt, so Nink, seien die Unternehmen gut beraten, gezielt Maßnahmen zur Veränderung einzuleiten. Ziel müsse sein, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass sich an den Bedürfnissen und Erwartungen der Mitarbeiter orientiert. (juh)

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