"Wir brauchen Offroad-Manager"

von Redaktion LZ
Freitag, 17. Mai 2013
Stefan Lauer und Katharina Heuer sprachen sich für eine klare Positionierung aus.
DGFP
Stefan Lauer und Katharina Heuer sprachen sich für eine klare Positionierung aus.
Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu positonieren, ist für die Personaler in den nächsten drei Jahren die drängendste Aufgabe. Das zeigt die Megatrends-Befragung der DGFP.
Ob Frauenquote oder Managervergütung, Zeitarbeit oder Mindestlohn: Personalthemen spielen in der gesellschaftlichen Diskussion eine zentrale Rolle. Umso wichtiger ist eine klare Positionierung, um bei diesen Fragen nicht zum Getriebenen der Politik zu werden, hieß es beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Stefan Lauer, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks und Personalchef der Lufthansa, spricht sich vehement dafür aus, HR-Themen nicht "in Hinterzimmern auszukungeln, sondern auf die Bühne zu bringen".

Das Personalmanagement wird weiterhin von den Themen Demografie und Wertewandel geprägt. Das zeigt die neue "Megatrends"-Umfrage der DGFP, deren Ergebnisse Katharina Heuer präsentiert. Man müsse zudem die Auswirkungen der Digitalisierung und Virtualisierung von Arbeit im Visier haben, denn sie würden in ihrer Auswirkung auf HR unterschätzt, sagt die Vorsitzende der DGFP-Geschäftsführung.

Antworten auf die Digitalsierung finden

So gebe es bei den "Digital Natives" zwar viele, die eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit nicht wollen. Andere indes legten gerade auf eine solche Abgrenzung großen Wert. Heuer: "Auf viele dieser Fragen suchen die Personalbereiche noch nach Antworten."

Als wichtigste Aufgaben für die nächsten drei Jahre sehen die Personaler Employer Branding (89 Prozent), Mitarbeiterbindung (88) und Führungskräfteentwicklung (88) an. Stark an Bedeutung gewonnen haben Gesundheitsmanagement (78) und der Umgang mit psychischen Belastungen (67). Man dürfe zwar nicht jedes Stresssymptom "gleich zum Burnout überhöhen". Doch es sei gut, dass über diese Fragen in den Unternehmen heute offener geredet werde.

Nicht jedes Stresssymptom ist gelich ein Burnout

Personalthemen werden komplexer und verlangen nach individuellen Lösungen. Das zeigt sich vor allem beim Umgang mit dem demografischen Wandel – von Babypause bis Pflegezeit. Die "lebensereignisorientierte" Gestaltung von Personalpolitik erfährt den deutlichsten Bedeutungszuwachs in der Umfrage.

Die Förderung älterer Mitarbeiter steht überall auf der Agenda. Manchmal fast zu prominent, warnt Lauer mit Blick auf die "klammernden Babyboomer", die das Denken in der Gesellschaft beherrschen. "Wenn wir Jüngeren keine Chance geben, verlieren wir Innovationsfähigkeit."

Raum für Kreativität schaffen

Für ein "neues Denken" und einen bewussten Umgang mit dem "Nicht-Wissen" setzt sich Zukunftsforscher Dr. Bernhard Mutius ein. Es sei an der Zeit, sich vom linearen Fortschrittsdenken zu verabschieden, denn die Realität sei alles andere als geradlinig: "Künftig brauchen wir ein Offroad-Management." Statt ausschließlich auf Effizienz abzuzielen, gelte es, Ordnung und Chaos auszubalancieren, damit Raum für Kreativität entstehen kann.

Mit seiner Anregung eines neuen Wertediskurses verknüpft auch Mutius die drängenden gesellschaftlichen Fragen mit der Verantwortung von Unternehmen gegenüber den Mitarbeitern: "Wertschöpfung braucht Wertschätzung", fasst er zusammen. "Die Trennung von Wirtschaft und Ethik wird abgelöst von einer wertebalancierten Führung."

Auswirkungen der Megatrends
LZ
(sb/cd)

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